Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 9 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 290 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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IMitil t 290 In Merdingen (Baden) lebte vor vielen * Jahren ein Rabbiner Flehinger, der eine Biblische Geschichte für die drei ersten Schuljahre (kleiner Flehinger) und eine solche für die reifere Jugend (grosser Flehinger) herausgegeben hatte. Einst besuchte Flehinger, wie er mir selbst erzählte, einen Jugendfreund in Darmstadt, den er aber nicht zu Hause traf. Er gab dem zehnjährigen Kinde seine Karte und verabschiedete sich. Er hatte kaum das Haus verlassen, als ihm das Kind nacheilte und fragte: „Sind Sie der kleine oder der grosse Flehinger?" „Wie du siehst, bin ich der kleine Flehinge r." Den vorstehenden Anekdoten seien noch zwei weitere angefügt, die sich vor kurzem in Frankfurt a. M. (im Philanthropin) ereigneten. Schriftl. Der Lehrer hatte den Kindern die Geschichte vom C h a n u c k a w u n d e r des Oelfläschchens, das nur für einen Tag Oel enthielt, aber acht Tage ausreichte, erzählt. Beim Wiederholen fragte er: „Und was fanden die Makkabäer bei der Rückkehr in dem zerstörten Tempel vor?" worauf ein kleiner Junge antwortete: „Für acht Tage Benzin." Die Lehrerin hatte ihren Mädchen die Esthergeschichte erzählt und dabei auch erwähnt, dass Mordechai seine Nichte ermahnt hatte, sich dem König gegenüber einfach und bescheiden zu verhalten. Bei der Wiederholung erzählte eine der kleinen Schülerinnen: „...... und er sagte zu ihr, wenn Du zum König gehst, dann zieh nur das Allernötigste an!" Jacob Bernays. Ein Gelehrter von Weltruf, echter Jude in seinem Denken und Leben hat vor 50 Jahren am 26. Mai das Zeitliche gesegnet. Als Sohn des Hamburger Oberrabiners C h a - cliam Isaac Bernays erblickte er am 18. September 1824 das Licht der Welt. Seinen Studien, die im weitesten Umfang der klassischen Altertumswissenschaft galten, lag er als Schüler von Ritsehl und Welcke in Bonn ob. Nächst Breslau, wo er von 1854—1866 Lehrer am neu gegründeten Rabbiner-Seminar und gleichzeitig Privatdozent an der Universität war, wurde -die damals einzige Rheinpreussische Hochschule seine Hauptwirkungsstätte. Hierher wurde er 1866 als ausserordentlicher Professor und öberbibliothekar zurückberufen und leistete in dieser doppelten Tätigkeit, namentlich aber als Universitätslehrer in seinen zahlreich von Hörern aller Fakultäten besuchten geistreichen, überaus anregenden Vorlesungen und als Forscher Ausserordentliches. Er war ein Mann mit geradezu verblüffendem Wissen von seltener Vielseitigkeit. So behandelte er die Grenzgebiete der Orientalistik, soweit sie Berührungspunkte für die klassische Altertumswissenschaft boten, u. a. den Jüdisch-Alexandrinischen Philosophen Philo, aber auch das ausgehende Mittelalter, speziell die Humanisten (Scaliger) in ebenso gründlichen wie formell musterhaft geschriebeneu Abhandlungen. Sein Standardwerk jedoch ist die Ausgabe des antiken Freidenkers Lucrez (Lucretius Carus „De natura deorum"), eine geradezu meisterhafte Leistung, über die die heutige Wissenschaft keineswegs hinaus ist. Dabei war Jacob Bernays persönlich keineswegs ein Freidenker, vielmehr, wie bereits angedeutet, konservativer Jude. So hielt er am Sonnabend keine Vorlesung, nahm keine Prüfung ab, gab kein Testat. Mit seinem Bruder, dem auf dem Gebiete der Aesthetik hervorgetretenen Münchener Universitätsprofessor Michael Bernays, der sich der Karriere wegen taufen Hess, hat er, seitdem derselbe diesen Schritt getan hatte, kein Wort mehr gewechselt und alle Annäherungsversuche schroff zurückgewiesen. So treu hielt er an dem Glauben seiner Väter fest. Sonst war er in seinem persönlichen Wesen einfach und schlicht, gegen jedermann stets liebenswürdig und hilfsbereit. Mit einer grossen Anzahl hervorragender Zeitgenossen stand er in ständigem freundschaftlichem Briefwechsel, u. a. mit Mommsen. Max Müller, Georg v. Bunsen, Sybel. D. Fr. Strauss und Renan. Sein dankbarer Schüler und Amtsnachfolger Usener hat ihm in seiner Biographie ein glänzendes literarisches Denkmal gesetzt. C. P. J. Erinnerungen an Amschel Rothschild. Aiilnsslidi des bevorstehenden Umbaues des Gemeindehauses, der früheren v. Rothschildsdien Bank, übersandte uns der inzwischen heimgepangene Verfasser, dessen _ an anderer Stelle 'tieser Ausgabe gedacht ist, einige Jugenderinnerungen, die hier unverändert wiedergegeben sind. Sdiriftl. Amschel v. R. war die belebende Seele 'im 1. Stock des (Innres Fahrgasse 146. Er wohnte daselbst bis er das von l,poiihardisehe Haus Zeil und das Grundstück Bockenheimer Chaussee erwarb. Es wurden sehr oft grosse Essen für Bundestagsgesandten abgehalten, die finanziell nachhaltigen Erfolg hatten. Seine Frau, geb. Hanau war wenig zur Repräsentation befähigt. Der Baron wurde auch öfters zur Jagd eingeladen, und einer der Jäger band ihm bei einer solchen einen Hasen an, den er abschiessen sollte, damit derselbe als vom Baron geschossen zur Tafel kommen sollte. Amschel ^"f schoss aber das Seil durch und der Hase entfloh. Viele der Gemeindemitglieder schüttelten mitunter den Kopf wegen des nn^?. Denn1 seine Haushälterin Röschen stand nicht im besten jüdischen Ruf. Ich sehe sie noch neben dem mit verbrämten Pelz bekleideten Baron im Parterrezimmer Zeil vor mir stehen. Nachts schlief der Barbiergeselle Sulzer in seinem Zimmer, und wenn der Baron. rief „Sulzer ich kann nicht schlafen", so erging die Antwort „Legen Sie sidi auf die andere Seite!" Dies wiederholte sich oft. Im Geschäft war er Jedermann wohlgesinnt und wegen Unterschlagungen wurde niemals vom Hause Rothschild bei Gericht angezeigt. Dies war Tradition, wie auch dass ein Haus niemals abgerissen werden durfte, nur Erweiterung und Umbau gestattet wurden. Das Haus von Mayer Carl v. R. am Untermainkai wurde 2nial angesetzt. Im Sommer Schneeweiß , 0 wkdißse^btenhicfw wird Deine Wäsche durch das vorzügliche selbsftälige Waschmittel ■WUTMMB 1 ■!■ i SH „Edelweiss -Großwäscherei faunusstraße 19 Inhaber: Carl Eisner Sammeln. Senckenb. 31844 Erstklassige Ausführung in Herrenstärkewäsche, Damenu. Haushaltungswäsche Abholung und Lieferung frei Haus. Postversand nach auswärts.