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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-09-01 · 1 (9.1931) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
10 (1931-1932)
Issue
1 (9.1931)
Date
1931-09-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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liner Jüdischen Gemeinde, die sich an die oben erwähnte Ausstellung „Kult und Form" anschloss, in vielleicht bisher selten erreichter Klarheit. Die Grundformenunsrer Kult gerate haben sich dn entscheidenden Umrissen Jahrhunderte hindurch un- Chanakkaleuäiter von Ludwig Wolpert verändert erhalten. Seit die Gold- und Silberschmiede in der Synagoge von Alexandria ihre eignen Plätze einnahmen, muss es unter den vielen Juden, die in aller Herren Länder das Kunsthandwerk betrieben, Menschen gegeben haben, denen religiöses Empfinden unmittelbar in künstlerische Gestaltung überging, dass sie fähig wurden, gottesdienstliche Formen von unwandelbarer Gültigkeit zu schaffen. Der Reichskunst wart Redslob sprach kürzlich bei der Eröffnung der Kult- und Form-Ausstellung von dem Silberne Becher von B. Friedländer „Gebetswert der menschlichen Hand" — als er die Volkskunst der Stickerinnen kennzeichnen wollte —. Kein besseres Wort gibt's, um jene jüdische Vorzeit des Kultgeräts zu kennzeichnen. Und so greift das Motto eines der fähigsten jüdischen Künstler unserer Tage, des Baumeisters Harry Rosenthal, nach beiden Seiten hin, um die Ziele modernjüdischer Kunst zusammenfassen. „In geistigem Zusammenhang mit der Tradition verwerfen wir eklektisch verwendete Kunstformen und erstreben ein inniges Verhältnis zwischen Kult und Leben durch verständliche Ausdrucksformen." Denn zu der liebevoll bewahrten Tradition tritt nun das Neue: die Abkehr von allem Schnörkel, die neue* Ehrlichkeit unsrer Formempfindung. — Romenthals eigne Arbeiten entwickeln sich seit Jahren auf dieser Basis. Der schöne Thoravorhang, dessen Abbildung wir bringen, sammelt Goldlitzen auf hellem Grunde zu kleinen, strahlenden Vierecken; rechtwinklig und schlicht geführt wie es der dekorative Sinn der Gegenwart will — und doch grade in diesem geometrisch-abstrakten Gebilde auf altorientalische Muster zurückgehend, Altes und Neues glücklich verbindend. Deutlicher noch zeigen die uralt vertrauten Formen des Chanukkah-Leuchters diese verschiedenen künstlerischen Tendenzen. Kabane mit seinem Wandleuchter mit ornamental verzierter Rückwand und Zadikows Standleuchter mit den zwölf Symboldarstellungen knüpfen hier stärker an die alte Weise an. Dagegen zeigt der grosse Bronzeleuchter von Ludwig Wolpert schmucklose Klarheit edler Linien in seinen aus festem Schaft parallel aufstei- Chanukkaleuchter von Mirjam Rosenthal genden Rundungen. Und der kleine Silberleuchter der Emmy Roth fügt zu der Strenge des Rechtecks noch den Strahlenglanz edlen Materials. Damit haben wir bereits den Weg zu einer der begabtesten jüdischen Künstlerinnen auf diesem Gebiete gefunden: der Silberschmiedin Emmy Roth, ihre Kidduschbecher, Besomimbüchsen, Esrogdosen sind alle mit der Hand aus dem Silber geschlagen und stellen sich in dieser liebevoll sorgsamen Hand-Frömmigkeit ganz nahe zu den alten Kultarbeiten, von denen wir sprachen, während sie in ihrer sichern Zweckhaftigkeit und Ehrlichkeit der Linie neuesten Forderungen gerecht werden. Durch die Zartheit des kostbaren Materials bestechen die Glasarbeiten von Mirjam Rasenthal; ganz besonders ihre Becher. Büchsen und Zeiger. — Dagegen erscheint der gläserne Chanukkahleuchter trotz der spinnwebfeinen Aederung der Säulchen doch ein wenig gewagt durch den Zwiespalt zwischen dem zerbrechlichen Stoffe und dem Zwecke des Gebildes. Welche festliche Wirkung vom Glase auf weiss gedecktem Tische ausgehen kann, das offenbart in überraschendem Masse die grosse Sederschüssel des vielseitigen Ludwig Wolpert. — Aber auch die keramische Sederschüssel von Friedrich Adler — die vielleicht unbewusst an die alte Tradition der jüdischen Kunsttöpfer im Italien des 16. Jahrhunderts anknüpft, — erfreut das Auge in ihrer glücklich anheimelnden Farbwirkung. Alles in Allem: mag der Einzelne mit der Neuformung des altvertrauten Geräts mehr oder weniger einverstanden sein — niemand, der offene Augen und ein Herz für jüdische Werte hat. wird verkennen, dass sich hier eine höchst bedeutsame Weiterentwicklung unsrer alten jüdischen Volkskunst offenbart. .,Altes aufbewahrt mit Treue, offen aufgefasstes Neue" — das scheint mir der Geist unsrer neuen jüdischen religiösen Kunst. Jüdische Motive in der zeitgenössischen jüdischen Musik Von Alice Jacob-Loewenson. Uebergangszeiten — wie die unsere — haben es meist schwer, neue Werte, die auch bleibende Wrerte sind, zu erzeugen. So bezieht der jüdische Komponist unserer Zeit, dessen letztes Ziel die Neuschaffung einer eigenwüchsigen jüdischen Musikkultur ist, ein gross Teil seiner Intensität, seiner Einfälle und seiner Formprinzipien aus dem reichen Quell unserer musikalischen Vergangenheit. Die Wege, die er einschlägt, -um zu diesem alten Erbgut zu gelangen, sind ebenso mannigfaltig wie die Methoden, die er benutzt, um es fruchtbar zu machen. Am leichtesten hat es der orientalische und der osteuropäische Musiker: ihnen liegt der Keim im Blute; sie brauchen die alten Lieder nur auf der Gasse aufzulesen. — Bei dem Westjuden gibt es schon weit grössere Schwierigkeiten — soweit er überhaupt daran interessiert ist, sich am jüdischen Stoff fruchtbar zu erweisen. Er muss ja die Elemente erst wieder ganz neu von sich und seiner Generation aus erobern. Dafür hat er den Vorteil, dass in ihm manche produktive Spannungen und Konflikte entstehen und reifen können, die dorn Ostjuden — dem der Segen allzuleicht in den Sehoss fällt —

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