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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-08-01 · 12 (8.1931) · p. Seite 380

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
12 (8.1931)
Date
1931-08-01
Page
Seite 380 (sequence 18)
Language
German
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380 len auch, weniger allgemeine Aussprachen stattfinden, vielmehr solle in den Sitzungen jeweils eine Begrenzung auf bestimmte aktuelle Fragen erfolgen. In der ersten Sitzung standen insbesondere zwei Fragen zur Erörterung: der Ausbau des jüdischen Darlehenskassenwesens in Deutschland und die Durchführung: von Siedlungsbestrebungen. Neben den Ausschussmitgliedern nahmen auch eine Reihe bekannter Fachleute an den Beratungen teil. In vielstündiger Beratung wurde' der gesamte Fragenkomplex durchgearbeitet. Dr. Kreutzberger berichtete über den derzeitigen Stand der jüdischen Darlehenskassenbewegung in Deutschland. Er schilderte die verschiedenen Rechtsformen der Darlehenskassen und befürwortete eine genossenschaftsähnliche Grundlage. Es wurde übereinstimmend für dringend notwendig gehalten, das Darlehenskassenwesen weitestgehend auszubauen. Während zur Zeit nur in einigen grösseren Gemeinden solche Darlehenskassen bestehen, soll darauf hingewirkt werden, dass in allen grösseren jüdischen Gemeinden neue Kassen errichtet und insbesondere da, wo dies möglich ist, die lokalen zu Bezirksdarlehenskassen ausgebaut werden, die den in kleinen Städten und auf dem Lande wohnenden Juden zugute kommen sollen. Der Preussische Landesverband jüdischer Gemeinden hat gemeinsam mit der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden eine Zentralstelle für Darlehenskassen geschaffen. Er hat 10 000 RM zinslos zur Verfügung gestellt, um das Kapital, das von den Darlehenskassen auf dem iKrediitwege aufgenommen wird, bezüglich der Zinshöhe zu verbilligen. Die Schaffung eines Kapitalfonds ist ebenfalls bereits in Angriff genommen. Es wird mit Intensität darauf hingewirkt werden, durch die Hergabe grösserer Beträge zu erträglichen Bedingungen den Kreisen, denen die Existenz durch Darlehen gestützt oder aufgebaut werden kann, zu helfen. Zur Kapitalbeschaffung sollen alle in Betracht kommenden Hilfsquellen erfasst werden. Hierbei ist insbesondere an staatliche Stellen und jüdische Institutionen des Auslandes gedacht. Ferner soll die Frage geprüft werden, ob das Vermögen von jüdischen Gemeinden, Stiftungen und Organisationen durch die Zentralisierung an einer Stelle als Grundlage für die Erlangung weiterer Gelder zum Ausbau des jüdischen Darlehenskassenwesens nutzbar gemadit werden kann. Das zweite Hauptthema des Abends war die Siedlung s f r a g e. In einem einleitenden Referat schilderte Herr Götz vom Reichsbund für jüdische Siedlung die rechtlidien Grundlagen der Siedlungstätigkeit in Preussen sowie das numerisdie. politisdie und wirtsdiaftliche Verhältnis der Juden in der Landwirtsdiaft und Gärtnerei zur Gesamtbevölkerung. Er legte die Gründe klar, aus denen Juden an den allgemeinen interk jnfessionellen Siedllingsbestrebungen in Deutschland nur in einer begrenzten Zahl teilgenommen haben und erläuterte im einzelnen Art, Umfang und Rentabilität der jüdischen Siedlungen. Prof. Franz Oppenheimer ergänzte diese Ausführungen in einer ausserordentlich, lebendigen und interessanten Schilderung. Er . verwies auf die von ihm ins Leben gerufenen Siedlungen, insbesondere auf die Güter Eden und Bärenklau, die durch ihren genossensdiaftlidien Aufbau sidi besonders günstig entwickelt haben. Er empfahl die von ihm befürwortete Siedlungsform audi eindringlidi für die jüdisdie Siedlungstätigkeit. Wenn audi in der Landwirtschaft keine für alle Zeiten gültigen Rezepte möglidi wären, so sei dodi gewiss, dass es Proletarier im Sinne der Stadtbevölkerung in den Siedlungen nicht gäbe. Der jüdisdie Bevölkerungsrückgang in Deutsdiland mache eine stärkere Anteilnahme an den Siedllingsbestrebungen zur dringendsten Notwendigkeit. Durdi den Anschluss jüdischer Handwerker an jüdisdie Siedlungen werde die Neubildung und Erhaltung jüdischer Landgemeinden ermöglidit. Alsdann wurden die Möglichkeit und die Kosten der Ansiedlung von jüdisdien Familien auf dem Lande und die Absatzmöglichkeiten landwirtsdiaftlidier Produkte eingehend erörtert. Durdi einen Antrag bei der Berliner Jüdischen Gemeinde soll das dem Reidisbund für jüdische Siedlung zum Ankauf des Gutes Gross-Gaglow gewährte Darlehen in eine Beteiligung bei der Jüdisdien Landarbeit G. m. b. H. umgewandelt werden. Hierdurch dürfte die Erlangung erheblicher staat- Iidier Mittel für den Ausbau des Siedlungswerkes gesichert werden können. Der Gartenbauschule in Ahlem und dem Lehrgut Gerin g Ii o f wurden Subventionen bewilligt. W o h 1 f a h r t s a u s s c h u s s. Am Sonntag, den 28. Juni 1931 tagte zu Berlin unter dein Vorsitz von Landgeriditsrat Dr. Lilienthal der neugewählte Wohlfahrtsaussdiuss des Preussischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden. Da gegenüber dem Vorjahre der diesjährige Betrag geringer war, musste eine Reduktion aller laufenden Subventionen eintreten, und es konnten nur in sehr beschränktem Masse Anträge neuer Anstalten und Ver- Gasherde Kombinierte Herde für Kohle und Gas- Kohlenherde Niedere Preise. Zahlungserleichterung. Zeil 23 Esch& Co. Tel. 21157 Gemeindemitglieder bedient Euch zur Gräberpflege der mit allen neuzeitlichen Anlagen ausgestatteten Friedbofsgärtnerei der Israelitischen Gemeinde. Sie übernimmt die Neubepflanzung von Grabstätten in jeder gewünschten Art, sowie die jahrweise und dauernde Pflege. Lieferung von Kränzen, sowie von T o p fpflanzen und SchnittbLumen für alle Gelegenheiten. Bestellungen durch das Friedhofsamt der Israelitischen Gemeinde, Zeppelin 52041 oder direkt in der Gärtnerei, Eckenheimerlandstrasse 238. =a

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