Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 9 (5.1931)
- Date
- 1931-05-01
- Page
- Seite 286 (sequence 8)
- Language
- German
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r iuuussk 286 2 weibl. (2 weibl.) 2. höhere Sdiulen B. von der Gemeinde angestellt 16 (18) 1. männliche 14 (16) a) Akademiker 9 (11) b) Seminariker 5 ( 5) 2. weibliche 2 ( 2) C. von der Gemeinde honoriert 2(2) 1. männliche 1 ( 1) 2. weibliche 1(1) Dazu treten noch die am Philanthropin wirkenden Lehrkräfte. Auch das vergangene Schuljahr brachte der Lehrerschaft und damit der Gemeinde einen schweren Verlust. Am 17. Dezember 1950 versdiied plötzlich Herr Dr. David Hartmann im Alter von 62 Jahren. Er hatte hier in der Hauptsache am Philanthropin, aber auch an einer Reihe von anderen öffentlichen Sdiulen, zuletzt nur noch ausser dem Philanthropin an der Mustersdiule eine segensreiche Tätigkeit entfaltet. In 27 Jahren unermüdlicher gewissenhafter Arbeit hat er sein ausgezeichnetes pädagogisches Geschick in den Dienst unserer Gemeinde gestellt. In warmherziger Anteilnahme, getragen von einer innigen Frömmigkeit, wandte er stets seine persönlichen Interessen den ihm anvertrauten Schülern zu und verstand es, sie für die Sache des Judentums mit Liebe zu erfüllen. Mit aufrichtiger Dankbarkeit werden sich weite Kreise unserer Gemeinde dieses gewissenhaften Jugendbildners allezeit erinnern. Durdi seine treue kollegiale Gesinnung hat er sich unauslöschliche Erinnerung in dem Bewusstsein seiner Kollegen erworben. Herr Rabbiner Dr. Gottschalk, der vom 1. April 1926 in unserer Gemeinde als Prediger und vornehmlidi als Religionslehrer gewirkt hatte, ist am 15. September 1930 aus ihren Diensten gesdiieden, um einem ehrenvollen Ruf nach Köln zu folgen. Für seine Tätigkeit an verschiedenen hiesigen höheren Sdiulen sei ihm an dieser Stelle der Dank der Unterriditsverwaltung ausgesprochen, wobei audi seine Wirksamkeit für einen Teil unserer schulentlassenen Jugend nodi besonders hervorgehoben werden soll. Diese Veränderungen in der Lehrersdiaft bedingten mehrfadie Umgruppierungen in der Verteilung der Unterrichtsstunden. Herr Dr. König übernahm vertretungsweise für das letzte Vierteljahr den Unterridit des Herrn Dr. Hartmann in der Mustersdiule. Ab Ostern soll diese Stunden für die Dauer Herr Dr. Ignatz Bick erteilen. Grössere Umwälzungen bewirkte der Weggang des Herrn Dr. Gottschalk, dessen Unterridit provisorisch auf vorhandene Lehrkräfte aufgeteilt werden musste. Eine neue geeignete Kraft ist trotz Aussdireibung der Stelle bisher leider nidit gefunden worden.- An der notwendig gewordenen Neuordnung des Unterridits sind durdi Uebernahme weiterer oder anderer Stunden beteiligt die Herren: Dr. Salzherger, Dr. E s c h w e g e, S a r e t z k i, H e s sowie Herr Oberkantor i. R. F a b i s c h, der in der Römerstadt wohnend, die jüdisdien Kinder der Römerstadt, von Heddernheim, Praunheim und Niederursel und der Ludwig- Richter-Schule in Esdiersheim in seinem Unterridit betreut. Bemerkt sei noch, dass für Herrn Rabbiner Donath in der Jüdischen Haushaltungsschule Frl. Else Cohn den dortigen Unterridit in erweitertem Umfang übernommen hat. Eine Anzahl unserer Lehrkräfte wurde durch Erkrankung an ihrer Dienstpflicht gehindert, wobei es sich aber erfreulicherweise nur um kürzere Fristen — die Höchstdauer betrug 14 Tage — handelte, es waren die Herren Dr. Esdiwege, Friedmann, Gottschalk, Höxter, König, Lazarus, Mainzer, Saretzki und Frl. Rosenbaum. Ueber die Zahl der durch die Organisation unseres Religionsunierridits erfassten Sdiulen und der bezüglichen Schulgattungen gibt die nachstehende Tabelle Auskunft. Anzahl der erfassten Sdiulen insgesamt: 62 (65) A. Höhere Schulen 1. Höhere Knabenschulen a) staatlidie b) städtische c) private 2. Höhere Mäddienschulen a) städtische b) private B. Mittel-, Volksusw. Schulen a) Mittelschulen b) Bürgersdiulen c) Vorortsdmlen d) Hilfssdiulen e) priv. Grundschulzirk. C. Philanthropin 22 (22) 14 (14) 2 ( 2) 10 (10) 2 ( 2) 8 ( 8) 5 ( 5) 3 ( 5) 36 (57) 5 ( 6) 21 (20) 8 ( 7) 1 ( 2) 1 •( 2) 4 ( 4) Nidit erfasst sind von den im Interessenbereich unserer Gemeinde liegenden städtischen Mittel-, Volksusw. Sdiulen, in denen sidi jüdisdie Kinder befinden: 11 (14). In diesen Schulen befinden sich im ganzen 21 Kinder (19), sodass auf jede dieser Sdiulen durchschnittlich 1,9 (1,55) Kind kommt. Im neuen Schuljahr soll wieder versucht werden, nadi Möglichkeit diese weithin versprengten jüdisdien Kinder zu erreidien und mit Unterridit zu betreuen. Ueber die Erfassung und Beteiligung der Schülerschaft hinsichtlich des RU. beriditet folgende Aufstellung vom Stichtag des 15. Mai 1950, soweit die Sdiüler in obigen Sdiulen erreichbar waren. Vorhandene israelitische Zöglinge Teilnahme an unserem RU. 2585 (2550 ) 2510 (2290 ) 96,93% (97,44%) 75 (60) 25 (26) 5 ( 2) 45 (52) vom Unterricht befreit davon erhalten gleichwertigen RU. am evang. RU. nehmen teil ohne RU. verbleiben Unter Einbeziehung der ausserhalb der Sdiulen mit gleichwertigem RU. ausgestatteten Schülerschaft ergibt sich ein Prozentsatz von 97,89% (98,54%) jüdischer Zöglinge, die jüdisdien Religionsunterricht .gemessen. Ohne jeden RU. verbleiben 2,08% (1,44%). Das bedeutet eine kleine Versdilediterung gegen das Vorjahr. Sie ist vor allem zurückzuführen auf die ungenügende Beteiligung am RU. der höheren Mädchenschulen. In diesen sind 10,26% (5,51%) ohne jeden RU. oder nehmen am evang. RU. teil, während vergleichsweise in den höheren Knabensdiulen nur 0,96% dem Unterricht fernbleiben. Im zweiten Halbjahr ist in dieser Hinsicht bei den höheren Mäddienschulen an der einen und der anderen Stelle eine Besserung eingetreten. Es wird Aufgabe der Lehrkräfte" an den höheren Mädchensdiulen sein, dringend für Abstellung des gekennzeichneten Uebelstandes zu sorgen. Gesamtzahl der wöchentlich erteilten RU.-S t u n d e n. A. Höhere Sdiulen 165 (167) B. Mittel-, Volksusw. Schulen 153 (156) C. Philanthropin 151 (144) Sa. 429 (447) Der hebräische Unterricht in den öffentlichen Schulen hat im Berichtsjahr eine gewisse Erweiterung erfahren. Sie lässt sich ziffernmässig nicht genau darstellen, weil in der Regel nur Teile der einzelnen Unterrichtsstunden auf das Hebräische gemäss der gegebenen Möglichkeit verwandt werden. Es wurde in den höheren Knabensdiulen in 25 Abteilungen, in den höheren Mäddiensdiulen in 14, in den Mittel-, Volksusw. Schulen in 58 Abteilungen, insgesamt also in 75 Abteilungen hebräisdier Unterridit erteilt, der in sehr vielen Fällen eine Stunde in der Woche betragen hat. Das Philanthropin lässt in seinen Schulen wöchentlich 75 Stunden Hebräisch erteilen. Zurzeit haben von sämtlidien für uns in Frage kommenden Sdiülern 1600 hebräisdien Unterricht, d. i. 67,14% (67,51%).' Dazu kommen weitere Sdiüler, die früher einmal hebräischen Unterridit hatten, 569 an Zahl 15,48% (15,19%). Insgesamt haben 82,62% (80,50%) unserer Sdiüler mehr oder minder Kenntnis von der hebräisdien Sprache. (Auch in diesem Punkte geben die Uebersiditen 5—6 genauere Auskunft über die einzelnen Schulgattungen.) Ueber die wirklidien Leistungen unseres Religionsunterridites kann ich kein Urteil abgeben. Ohne eine Inspektion des RU. ist eine audi nur annähernd geredite Urteilsfällung nicht möglidi. Ich habe bereits im Bericht des Vorjahres auf die Notwendigkeit hingewiesen, „dass endlidi der Preussisdie Landesverband jüdisdier Gemeinden die Inspektion des jüdisdien RU. an den höheren Schulen für die zuständigen Organe bei den Gemeinden erwirkt." Mir ist nidit bekannt geworden, dass an dieser Beziehung etwas erreicht worden ist, und ich bitte dringendst im Interesse der Sache, dass der Landesverband in entsprediendem Sinne nachdrücklichst beeinflusst wird. Ein weiterer Punkt, mit dem sich der Landesverband befassen sollte, ist die Ausbildung unserer jungen Theologen auf praktisdi-pädagogischeni Gebiet. Idi habe den Eindruck, dass in den Rabbiner-Bildungsanstalten auf diesen im Vordergrunde unserer Interessen stehenden Zweig der Ausbildung ihrer Hörer nicht das genügende Gewicht gelegt wird. Nadidem in den letzten Jahren die Zahl der Studierenden jüdisdier Theologie ganz erheblidi angewachsen ist, besteht doch die Möglidikeit, dass sidi unter dieser Fülle junger Theologen eine gehörige Anzahl pädagogisch interessierter und befähigter Kandidaten findet, die sich mindestens in der Hauptsache später im Amt mit Erteilung