Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 10 (1931-1932)
- Issue
- 1 (9.1931)
- Date
- 1931-09-01
- Page
- Seite 8 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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nur selten zum Problem werden können. Zudem hat der .Westjude meist den bequemeren Zugang zu allgemeinen kulturellen Strömungen und ihrer Bewertung; das madit ihn auch seiner eigenen Produktivität gegenüber naturgemäss kritischer und anspruchsvoller. Die Art, wie der jüdische Autor von heute Bestandteile der traditionellen jüdischen Musik verwendet, ist von seinem individuellen Künstlertum abhängig: der eine läßt 6ich von der Materie so ergreifen und ergibt sich ihr derart mit seiner ganzen Seele, dass er sie möglichst unangetastet und rein iu sein Werk übernimmt. Einen anderen vermag die überlieferte Thematik nur „anzuregen"; er kann nur dann schaffen, wenn er die Souveränität über sie behält. — Der dritte — dessen „Jüdischkeit" sicher nicht als geringste bewertet zu werden verdient, wenngleich sie die undurchsichtigste, die am schwersten zu erfassende ist — übernimmt Stimmuugsgehalte, Athmosphärisches und Wesensmässiges, ohne sich in seinen Intentionen durch gegebene Details audi nur im geringsten irritieren, zu lassen. Verhältnismässig klar und unkompliziert liegt der Fall bei dem Künstler der erstgeschilderten Kategorie: er findet — instinktiv oder zufällig oder bewusst — synagogale Weisen, Volkslieder oder nigunartige Motive, die ihn bewegen. Während er sie sidi einverleibt, gilt sein Hauptaugenmerk immer der Erhaltung des ursprünglichen Melodiekerns. Das Problem besteht dann für ihn vielfach nur noch in dem Entsdiluss zu einer bestimmten Kunstform und — im Hödistfall — in der Enisdieiduiig zu einer besonderen stilistisdien oder harmonikalen Umrahmung. Diesen Künstlertyp finden wir in einer gewissen Ausgestaltung unter den ersten Bearbeitern jüdischer Musik. Nach einer Zwisdienperiode, in dem der zweite Typ aus gewissen entwidclungsmässigen Gründen mehr zur Geltung kam. erblickt man heute in den Vertretern des eisten und dann aber auch des dritten Typs die lautersten Diener am Werk. Es gibt ein Beispiel, an dem man diesen Entwicklungsgang ausgezeidinet studieren kann: es ist das uralte Lied der galiläisdien Arbeiter:• „El jiwneli Hagalil" (Gott wird Galiläa aufbauen). Diese Melodie — die A. Z. Idelsohn in seinen „Gesängen der sefardischen Juden"*) aufnotiert hat, ist von unseren modernen jüdisdien Komponisten geradezu mit Leidenschaft immer wieder aufgegriffen worden. Es ist ein kurzes, typisdi-orientalisches Volkslied mit starkem jüdisdien Einsdilag, dessen einzelne Glieder wohl imr die Funktion haben, die drei oben genannten Textworte von versdiiedenen Gemütslagen aus — durch verschiedene Sphären hindurdi — zu paraphrasieren- Bei Joel Engel, dem Verfasser der Dybuk-Musik, findet sich eine Bearbeitung dieses Liedes unter den kleinen Kinderklavierstücken. Engel verändert gar nidits daran, er zitiert es eigentlich nur und unterlegt es sparsam mit den Grund dreiklängen europäisdier Mollharmonik. ipü cd»?"r7" rf^f--- f=- '4 3— E^l J ' •&- » f-$= yJu;\ I -r1 Ped * 1j * B** i * " Ad. * H— 1 —1 3J.*JU. * \—^ -- *H 2: -ejj kd *3d % #2kr. *W. *FeJ- *A*Jfc* Aehnlidie musikalische Tendenzen zeigt Joachim S t u t s c h z e w s k y;s Bearbeitung („13 Jüdische Volksweisen für Violine und Klavier"**). Stutsdizewsky betont mehr das Gebetartige, mehr den Verwirklidiungswünsch des Einzelnen, während man durdi Engels Klavierstück hindurch die Gemeinschaft singen hört. Diese dem Lied immanente Tendenz zum Chor haben Lazare Saminsky (New York) und Rosowsky (Jerusalem) realisiert. Rosowsky's Chorbearbeitung („Misimrath Haarez", Warschau 1929) ist sdion ansprudisvoller und moderner, wenngleidi audi er den Urkern fast unberührt lässt. Er baut — unter Mitwirkung des Pianos — einen gemisditen Chor daraus auf, der im grossen Ganzen einstimmig gehalten ist. Eine reguläre „Entwicklung" (im musikalischen Sinn) erfährt das Lied in den Klaviervariationen von Joseph Achron.**) Hier weiden innerhalb einer grossangelegten Variationenform die vielseitigen thematischen und stilistischen MögLidikeiten, die diese Melodie bietet, in virtuoser Form ausgewertet und durch immer leidenschaftlidiere und kompliziertere Bewegungen .hindurdi, über eine monumentale sechsstimmige Fuge hinweg schliesslich zu einem „heroisdien" SdiLuss geführt. Audi Michael Gnessin hat sich durch dieses Arbeitertanzlied zu vierhändigen Klaviervariationen („Ora")**) 'inspirieren lassen, die zwar weniger virtuos, durdi ihren Kammerstil kleineren Formats dafür aber dem Laien zugänglidier sind. *) Benjamin Harz Verlag, Berlin. **) Universal Edition Wien. ***) Russ. Staatsverlag Moskau. Nutzen Sie die Letzten Wochen von Brumlik's großem Umzugs- Räumungs- AUSVERKAUF die größte Sensation des größten Spezialhauses Süddeutschlands fürTeppiche, Gardinen etc. Versäumen Sie nicht diese einzigartige Einkaufsmöglichkeit. iKPIMl« Neue Kräme 28-30