Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 8 (4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 440 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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260 — Die „Deutsche Liga für Menschenrechte" hat sich, wie aus ihrem Jahresbericht hervorgeht, im vergangenen Jahre wiederholt am Kampf gegen den Antisemitismus beteiligt. — Auf der Jahresversammlung der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des J u den tu ms", die unter dem Vorsitz von Legationsrat Professor Dr. M. Sobernheim am 25. II. abgehalten wurde, hielt nach Erledigung des geschäftlichen Teils der Dozent Dr. Harry Torczyner einen Vortrag über die Bibel und die Literaturen des alten Orients. — Der Privatdozent der Philosophie an der Universität Berlin Dr. David Baumgardt hat einen Lehrauftrag für Geschichte der Aesthetik erhalten. — Im Alter von 8U Jahren verschied am 26. Ü Justizrat Dr. Wilhelm Löwenfeld, einer der angesehensten Berliner Anwälte und eine anerkannte Autorität auf dem Gebiet des internationalen Rechts. — Im Alter von 71 Jahren verstarb der russische Rechtsanwalt Dr. Benjamin Mandl, einer der Führer der russischen Emigranten und langjähriger Vorsitzender des „Hilfsvereins der russischen Staatsbürger in Deutschland". — Bielefeld. Der Magistrat der Stadt Bielefeld hat einen nationalsozialistischen Antrag auf Erlass eines Schächtverbots angenommen. — Duisburg. Mitglieder der nationalsozialistischen Arbeiterpartei warfen Steine gegen das jüdische Gemeindehaus und zertrümmerten hierbei mehrere Fenster. — Gelsenkirchen. An der Bannerweihe der Gelsenkirchener Ortsgruppe des „Reidisbundes jüdischer Frontsoldaten" nahmen auch mehrere Militär- und andere christliche Vereine mit. mehr als 600 Vertretern teil. — Hamburg. Unter dem Vorsitz von Dr. Egon Rosenberg fand am 1. und 2. 3. der erste Kartelltag des „Kartells jüdischer Verbindungen" statt. Das Kartell, das über 2000 Mitglieder zählt, steht heute an der Spitze der jüdischen Akademiker-Vereinigungen in Deutschland. — Karlsruhe. Die Studentenschaft der Karlsruher Technischen Hochschule hat den Antrag des nationalsozialistischen Studentenbundes auf Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende angenommen. — Köln. Der neue Vorstand der Kölner Synagogengemeinde setzt sich aus 5 Liberalen, 2 Konservativen, 2 Volksparteilern und 1 Misrachisten zusammen. — Laupheim. Im Alter von 86 Jahren verstarb Rabbiner Dr. Leopold Treitel, der sich hauptsächlich durch seine Studien auf dem Gebiete der jüdisch-hellenistischen Philosophie, vor allem durch seine Arbeiten über Philo, einen bedeutenden Namen erworben hat. — München. Zur Vermeidung von Neuwahlen beschlossen Rat und Tagung des „Verbandes Bayerischer Israelitischer, Gemeinden'*, die Amtsdauer für ihre Mitglieder bis zum 1. IV. 1932 zu verlängern. — Schriesheim. Mit der Schändung des jüdischen Friedhofes in dem badischen Städtchen Schriesheim haben die während der Nachkriegsjahre erfolgten Friedhofsschändungen die Zahl 100 erreicht. Ausland Europa Oesterreich-Ungarn. Wien. Der Professor an der Jüdisch-Theologischen Lehranstalt, Dr. A. Aptowitzer, eine hervorragende Autorität auf dem Gebiet der Agadah- Forscbung, feierte seinen 60. Geburtstag. — Issaszeg. Der jüdische Kaufmann Heinrich Rink, der an den ungarischen Freiheitskämpfen der Jahre 1848—49 teilgenommen hat. ist im Alter von 104 Jahren gestorben. Niederlande. Das Komitee, dem die holländische Regierung die zur geplanten Kalenderreform gemachten Vorschläge zur Prüfung überwies, hat sich gegen die Einführung eines Blankotages ausgesprochen. Schweiz. In der Schweiz leben gegenwärtig 18 478 Juden; das sind 2501 weniger als im Jahre 1920. Zürich zählt 5826, Basel 2586, Genf 2294, Bern 902 und Lausanne 855 jüdische Seelen. Italien. Ferrara. Der Advokat Dr. Feiice Ravenna, Präsident der jüdischen Gemeinde und ehemaliger Vizepräsident des jüdischen' Konsistoriums, wurde zum königlichen Kommissar für den Verband der jüdischen Gemeinden Italiens ernannt. — Livorno. In Livorno, einer der ältesten und grössten jüdischen Gemeinden Italiens, wurde kürzlich ein jüdisches Museum eröffnet. — Rom Der jüdische General Umberto Pugliese, eine Autorität auf dem Gebiete militärischer Ingenieurkunst, wurde zum Generaldirektor des Kriegsschiffbaus und des marinetechnischen Wesens in Italien ernannt. — Kürzlich verstarb im Alter von 75 Jahren der Orientalist Davide Diaz deSantilliana, Professor für muselmanisches Recht an der Universität Rom und Mitglied der italienischen Akademie der Wissenschaften. Polen. Lemberg. Der Führer der polnischen Sozialisten, Sejmdeputierter Dr. Hermann Diamand, ist im Alter von 71 Jahren verstorben. — Warschau. Der polnische Sejm hat jetzt die noch aus der Zarenzeit stammenden judenfeindlichen Gesetze endgültig abgeschafft. — Die katastrophale wirtschaftliche Lage hat in der letzten Zeit zur Licjuidation voii etwa 9000 Geschäften geführt; weitere 15 000 bis 20 000 sollen demnächst geschlossen werden. Die Mehrzahl der liquidierten Geschäfte befand sich in jüdischen Händen. — lu diesem Jahre kann der „Verband jüdischer Kreditgenossenschaften Polens" auf ein lOjähriges Bestehen zurückblicken. Der Verband, der 490 Kleinkredit-, 56 Mittelstands-, 19 Handwerker-, 12 Landwirtschafts-, 9 Produktions- und 2 Wohnungsgenossenschaften sowie 5 andere Kooperativen umfasst, verfügt über ein Kapital von über 20 Millionen Zloty. Seine Einlagen belaufen sich auf etwa 70 Millionen Zloty. — Auf einer kürzlich stattgehabten Konferenz religiöser Juden, welche keiner Partei angehören, wurde die Gründung eines Verbandes .unparteiischer Juden „A d a s s J i s r o e 1' beschlossen. — In Anwesenheit von etwa 200 Delegierten aus allen Teilen Polens fand ein Kongress jüdischer Taubstummer statt. — Die Frequenz der Ort-Schulen hat sich gegenüber dem Vorjahre um nicht weniger als 40 Prozent ernöht. Im Verlauf des Jahres 1950 wurden 2874 neue Schüler aufgenommen. Rumänien. Bukarest. Aristide Blank, das Haupt des Bankhauses „Marmarosch, Blank & Co." hat für das Frauenspital „Noua Maternitate" wiederum eine Million Lei gestiftet. Damit beläuft sich die Summe, welche die Familie Blank diesem grossen und modernen Hospital gespendet hat, auf ungefähr 7 Millionen Lei. — Czernowitz. im Alter von 64 Jahren verstarb der frühere Bürgermeister der Stadt Czernowitz, Dr. Saio von Weisselberger. Der Verstorbene, welcher der jüdisch-nationalen Partei angehörte, war lange Zeit Mitglied des rumänischen Senats. Türkei. Angora. in der gesamten Türkei sind 13 648 270 Seelen gezählt worden, darunter 81872 (0,6%) jüdischen Religionsbekenntnisses. Die 81 872 Juden setzen sich aus 38 105 Männern und 43 769 Frauen zusammen. Bei der jüdischen Bevölkerung sind die Frauen prozentual in höherem Masse vertreten als bei der Gesamtbevölkerung: auf 100 Männer fallen 107,9 Frauen bei der Gesauitbevölkerung, 114,9 Frauen bei der jüdischen Bevölkerung. Dreiviertel der jüdischen Bevölkerung der Türkei leben in Konstantinopel (46698) und Smyrna (16 215). Von den 81872 Juden haben 68 900 (84,2%) jüdisch (d. h. spaniolisch) als ihre Mutter- C9 r*7 y w > Wenn die Hausfrau ein Käffeegelränk wünscht, das herzhafter schmeckt und weniger kostet, dann muß sie es mit der guten Kaffeewürze Mühlen Franck zubereilen. Mühlen Franck würzt/ kräftigt/ verbilligt jedes Kaffeegetränk.