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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-06-01 · 10 (6.1931) · p. Seite 322

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
10 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 322 (sequence 12)
Language
German
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m?x wiiiiam 322 ganze Staat wies deren 3 240 000. darunter 64 469 Juden auf. Das sind im allgemeinen 17.1%, bei den Juden 33,S% aller Erwerbstätigen. Innerhalb der Arbeiterschaft sind die Juden nur mit 16 019 (8,4% aller jüdischen Erwerbstätigen) vertreten. Und nun die Beziehung zur jüdischen Geburtenfrage. Wir haben die mannigfachen geburtenmindernden Einflüsse der Grosstadt festgestellt. Die Juden aber sind ein Grosstadt voik. Von den in 1925 in Preussen festgestellten 405 969 Juden wohnten 503 251, d.s. rund 75% in Städten von 100 000 und mehr Einwohnern, davon in Berlin allein 172 672 42,8%. Für Dreiviertel aller preussischeii Juden sind demnach die geburtenmindernden Einflüsse der Grosstadt wirksam. Zur Katastrophe wird diese Sachlagerung in Frankfurt a. M. Stadt Frankfurt a. M. Auf 1 000 der Bevölkerung kamen: Jahr Eheschlg Geburt. Sterbef. Ueberschuss. Säuglings- __sterbt. % 1926 8.6 13,8 10,0 5,0 7,1 1927 9.4 12.8 10.8 2,0 6,7 1928 10.6 13.6 10,5 3,1 6,5 1929 10,7 12.S 11,4 1,4 6,5 Juden (rein jüdische Ehen ohne Mischehen, ebenso bei den Geburten). 1926 5.5 11,7 11,3 + 0,4 2,8 1927 5,5 11,4 11.8 — 0,4 5,2 1928 6,05 11.4 12,4 — 1,0 5,5 1929 6,02 9,6 15,5 — 5,9 2,1 Wir stellen fest: Bei einer der allgemeinen Entwicklung entsprechenden Erhöhung der Eheschliessungsziffer eine über den Durchschnitt hinausgehende Minderung der Geburten. Eine in der gleichen Richtung verlaufende Entwicklung der Sterbefälle und demzufolge eine jüdische Unterbilanz, die mit 3,9 Promille im Jahre 1929 einen geradezu bedrohlichen Charakter annimmt. Noch deutlicher wird der Absturz bei Auswertung der folgenden Tabelle: Bevölkerung nach dem Religionsbekenntnis 1900_1910 1925 Evang. Christen 175 909 250 505 272 567 Kath Christen S8 410 129 867 145 570 Juden 21974 26 228 29 585 Israelitische Kinder .im schulpflichtigen Alter männl._weibl._zusammen 1900 1588" 1372 276Ö 1910 1481 1455 2954 1925 599 557 1156 Sonach bei den Juden eine Bevölkerungszunahme die zwischen 1910 und 1925 sich auf 5157 12% beläuft, bei einer gleichzeitigen Abnahme der Zahl der schulpflichtigen Kinder um 1778 61 %. Anderes kommt hinzu. Die die Geburtenwilligkeit mitbestimmende Berufs Zugehörigkeit. Die allgemeine Tatsache, dass in den Kreisen des Mittelstandes, besonders der Intellektuellen, der Beamten, des -Handelsstandes die Vorsicht der Funiilienerweitenmg entgegensteht, kommt bei dem vorwiegend diesen Schichten zugehörigen Juden zu verstärkter Wirkung. Ebenso die Ehescheu der jüdischen Männer. Nun die Krise die, wie wir gezeigt haben, die Kreise des jüdischen Mittelstandes besonders hart trifft. Zwischen-' handel und Vertreterschaft sind sehr übel daran und gerade hier wie im gesamten Handelsgewerbe finden wir eine Beteiligung der Juden, die ganz ausser Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung steht und auch in den freien Berufen erheblich grösser ist, als dem durchschnittlichen Bevölkerungsanteil der Juden entspricht. Aber auch in den jüdischen Kreisen, die nicht unter der Krise zu leiden haben, begegnet man, das muss einmal ausgesprochen werden, der egoistischen Genussucht, die das Kind zu vermeiden sucht, um nur nicht in ihrem übersteigerten Lebens- und Geuussanspruch gestört zu werden. Endlich noch eine Feststellung: Die Flucht aus dem J udent u m, wie sie entweder durch Uebertritt zu anderen Glaubensgemeinschaften,-durch Uebergang zu den Dissidenten oder durch die Mischehe vollzogen wird. Gerade das Frankfurter Material ist in dieser Richtung wiederum sehr lehrreich, soweit es sich um die Mischehe handelt. Den 359 Geburten des Jahres 1926 aus rein jüdischen Ehen stehen 35 Geburten aus Mischehen gegenüber. Das sind 10% aller jüdischen Geburten, von denen anzunehmen ist, dass sie zum grösseren Teil dem Judentum verloren gehen. In 1927 sind es von 579 Geburten 40 10,5%. In 1928 von 571 :53 9% und in 1929 von 527 :57 11,5%. Audi hier also eine Entwicklung in negativem und bedrohlichem Sinn, die noch ungünstiger aussehen würde, wenn der geringen Geburtlichkeit nidit eine ganz aussergewöhnlich niedrige Säuglingssterblichkeit gegenüberstünde, die sich im Mittel der Jahre 1926—1929 für die Stadt auf 6,6%, für die jüdische Bevölkerung auf genau die Hälfte, d. h. 5,5% belief. Nun nach den Tatsadien und Gründen die Folgerungen: Geht der Weg so weiter, so kann man den Tag ausrechnen, an dem bis auf unbedeutende Reste das deutsdie Judentum vom Erdboden verschwunden sein wird und dies selbst unter Einrechnung eines vergleichsweisen starken Zustroms jüdischer Ostmensdien. Eines Zustroms, der ganz gewiss Werte zu vermitteln hat, der aber einmal durch die nationalsozialistischen Tendenzen von heute bedroht und diskreditiert wird. Der weiter niemals ganz das durch Jahrhunderte deutschbürtige -Judentum ersetzen kann und der endlich, sobald er mit westlicher Zivilisation in Berührung kommt, aufhört, die geburtliche Regenerationsquelle zu sein, die er vordem darstellte. Das heisst aber, dass der in Deutsdiland angesiedelte Ostjude sehr bald den geburtenmindernden Tendenzen westlicher Zivilisation unterliegt. Muss das alles so weiter gehen? Wir glauben nidit. Nidit nur weil die Ausmerzung des deutschen Judentums einen Kuliurveilust für die Welt bedeuten würde, den zu vermeiden nicht nur die Juden Anlass haben, sondern auch weil eine solche Selbstaufgabe im Widerspruch zur inneren Lebenskraft und zur Mission einer Gemeinsdiaft stünde, die ihren Bestand durch die Jahrtausende und unter den schlimmsten Umständen bewahrt hat. Man könnte einwenden, dass ein Verschwinden des Judentums im Volksganzen insofern keinen Verlust an Kulturgut zu bedeuten brauchte, als wohl die geschlossene Gemeinschaft, nidit aber das in ihr beschlossene und durdi ihre Einzelglieder an das Volksganze abgegebene Kulturgut verloren gehen würde. Dass also das, was den Juden an Kraft und Fälligkeit zu eigen ist, im allgemeinen Volkstum, zu dem sie ja auch gehören, weiter wirken würde. Das ist in ge- Aeltestes Frankfurter Gebäude- und Glasreinigungs-Institut und Erstes Mitteldeutsches Steinrenovierungs-Geschätt Abwaschen u. Reinigen von Häuser-Fassaden, Stein-Fassaden, auch mittels Sandgebläse, Wohnungsfenstern, Spiegelscheiben, Kronleuchtern. Wachsen und Oelen von Parkett- und Linoleumböden. Entstaubung mittels Vakuum. Leihweise Ueberlassung von Leitern bis zu 26 Meter Höhe. AUGUST ROGER MUSIKANTENWEG 2 2 Telefon Carolas 41634 Postscheckkonto Frankfurt-M. 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