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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-06-01 · 10 (6.1931) · p. Seite 319

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
10 (6.1931)
Date
1931-06-01
Page
Seite 319 (sequence 9)
Language
German
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Tn der Zeit zwischen der letzten Vorkriegs-Volkszählung und der ersten regulären Zählung nach dem Kriege ist also der jüdische Anteil an der durch Zuwanderung hervorgerufenen Bevölkerungszunahme, in der Hauptsache wohl Personen im erwerbsfähigen Alter, wieder ein viel stärkerer geworden als in der von Hanauer zuletzt beobachteten Periode. (Auf eine weitere Detaillierung für die Kriegs¬ und für die ersten Nachkriegsjahre kann hier nicht eingegangen werden.) Trotzdem hat sich auch in diesen 15 Jahren (1911—1925) die jüdische Bevölkerung in einem geringeren Masse vermehrt als die nichtjüdische (12% gegen 15%. siehe oben): der andere Faktor der Bevölkerungsbilanz, die Differenz zwischen Geburten und Sterbefällen, ist bei den Juden seit Jahrzehnten von geringerer Grösse als bei den Nichtjuden.3) Vor dem Kriege war die Geburtenziffer der Frankfurter Juden nur halb so gross wie die der Nichtjudeu, die jüdische Sterblichkeit um ein Drittel kleiner als die der übrigen Bevölkerung. Der jüdische Geburtenüberschuss betrug nur ein Drittel des nichtjüdischen. 3) In diesem Zusammenhange sei ein Mißverständnis richtiggestellt. d;is Hanauer in der von uns zitierten Arbeit (S. 1>9). aber auih an anderer Stelle (Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden, Neue Frille. 1. Jgg. Nr. 1. 1924, S. 20/21) unterlaufen ist. Der prozentuelle Anteil des Geburtenüberschusses an der Bevolkcrunjisveiinelirung war bei den Juden in den siebziger und achtziger Jahren größer als bei den Nichtjnden. Daraus schloß IL (wie es übrigens vor ihm auch Ii I e i c h e r und v. Obernberg taten, deren Ziffern H. abdruckte), daß damals der jüdische Geburtenüberschuß größer gewesen sei als der nichtjiidistlie. Dieser. Schluß ist aber nicht angängig: denn der Geburtenüberschuß einer Bevölkerungsgruppe muß zu ihrer Gesamtzahl in Beziehung gesetzt weiden; und da ergibt sich dann aus den von Hanauer selbst mitgeteilten Ziffern das Gegenteil seiner Behauptung: es war nämlich schon damals der Geburtenüberschuß bei den Juden kleiner nls bei den Nkhtjtidoii. Während des Krieges sank die Geburtenziffer bei grösser werdender Sterblichkeit: Geburtendefizit bei Juden und Nicht juden war die Folge, bei den Juden war es mehr als doppelt so gross wie bei den Nichtjnden. Heute halten sich bei der Gesamtbevölkerung Geburten und Stcrbefälle ungefähr die Waage (Geburtenüberschuss 1950: l°(io): bei den Juden ist die Zahl der Sterbefällc um die Hälfte grösser als die Zahl der Geburten! Die jüdische Sterbeziffer ist heute aber auch höher als die nichtjüdische. Dies ist keinesfalls auf eine grössere Gesundheit unter den Nicht juden zurückzuführen, sondern darauf, dass die älteren Jahrgänge bei den Juden stärker vertreten sind als bei den Nichtjnden. Es bestätigt sich auch hier in Frankfurt die Richtigkeit der Behauptung der Statistiker, dass die Entwicklung der jüdischen Bevölkerungsbilanz gewissermassen ein Barometer darstellt für später sichtbar werdende Erscheinungen bei ihren Wirtsvölkern: Zunächst hohe Geburtenziffer, hohe Sterblichkeit, hoher Geburtenüberschuss. Dann sinkt die Geburtenziffer, und zwar rascher als die Sterbeziffer — der Geburtenüberschuss wird geringer. Die Sterbeziffer kann aber nicht unter ein bestimmtes Mindestmass sinken; infolgedessen kommt es bei fallender Geburtenziffer mit der Zeit zu einem Geburtendefizit. Diese Entwicklung wird dadurch verstärkt, dass die Sterbeziffer steigen muss. wenn eine Bevölkerungsgruppe überaltert ist (relativ hohe Besetzung der älteren Jahresklassen als Folge des Sinkens der Geburtenziffern in den letzten Jahrzehnten). Hier halten heute die Frankfurter Juden, und ihre Bevölkerungsziffern lassen die Tendenzen deutlich werden, die wir voraussichtlich in wenigen Jahren auch anderswo beobachten werden. Lei. Die Geburtenfrage bei den Juden Von Henriette Fürth Die Geburteiifrage bei den Juden ist ein Problem von ganz besonderer Prägung. Während bei der allgemeinen Wertung der Geburtenfrage weltanschauliche, d. h. aber religiöse, mit wirtschafts- und machtpolitischen Gegebenheiten zusammentreffen, handelt es sich bei dem jüdischen Geburtenproblem, besonders dem der deutschen Juden, um eine Existenzfrage schlechthin. Wir werden das am ehesten beweisen und zu anschaulicher Darstellung bringen können, wenn wir uns den zahlenmässigen Verlauf der bezüglichen Entwicklung vor Augen stellen. Eine Gesamtübersicht liegt darüber noch nicht vor, wohl aber eine sich auf den grössten deutschen Bundesstaat P r eu ss en erstreckende, auf amtlichem Material beruhende Arbeit des bekannten Statistikers Prof. Dr. S i 1bergleit über: „Die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich" (Teil T. Freistaat Preussen.) Wir sehen von einem näheren Eingehen auf die an sich höchbedeutsamen Entwicklungszahlen der jüdischen Bevölkerung im achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert' ab und beschränken uns auf die bevölkerungspolitischen Daten unseres Jahrhunderts. Zusammenfassend sei allerdings bemerkt, dass der jüdische Anteil an der preussischen Gesamtbevölkerung, der sich im Jahr 1805 auf 2,5% belief, im Jahr 1816 nur noch 1,2% betrug, sich bis 1861 auf 1,58% erhöhte, von da an aber zurückging 1900 stellte er sich auf 1,15%; 1910: 1;04%. In 1925 ergab sich eine kleine Erhöhung auf 1,06%. Es sei hier vorweggenommen, dass dieses kleine Ansteigen des jüdischen Bevölkerungsanteiles im wesentlichen nicht auf geburtlicher Leistung der eingesessenen jüdischen Bevölkerung, sondern auf östliche Zuwanderung zurückzuführen ist. (Man erinnere sich an das Verbleiben der während des Krieges zwangsweise zwecks Arbeitsleistung nach Deutschland umgesiedelten polnischen rüden.) Diese Entwicklung vollzog sich bei einer ansehnlichen, aber trotzdem hinter dem Durchschnitt der Bevölkerung zurückbleibenden Geburtlichkeit und einem vergleichsweise hohen Geburtenüberschuss, der aber in den 40er und 50er Jahren von dem Ueberschuss der Ausüber die Einwanderung aufgezehrt wird und nachmals soweit herabsinkt, dass im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts einem allgemeinen Geburtenüberschuss von 15 pro Mille ein jüdischer von nur 1,7 pro Mille gegenübersteht während bis in die 60er Jahre des neunzehnten Jahrhunderts der Geburtenüberschuss bei den Juden wesentlich höher war als der allgemeine. Diese Krisenzeiten aus der Vorkriegszeit sind aber unbedeutend im Vergleich zu der katastrophalen Entwicklung der jüngsten Jahre. Tn Preussen gab es 1925 unter 79£?79 überhaupt Geborenen 57S5 jüdische Geburten, einschliesslich 545 unehelichen'und 760 aus Mischehen (424 jüdische Väter und 556 jüdische Mütter). Das bedeutet bei 5025 Geburten aus rein jüdischen Ehen und einschliesslich der Unehelichen bei einer Sterbeziffer von 5554 einen Sterbeüberschuss von 529. Für das Jahr 1928 stellte sich die Geburtsziffer auf 59U) '(einschliesslich Unehelichen) und 5704 Sterbefälle, was einen Sterbeüberschuss von 1794 bedeutet. Rechnen wir aber, wie wir angesichts der unterschiedslosen Sterbeziffer müssen, die Zahl der jüdischen Geburten (einschliesslich Mischehen) gegen die jüdische Gesa Unsterblichkeit von 1925 auf, so bleibt noch ein Geburtenüberschuss von 251 oder 4 pro Mille. Von da ab ändert sich aber die Sache gründlich, und selbst wenn wir nach unserem Schema der Mischeheneinbeziehung verfahren, finden wir im Jahre 192S einen Sterbeüberschuss zwar nicht von 1794, wie ihn die Silbergleitsche Berechnung der rein jüdischen Fortpflanzung ergibt, wohl aber von 1149 oder von 20 pro Mille. Das kommt, wenn wir eine Linie in die Zukunft hinausziehen, einem Todesurteil für das deutsche Judentum gleich. Aber nicht einmal das wäre erreicht worden, wenn nicht durch Zustrom ausländischer Juden die jüdische Bevölkerungszahl aufgebessert worden wäre. Wir werden von diesen Dingen noch zu sprechen haben, müssen aber zuerst den Schlüssel zu der Uebersterblichkeit bzw. Minder- A-no, Scbwinde,^ — n9, Verdouungsbeschwerden *rterien:^ nKÄrienläh^en. DisartETop „ird ouch «hnen he^n^ium Ein reines W^f'&t orv Crosat" V,SCÜ£ u herbae a»p»nae . Murin taeg.oxyac;u.e»ruy.. robt). [Apotheken .^j, begutachtet, Miniw» —(Ausführt. Broschüre durch diel 1 pharm. Abteiig. Gclactina,) IG. m. b. H., Obermainaniage j |Nr. 15, Frankfurt/M.

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