Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 10 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 323 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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wissem Sinne richtig und im Grunde doch falsch. Die Geschichte zeigt uns und auch unser deutscher Boden macht uns klar, dass gewisse Güter materieller und erst recht auch ideeller Art sich nur gegen den Widerstand, sei es der Natur, sei es der Umwelt entwickeln und zu Kraft und Eigenart erstarken können. Man denke an das besondere Aroma deutschen Obstes und man denke an die Fabel des Antäus, dessen Kraft immer neu erstarkte, wenn man ihn zu Boden warf und dadurch mit der kräftespendenden mütterlichen Erde in Berührung brachte. Das Judentum ist ein solcher Antäus, der von jedem Fall nur um so stärker aufsteht und es ist sehr wahrscheinlich, dass die Spitzenleistungen, deren das Judentum auf allen Gebieten geistigen, sittlichen und körperlichen Wettbewerbs sich rühmen darf, nicht zuletzt darauf beruhen, dass dem Juden nichts mühelos in den Sehoss fällt und er sich gegen deu Widerstand einer mir zu oft feindlichen Umwelt durchzusetzen hat. — Das jüdisch- — deutsche Kulturgut würde versickern und versanden, wenn e.s in der Allgemeinheit aufginge. So muss das Judentum im Interesse der Allgemeinheit als eine geschlossene Gemeinschaft so lange aufrecht erhalten werden, bis die Menschheit zur vollen Höhe ihrer Entwicklungsmöglichkeit, d. h. zur reinen Menschlichkeit herangereift ist. Man hat nicht mit Unrecht die Juden den Sauerteig der Völker genannt. Wird dieser Sauerteig als solcher vernichtet, so ist das einem Verlust der allgemeinen volklichen Antriebs¬ und Aufstiegskraft gleichzusetzen. So wächst dem Juden auch von dieser Seite her, ganz abgesehen von dem natürlichen Selbsterhaltungs- und Ewigkeitstrieb, die Verpflichtung zu, sich nicht selbst aufzugeben. Was kann in dieser Richtung trotz der Ungunst der Zeiten und der Willenswandlung der Menschen geschehen? Der erste längst begangene, aber durch die Not der Zeit übermässig eingeengte Weg ist ein ausgebreiteter Wöchnerinnen-, Säuglings- und Kinderschutz. Hier müssen Mittel herangeschafft werden, denn ohne Kinder keine Zukunft. Aber das genügt nicht. Die wichtigste .Regenerationsquelle liegt in uns selbst, liegt vor allem in der jüngeren und der heranwachsenden Generation, liegt in der Erziehung der jungen Juden zu einem Judentum, das ohne überheblich oder agressiv zu sein in ruhiger Selbstverständlichkeit seinen Weg als Jude und als Deutscher geht und mit ebensolcher Selbstverständlichkeit den Platz einnimmt und ausfüllt, der ihm abseits aller Sondererwägungen, welcher Art auch immer sie sein mögen, durch sein Können gewiesen ist. Der Weg dahin führt zu den lauteren Quellen des Judentums, zur Erschliessung der reichen Schätze, die dort zu heben sind und er führt zum Bekennermut. Zum Stolz auf das Judentum, den aber nur der recht besitzen kann, der davon weiss, dass die Ethik und der geistige Gehalt des Judentums die höchsten Werte umschliessen. Der eine Ahnung davon hat, was das Judentum von je der Welt au Schätzen des Geistes und Herzens zu geben harte und noch gibt. Der nicht wie einer unserer berühmtesten Dichter das Judentum als ein Unglück empfindet, sondern stolz ist, ihm anzugehören. Wie ist es denn heute? Neben dem Juden, die durch die Taufe dem Judentum den Rück.;n kehren, gibt es andere, die hinterm Dissidententuru ihr Judentum zu verstecken suchen. Andere gehen nicht so weit, aber sie verheimlichen es draussen so viel wie möglich, dass sie Juden sind. Sie freuen sich, wenn sie hören, dass man sie nicht für Juden gehalten habe und empfinden das: „Ja, wenn alle so wären wie Sie" nicht als eine Beleidigung sondern als ein Lob. Just so, wie sie den Glaubensgenossen häutig erst dann gelten lassen, wenn man ihn von andrer Seite als würdig befunden und abgestempelt hat. An all diesen Punkten gilt es anzusetzen. Der Jugend zeigen, welche Schätze, die nicht der Rost fr.isst, das Judentum zu vergeben hat. Sie zum Stolz auf das Judentum zu erziehen, zum Wunsch, ihm zu dTenen und sich dafür einzusetzen. Ihr, die wahren Güter des Lebens zeigen, die Familie wieder zur Heimstatt machen und das Judentum zur Heimat. Sie zur Unabhängigkeit vom Urteil der Welt, zur Erkenntnis des inneren Reichtums in sich geschlossener Persönlichkeit zu erziehen: das ist es, was not tut. Wer in sich ruht, der darf den Wunsch, nach aussen zu glänzen, um äusserer Dinge willen von anderen für würdig befunden zu werden, verlachen. Der darf einfach leben, weil er nicht nötig hat. sich mit äusserem Glanz zu umkleiden. Nicht etwas scheinen, sondern etwas sein! Dann wird auch wieder die Kinderfreudigkeit in die jüdische Familie einziehen, und es wird, wenn die Zeiten besser werden, nicht an dem nötigen jüdischen Nachwuchs fehlen. Ebenso wie es dem so erzogenen und gearteten Juden nicht in den Sinn kommen wird, durch die Taufe dem Judentum den Rücken zu kehren oder seinen Kindern durch eine solche feige Handlung den Lebensweg erleichtern zu wollen. So wird die G e 1> u r t e n f rage zu einer Frage d e r E v z i e h u n g und C h a r a k t e r b i I d u n g. Zu einer Frage des Verantwortungsbewusstseins und der Verantwor- ■ tangsbereitsehaft. Möchten wir stets die rechte Antwort fin- I den. Zum Besten des Judentums und der Menschheit. | Jakob Bernays.! Zu dem in der letzten Ausgabe erschienenen Aufsatz wird uns mitgeteilt, dass das dort erwähnte Werk des Lukrez nicht „de natura deorum" sondern „de natura reruiu" heisst. Auch sei Hennann Fsener nicht Schüler und Amtsnachfolger von Bernays. sondern von Ritsehl gewesen. #Kanalu. Wasserbau-Gesellschaft1 Bergerstr. 6 m. b. H. Bergerstr. 6 sorgt für Instandhaltung der Kanal- und Wasserleitungs-Anlagen. Carolus 43537/38 Llndau-Frisler-Salon A. OSTERMANN Spez. Dauerwellen, Neuesfes System Färben u. Wasserwellen Spez. Bubikopfschneiden UNTERLINDAU 78 FERNRUF MAINGAU 73038 HERMANN HENSLER Zell 62 OPTIK + OPTIK Moderne Kneifer und Brillen in nur bester Ausführung. Sorgfältigste fachmänn. 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