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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-06-01 · 10 (6.1931) · p. Seite 320

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
10 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 320 (sequence 10)
Language
German
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320 geburtlichkeit der Juden suchen. Der allgemeine Geburtenrückgang ist eine seit Jahrzehnten in allen Kulturländern zu beobachtende auf unvermeidliche, hier, aber nicht nachzuprüfenden Gründen beruhende Erscheinung. Von einer Geburtlichkeit, die in Preusseu in 1900 immer noch 57,77 Promille (bei den Juden nur 20.14 Promille) und in 1905: 55.9S (bei den Juden 18.15 Promille, das ist die Hälfte) betrug, ist die Geburtenziffer im Jahre 1925 im allgemeinen mit 796 687 20.9 vom Tausend der 38 Millionen betragenden Gesamtwohnbevölkerung Preussens, bei den. Juden mit 5785 von 405 969: 14.5 Promille oder, wenn wir von den Mischehen absehen, mit 5025 oder 12,4 Promille festzustellen. Das bleibt unter der Norm der zur Bestanderhaltung notwendigen Zahl. Eine Tatsache, die wir durdi die Uebersterblidtkeit bestätigt fanden. Silbergleit sagt dazu (Seite 37). in den Jahren 1911—1924 kam nach Abzug der Sterblichkeitsüberschüsse bei der Gesamtbevölkerung ein G e b u r t e n überschuss von 5 019 100. bei den Juden ein S t e r b 1 i c h k e i t s überschuss von 18 252 zustande. ..D as alles ist nicht mehr krisenhaft, das ist vollständiger Zusammenbruch der jüdischen Bevölkerungsentwicklung von in. neu heraus!" Und nun zu dem Element, dem das deutsche Judentum es zu danken hat. dass es sich selbst in dieser Einschränkung aufrecht erhalten konnte: zu den Ausländern. SHbergleit berechnet, dass die 68 114 in 1925 als Reichsausländer. 7364 als Staatenlose und 909 mit unbekannter Staatsangehörigkeit ermittelten zusammen 76387 Juden 18.65% der jüdischen Bevölkerung Preussens darstellen, gegen 1.57% im Durchschnitt aller Konfessionen Zugewanderter. Es entfallen nämlich auf 18 504 001 männl. Bewohner Preussens 308 452 Ausländer. 19 616 172 weibl. Bewohner Preussens 295 547 Ausländer, 196 44S männl. Tuden Preussens 40 506 Ausländer, ,207 521 weibl. Juden Preussens 36 081 Ausländer. Demnach beträgt der Prozentanteil der Ausländer bei der männlichen Gesamtbevölkerung' 1.67 weiblichen Gesamtbevölkerung 1,50 männlichen jüdischen Bevölkerung 20.52 weiblichen jüdischen Bevölkerung 17,39 Tin Rahmen des ganzen Landes treten sonach die Ausländer bei beiden Geschlechtern der Juden verhältnismässig über zehnmal so stark hervor als in der Gesamtbevölkerung. Zu einem wesentlichen Teil, wie wir gezeigt haben, als ausgesprochene Kriegsfolge. Wie verteilen sich nun die Juden auf die verschiedenen Geschlechter und Altersklassen? Die Beantwortung dieser Frage ist aus verschiedenen Gründen von entscheidender Bedeutung. Vor allen Dingen weil von der Zahl des Nachwuchses die künftige Gestaltung der Geburtenfrage ab- RUCKENFREI die Badeanzug-Neuheit für 1931 Eine ganze Etage zeig! 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Oberschlesien Aveist in dieser Altersklasse 31.6%, bei den Juden 19.4% für die inländische. 20,3% für die Gesamtgrupne auf. Das ist vergleichsweise günstig, aber doch um vieles ungünstiger als der Staatsdurchschnitt von 25.9%. — Dagegen sieht die Sache im erwerbsfähigen Alter (15—63 Jahre) bei den Juden tingleich besser aus. Tn der Gesamtbevölkerung timfasst es 68.4. bei den inländischen Juden 74,5. den ausländischen 73.8%. Diese Sachlage lässt die Juden wiederum als die Avantgarde einer Entwicklung erscheinen, die das Alter der Erwerbsfähigkeit erhöht hat und als relativ günstig anzusprechen ist, wenn man nicht dem Wahnsinn der Zahl verfällt und sich von dem vernünftigen Grundsatz leiten lässt, dass nicht Quantität sondern Oualität des Menschentums das Entscheidende und es keineswegs unsere Aufgabe ist. die Erde zu Übervölkern, sondern den Menschen als Selbstzweck in den Mittelpunkt unsrer Fürsorge und Bevölkerunsrspolitik zu stellen. Von dieser Warte gewinnt auch die Tatsache ein anderes Gesicht, dass die im Alter von über 65 Jahren Stehenden im Bahnten der preussischen Gesamtbevölkerung nur noch 5.7%. bei den deutschen Juden aber 9.2%. den Ausländischen allerdings nur 5 0% beträgt, was sich bezüglich der Ausländer durdi den ständigen Nachschub jüngerer Altersklassen erklärt. Diese an sidi nicht ungünstige Entwicklung wird aber, besonders in jüngster Zeit, überschattet durch die Tatsache, dass das erste Altersjahrfünft der Bevölkerung mit 94% hinter dem dritten, vierten und fünften Jahrfünft mit 10%. bezw. 10,5 und 9.9% zurückbleibt. Zu pessimistischen Erwägungen gibt das indessen schon darum keinen Anlass. als daraus hervorgeht, dass die Sterblichkeit aller kindlidien und fahrenden Altersklassen sidt überaus günstig" gestaltet hat. Auf das eigentlidie Sänglingsalter entfallen 1.9%. auf das vollendete erste bis zum fünften Jahr 7.5% der Bevölkerung. Das gilt für die Gesamtbevölkerung Bei den Juden steht die Sache aber um vieles sdilimmer. Die Altersgruppe bis zu 5 Jahren belief sich im Juni 1925 auf 19 923 (6.1% gegen 9 4% der Gesamtbevölkerung). Die Grunne der 45 bis 50jährigen auf 28 106 (8.6%) gegen 61% der Gesamtbevölkerung. — Da5: zweite Tahrfünft. bleibt in der Alleemeinbevölkerunsr mit 2 457 794 Zugehörigen um 31.8% hinter dem ersten Jahrfünft zurück Doch ist das von geringerer Bedeutung, wenn man sich erinnert, dass in 1925 die 5—10: jährigen aus der Zeit des Krieges (1915—1920) mit seinen ungünstigen Geburten und Lebensverhältnissen stammen. Tn 1917 war die allgemeine Geburtlichkeit in Preisen auf 604 631 (14.4 Promille) zurückgegangen, die indischen Geburten ohne Misdreheu auf 2680 gegen 6055 im Jahre 1911 einschliesslich Afischehen auf 3199 freien 6814 in 1911 ein katastrophaler Rückgang, der mit 55.7 bezw. 53 1 % noch über die 49 2%ige Abnahme der Geburten innerhalb der Gesamtbevölkerung hinausging. An?esidits dieser Sachlage erhebt sich die bange Frage nach der künftig zn erwartenden oder möglichen Fruchtbarkeit der jüdischen Bevölkerung? Silbergleit berechnet dafür an Hand der Geburtenziffern wie der für die Tahre 1924—26 vorliegenden Reidtsstatistischen Sterbetafel für die unterste hier in Frage kommende Altersgruppe der nreussisdten Gesamtbevölkerung und das Jahr 1940 ein Weniger von rund 986 000 oder 14.4% des Bestandes von 1925. T^ür die anschliessende (Kriegs-)Altersgruppe von 20—25 Jahren 709 000 oder 37.7%. Die darauf folgenden Jahrfünfte verlaufen normal, was als einigermassen erstaunlich und äusserst günstig darum anzuspredien ist. weil diese folgenden Altersklassen besonders hart betroffen wurden, denn sie befanden sich damals im Alter des Aufbaues und der Entwicklung. (Vgl. für die TTebersterblichkeit dieser Tahrgänge Fürth: ..D a s B e v ö 1 k e r u n g s p r o b 1 e m in Deutschland". Verl. Fischer. Tena 1925.) Jedenfalls ist aber trotz aller widrigen Umstände für die gesamte weiblidte Bevölkerung im Jahre 1940 mit einem Mehr von rund 111 000 oder 1.14% der Gleichaltrigen voin Jahre 1925 zu rechnen. Tdi mnss sagen: Bedürfte es noch eines Beweises für die innere Kraft, mit der das deutsche Volk die fürchterlidten Kriegsfolgen überwunden hat, so wäre er in der Tatsache erbracht dass es noch in den jüngsten Jahren einen jährlichen Geburtenüberschuss von einigen Hunderttausend Menschen auf die Beine, stellen und im Jahre 1940 ein Mehr von 111 000 gebärfähigen Frauen zu erwarten hat.

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