Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 11 (7.1931)
- Date
- 1931-07-01
- Page
- Seite 340 (sequence 4)
- Language
- German
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340 ein Mann war, der die Wüste sehr gut aus eigener Anschauung kannte und mit den Lebensgewohnheiten in der Wüste vertraut war. Denn nur so kann man es verstehen, dass er weiss, welche Pflanzen im äussersten Notfall als Nahrung verwendet werden. Man könnte einwenden, dass auch eine Wüstenreise genügt hätte, um die Wüste kennen zu lernen. Doch sprechen, abgesehen von der allzu eingehenden Wüstenkenntnis auch die stilistischen Eigentümlichkeiten, die in der Einleitung erwähnt wurden, gegen eine solche Vermutung. So ist man wohl zu dem Schlüsse berechtigt, dass der Dichter des Hiob im südlichen Palästina beheimatet war, in dem Gebiet, das in die grosse ägyptisch-arabische Wüste übergeht. VII. Eine Stelle, die durch die Deutung, die ihr Rabbi Hoschaja gibt, einen sehr eigenartigen Sinn erhält, finden wir in Hiob 31, 10. Hiob beteuert seine Schuldlosigkeit und meint, wenn er nicht schuldlos sei, „so sollen statt Weizen Dornen aufgehen und statt der Gerste Unkraut". R. Hoschaja schliesst aus dieser Stelle: „DieSchrift lehrt dich die Regel: Ein Feld, auf dem Chochim, Dornen, wachsen, ist zur Weizensaat geeignet, eines, das boschah hervorbringt, zur Gerstensaat." Er glaubt mit anderen Worten, dass man an der Art des Unkrauts erkennen könne, welcher Boden für Weizen, und welcher für Gerste geeignet ist und schliesst das daraus, dass Hiob im Zusammenhang mit Weizen ein anderes Unkraut nennt als im Zusammenhang mit Gerste. Das klingt gekünstelt und befremdlich. Doch zeigt sich bei näherem Zusehen, dass sowohl dieser Hiobstelle als auch der Folgerung, die R. Hoschaja daraus zieht, etwas sehr Richtiges zu Grunde liegt. Die moderne Botanik hat gezeigt, dass man aus der Art der Ackerunkräuter wichtige Schlüsse auf die Beschaffenheit des Bodens ziehen kann, da die verschiedenen Unkräuter sehr verschiedene Ansprüche an den Boden stellen. Man spricht von bodenanzeigenden Unkräutern. Da nun auch Gerste und Weizen grundverschiedene Böden verlangen, kann man aus der Art der Unkräuter auch Rückschlüsse darauf ziehen, welcher Boden für Weizen und welcher für Gerste geeignet ist. Und nun zum Speziellen: Mit Choach ist etwas Dorniges gemeint, mit boschah ein nicht dorniges Unkraut. Unter dem Begriff „Dorniges Unkraut" können nur die Disteln verstanden werden. Die Ackerdisteln (Cirsium arvense) ist bei uns ein gemeines Unkraut. „Sie liebt besonders tiefgründige humose und mergelige Lehmböden (also die besten Ackerböden)". So lesen wir in einem der bekanntesten Floren werke (Hegi, Flora von Mitteleuropa). Die eben charakterisierten Böden sind solche, die ganz besonders für die Weizenkultur geeignet sind. Die häufigsten, nichtdornigen Unkräuter sind der Hederich (Raphanus ra- Bhanistrum) und der Ackersenf (Sinapis arvensis). Beide fnkräuter kommen auf sandreichen Kalk, und Tonböden vor. Und das sind solche, auf denen Gerste besser als Weizen gedeiht. Da nun die Ackerdistel und die nahe verwandte Cirsium acarna ebenso wie der Ackersenf und der Hederich in Palästina vorkommen, liegt der Schluss nahe, dass R. Hoschajah mit seinem scharfsinnigen Ausspruch im Recht ist und dass in unserer Hiobstelle eine alte Erfahrungstatsache niedergelegt ist. VIII. So zeigt sich in allen Gleichnissen, dass der Hiobdichter zutiefst in der Natur verankert war. Trotzdem ist ihm die Natur an sich nebensächlich. Sie erhält für ihn erst Sinn als "Schöpfung, als Offenbarung Gottes. Und so schliesst der Hauptteil des Buches Hiob mit den ewigunvergänglichen Worten: Und es antwortete der Ewige dem Hiob aus dem Sturme und sprach: ... „Wo warst Du, als ich die Erde gründete? Wer sperrte denn ein mit Pforten das Meer? Wer spaltet dem Regenwasser Kanäle, dass es regnet auch auf unbewohntes Land auf Wüsten, wo keine Menschen weilen zu sättigen Oede und Verödung und spriessen zu lassen Grases Aufwuchs? Knüpftest Du die Schleifen der Plejaden?" Und es antwortete Hiob dem Ewigen und sprach: „Nur durchs Hören des Ohrs hatte ich von DIR gehört. Jetzt aber hat DICH mein Auge geschaut. Darum verachte ich Und bin getröstet Ueber Staub und Asche." Tammus - Aw Von J. Diament Es ist die Zeit, in der des Sommers gute Hand Den blendendweissen heiligen Verband Legt um der Menschen Wunden, Dass sie gesunden — Doch dir hat eine grosse Wunde diese Zeit geschlagen, Die durch Jahrtausende dein Herz und deine Seele tragen . Es ist die Zeit der Welterholung und der Lust, Von der die ersten Menschen schon gewusst, Und die den letzten noch ihr Jubellied wird singen Und in dem goldnen Korb der Sonne Freude bringen, — Dir aber brachte sie dein grosses Leid, , Die weltbeglückende gelobte Zeit. Es ist die Zeit, in der der Lastbeschwerte sucht Vergessen — und Vergessen bucht; Auf tausend grüne Blätter schrieb die Erde selbst: Vergis Den Schmerz des All und deinen eignen Riss!— Dir aber schreibt dein Gott das traurige Gedenken vor Des Tempels und der Scholle, die dein Volk verlor . . . Fleisclmahrung, Schächten und Tierschutz Von Sanitätsrat Dr. Hermann Schlesinger. Die Bewertung der Fleischnahrung ist nicht immer gleichmässig geblieben. Es gab eine Zeit — sie ist heute im Bewusstsein des Volkes noch nicht gänzlich überwunden —, da das Fleisch als das Nahrungsmittel galt, d. h. als das weitaus beste und gehaltvollste aller Nahrungsmittel. „Fleisch ist das best(e Gemüse", heisst es im Volksmunde. Im krassen Gegensatz dazu wollen die Vegetarianer den Fleischgenuss aus gesundheitlichen und moralischen Gründen überhaupt aussdialten, hödistens dass die mildere Richtung gewisse tierische Nahrungsmittel, wie Milch, Eier, Honig zulässt. Wissenschaftbich steht jedenfalls fest, dass der Mensch bei einer Pflanzenkost bestehen, d. h. dass er sich gesund und leistungsfähig erhalten kann. Bei alten Leuten stellt sich manchmal bei sonst völliger Gesundheit ein Widerwillen gegen Fleisch ein: eine durchaus harmlose Erscheinung, man lässt es einfach fort und ernährt sie mit Milch, Eiern, Vegetabilien. Bei einigen Krankheitszuständen, wie bei der Gicht, Nierenkrankheiten u. a. müssen Fleischgerichte bisweilen gänzlich oder teilweise auf dem Speisezettel gestrichen werden, ohne dass selbst bei langer Dauer des Verbotes ein Unheil entsteht. Wenn demnach das Fleisch den Platz auf dem hohen Piedestal seiner früheren Würdigung verloren hat, so behauptet es gleichwohl den Rang als treffliches Nahrungsmittel in der Kost des Gesunden und Kranken. Schuld daran ist die Zugehörigkeit des Menschen zu den Omnivoren, d. h. denjenigen Geschöpfen, die auf pflanzliche und tierische Nahrung zugleich angewiesen sind. Der menschliche Verdauungsapparat hält die Mitte zwischen dem reinen Pflanzen- und dem reinen Fleischfresser, das zeigt sich u. a. am Gebiss, in dem sowohl Reissals auch Mahlzähne vertreten sind, und an der Länge des Darmkanals. Jedenfalls hat sich von jeher die überwiegende Mehrheit der Menschen für den Fleischgenuss entschieden, man darf sagen, dass sie darauf eingestellt ist. Selbstverständlich kann er, wenn er zu reichlidi isst, üble Folgen für die Gesundheit haben, aber das bedeutet nichts Naditeiliges für seine Beurteilung, denn das Allzuviel ist stets ungesund. Für gewöhnlich ist es ausreichend, wenn man ein Mal täglich Fleisch isst; unter den heutigen Verhältnissen dürfte übrigens dafür gesorgt sein, dass Unzählige sich mit noch weniger begnügen müssen. Wenn in Speisehäusern, namentlich in den Luftkurorten, Fleisch gar zu sehr im Mittelpunkt der Mittag- und Abendmahlzeiten steht, in den vornehmsten und teuersten am meisten, so ist das vom hygienischen Standpunkt zu beklagen. Bei der deutschen Sitte, die Hauptmahlzeit auf den Mittag zu verlegen, ist zweifellos ein frugales, fleischloses Abendessen am bekömmlichsten. Da das Fleisch gefallener, d. h. durch Krankheit verendeter Tiere allgemein abgelehnt wird, so ist der einzig mögliche Weg, um zum Fleischgenuss zu gelangen, die Tötung der Tiere. Die Berechtigung zu solchem Vorgehen entnimmt der religiös gestimmte Mensch aus der Schöpfungsgeschichte der Bibel: „Seid fruchtbar und mehret euch, und