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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-04-01 · 8 (4.1931) · p. Seite 435

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
8 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 435 (sequence 13)
Language
German
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Weit über dem Durchschnitt aber ist der Anteil der Juden im Gesundheitswesen, in dem etwa 8297 Leute, vorwiegend Aerzte. Beschärtisrun? finden, und in den freien B e r u f e n , in denen 9761 Juden (Männer und Frauen) tätig sind, darunter vor allem Anwälte und dergleichen. Gliedert man nach. Selbständigen und Nicht- S'O l b s t ä n d i z en, so fällt die grosse Zahl der Selbständigen auf: sie beträgt nämlich bei den Juden über 48%. bei der Gesamtbevölkerung nur 16%. Das wird im wesentlichen beeinflnsst durch den starken Anteil im Handel, in dem verhältnismässig mehr selbständige Existenzen vorkommen als in der Industrie. Sehr aufschlussreich ist der Anteil der verschiedenen Untergruppen. Abgesehen von 85000 Erwerbstätigen, die als allgemein im W aren- und Prod uktenhandel tätig .bezeichnet werden, sind nicht weniger als 13 000 in der Schneiderei und KleiderherstelJung tätig gewesen, darunter trifft ein rundes Drittel auf Ausländer. Noch stärker sind diese in der Schuhmacherei und Schuhindustrie beteiligt, denn von den 1976 darin Beschäftigten waren 44% Ausländer. Eine geradezu überwiegend ausländische Branche ist die Kürschnerei und Rauchwarenzurichtiung. Dort waren 54% der 959 Beschäftigten nichtdeutsche Juden. Weit unter dem Durchschnitt dagegen ist der Anteil der Ausländer im Bank- und Börsenwesen, wo nur 9% Ausländer sind. Noch schärfer ist dieses Verhältnis bei dem FI e i - schere i gewerb e, bei 4000 hier beschäftigten Juden sind nur 214 Juden, die Ausländer sind. Von den 1526 in der Verwaltung',der Rechtspflege und imStraf- Vollzug tätigen Juden waren naturgemäss nur wenige, nämlich 46 Ausländer. IV. Berlin und Frankfurt. B e rl in ist ein altes jüdisches Zentrum. Silbergleit geht zurück bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts und stellt dort einen Anteil der Juden mit annähernd 2% fest, und um diesen Anteil hat lange Zeit der jüdische Einschlag in der Landeshauptstadt — und zwar etwa 100 Jahre — gependelt, also bis etwa in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Von da ab steigt der Prozentsatz ständig; bei der letzten Volkszählung — im Jahre 1925 — bekannten sich etwa 5% der Berliner Bevölkerung (173 000) zum Judentum. Die überragende Bedeutung der Berliner Grossgemeinde für das preussische Jndentum seht daraus hervor, dass über 40% dort vereinigt waren. Gegenüber diesem Ansteigen tritt Frankfurt immer mehr zuriirk. Die letzte Volkszählung hatte mit 29 385 Juden einen Anteil von 6 3% ermittelt, während in früheren Jahrzehnten der Anteil teilweise bis auf 10% gereicht hatte. In der Zwisrhenzeit scheint Berlins Judenheit weiter gestiegen, die Frankfurter aber relativ und absolut eine nicht unerhebliche Abnahme erfahren zu haben. Immerhin ist Frankfurt auch heute noch die zweitgrösste preussische und damit auch die zweitgrösste deutsche Gemeinde Erst nach einem gewissen Abstand folgt in Preussen mit 23 000 Juden Breslau und mit 16000 Köln. Wenn man nun die Frankfurter Verhältnisse näher ins Auge fasst, so hat man den Eindruck, dass auch hier die Ueberalterung ausserordentlich beträchtlich ist, indem etwa nur 27% der jüdischen Bevölkerung unter 20 Jahren war, gegenüber 36% bei der Gesamtbevölkerung. Auch in Frankfurt war — zum mindesten 1925 — der Anteil der ausländischen Juden mit 5753 ausserordentlich gross: auf vier inländische Juden kam ein ausländischer Jude: in der Zwischenzeit mag das Verhältnis sich freilich durch die starke Abwanderung etwas verschoben haben. Die Frankfurter Ziffern ermöglichen aber die weitestgehenden praktischen Rückschlüsse für die Gemeindepolitik. Unverkennbar ist die hier ansässige Judenschaft derartig gegliedert, dass die Zahl der jüd. Schüler in den nächsten Jahren sehr stark abnehmen muss, dass ferner die Zahl der Eheschliessungen scharf sinken wird und im Zusammenhang damit die äusserst spärliche Geburtenziffer erneuten Rückgang erfahren muss. Umgekehrt aber muss man auf ein ständiges Ansteigen der Sterberälle rechnen, da gerade die hohen Altersklassen bei den Juden in Frankfurt ungewöhnlich stark besetzt sind. Es sind wenig mehr als Stichproben, die hier aus dem Silbergleit'schen Werk gegeben werden konnten; es wird nun Sache der Gemeinden und sonstigen an jüdischen Dingen interessierten Personen sein, auf Grund des Werkes die notwendigen Rückschlüsse für ihre Politik zu ziehen. Darüber freilich muss man sich klar sein, dass auch dieses Werk die ausserordentlich bedrohliche Situation der deutschen Judenschaft unterstreicht und bestätigt. PROMENADEN CAFE LI (früher Kursaal Milan i ) NEU-EROFFNUNG am 2. April 1931 nach vollständiger Renovierung. 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