Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 10 (6.1931)
- Date
- 1931-06-01
- Page
- Seite 321 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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321 Anders im Judentum. Hier zeigt das Jahr 1940 für keine der in Frage kommenden Altersjahrfünfte eine Zunahme. Im Gegenteil: „Das Weniger erreicht im Alter von 20—25 Jahren, das übrigens als das fruchtbarste anzusehen ist, mit 55,0 v. H. seines Bestandes vom Jahr 1925 seinen grössten Tiefstand, um sich in den folgenden Jahrfünften immer mehr zu ermässigen, bis es in der äussersten hier in Frage kömmenden Altersgruppe der 40—45jährigen Personen weiblichen Geschlechts auf 5,1 v. H. der gleichaltrigen von 1925 absinkt. Das Endergebnis aber ist, dass, wenn noch bei der letzten Volkszählung vom 16. Juni 1925 im Freistaat Preussen 81 548 deutsche Jüdinnen im Alter von Fruchtbarkeit vorhanden waren, es deren schon ein halbes Menschenalter später voraussichtlich nur noch 62 004 geben dürfte, was eine Abnahme um 19 544 oder 24% bedeutet. Verschärfend wirkt die wachsende Abneigung der jüdischen Männer gegen die Heirat. In allen für die'Eheschliessiing vorwiegend in Betracht kommenden Altersklassen ist die Zahl der Unverheirateten bei den Juden beträchtlich höher als in der ■Gesamtbevölkerung. Sie betrug für das Alter von 25 bis unter 50 Jahren in der Gesamtbevölkerung 45,26%, bei den inländischen Juden 70,85, bei den Juden insgesamt 67,7S%. Bis 55 Jahren: 19,4 Gesamtbevölkerung und 40,69% Juden. Bis 40 Jahre Gesamtbevölkerung 10,60, Juden 2 5,5 9%. Ein starkes Viertel aller jüdischen Männer war sonach im Alter von 40 Jahren noch unverheiratet, während in der Gesamtbevölkerung nur ein starkes Zehntel dem ledigen Stande angehörte. Nach den Tatsachen die G r ü n d e. Soweit sie das ganze Deutschland betreffen, darf man sie als so bekannt voraussetzen, dass ein zusammenfassender Hinweis genügt. Der Geburtenrückgang ist eine internationale Erscheinung kultureller und zivilisatorischer Entwicklung und als deren Folge der immer stärker hervortretende Persönlichkeitsanspruch. Nicht Mittel zum Zweck der Arterhaltung, nicht Produktions, und Reproduktionsapparat im Dienste der Güterherstellung oder expansiver Machtpolitik, sondern Selbstzweck wollen die Menschen sein. Der Mensch und nicht die Ware Blick- und Mittelpunkt aller Lebensäusserungen einschliesslich der Reproduktion. Bei den Frauen verstärkt sidi dieser Persönlichkeitsanspruch, der die Ablehnung des Gebärmaschinenstandpunkts umschliesst, durch die immer erweiterte Einbeziehung des weiblichen Geschlechtes in das Erwerbsleben. Auch bedeutet die vermehrte Erwerbsarbeit in manchen Gewerben (Textil-Giftindiistrie etc.) eine Schädigung des Genita lapparates, Komplikation des Geburtsvorgangs usw. Jedenfalls ist aber in zahlreichen Fällen die Doppelbelastung durch hauswirtschaftliche und Erwerbsarbeit ein Grund zur Verminderung der Geburtenwilligkeit. Hinzu kommt die Rationalisierung, die aus einem Fluch zu einem Segen werden könnte, wenn man sie durch entsprechende Ordnung der Arbeitszeit und der internationalen Produktion und Verteilung ergänzen wollte. Als weitere Gründe geburteneinschränkender Art sind daneben noch die Wohnungsnot, die gesteigerten Geiiuss a n - sprüche, die übertriebene Vorsicht und Lebensangst anzuführen-und so manch anderes das, insonderheit in der Grosstadt geburtenmindernd wirkt. All das Angeführte gilt in verschärftem Masse für die Juden. Die Juden sind immermehr ein Stadt- und Grossstadtvolk geworden. Nicht freiwillig. Man hat ihnen in früheren Zeiten den Landenverb und die Ausübung des Handwerks untersagt. In ganzen Ländern (siehe Bayern) unterlag ihre Niederlussungsniöglichkeit dem numerus clausus. Die Flutwelle des Antisemitismus vollendete, was die anderen Gegebenheiten begonnen hatten: die Juden drängten in die Städte, in den Handel, in die intellektuellen Berufe. Aus der Berufsstatistik vom Juni 1925 ergibt sich, dass die Juden in keinem Erwerbszweig gänzlich fehlen und wenn von den 403 969 preussischen Juden des Jahres 1925: 225 523 (55,8%) im Erwerb standen, so ist das ein Beweis für die jüdische Arbeitswilligkeit. — Fast die Hälfte der Erwerbstätigen (112 188 49,7%) entfallen auf Handel und Verkehr einschliesslich Gast- und SthankWirtschaft. In der Industrie (einschliesslich Bergbau. Baugewerbe und Handwerk) sind 21,9% verankert. Im freien Beruf 4.5, im Gesundheitswesen 3,7%. (In diesen beiden Abteilungen zeigt die Gesamtbevölkerung 2,0 bezw. 1,7%.) Eine besondere Beachtung ist B e r 1 i n zuzuwenden. Dort wohnen 42,7% aller preussischen Juden und der Anteil des weiblichen Geschlechtes übertrifft den Durchschnitt, indem er für Industrie etc. 20,8% (D. 16,5). Verwaltung 0,5% (0,5), Kulturkomplex 5,6% (4,0) Gesundheitswesen 3,2% (2,8) aufweist. Erstaunlich und für unsere Sonderfrage von grösster Wichtigkeit ist die hohe Zahl der Selbständigen unter den Juden. In Preussen gab es 1925: 3 070 000 Selbständige, darunter 92 164 Juden. Das bedeutet einen Anteil von 16,2% aller Erwerbstätigen und von 4S,3% der erwerbstätigen Juden. (Eingeschlossen sind hier als Selbständige: Hausierer, Kleingewerbetreibende, Gastwirte etc.) Auch bei den Angestellten ergibt sich ein ähnliches Bild. Der f&M Nur 25 Pfennig brauchen Sie anzulegen, um unsere ausgezeichnete reinigungskräftige Waschpaste zu erproben. Lösen Sie 1 Pake» Dr. Thompson'» Seifenpulver, Marke Schwan, ä 25 Pfennig, irt 1 '/4 Liter kochendheißem Wasser auf; rühren Sie gut um. Nach Erkalten erhalten Sie 3 Pfd. wirklich gute weihe, weiche Waschseifenpaste, vorzüglich für alle AbseiJ-Arbeifen in Küche und Haus. Dieser billige Versuch lohnt sich bestimmt und bring) Sie zu der Überzeugung : Für Absei&Arbeiien, Schrubben, Putzen, Stets Or. Thompson*! 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