Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 8 (4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 429 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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249 mit reichem aber fast nie bezüglichem Bildwerk versehen, I hat sich erhalten. Der Scdertisch der Ausstellung von 1927 j vereinigte eine grosse Zahl dieser Schälchcn und Schüsselchen und legte Zeugnis ab von dem Sinn Tür eine prächtige Sedertafcl, die auch heute die Herzen der heimischen JudenschaTt erfreut. Das einzige besondere Gerät, der Handkarren für den Fruchtbrei, der an den Lehm der Fron- , arbeit erinnern soll, war erstaunlicher Weise nicht darunter. Dagegen zeigte sich eine Reihe von 19 Silberbechern aller Arten. Zeiten und Techniken, bei deren Bezüglichkeit man der häuslichen Tradition Tolgcn konnte. Die sonst so beliebten Weinkannen für die abendliche Pessachfeier sind nur in einem zinnernen Exemplar im Museum hier zu sehen. Es ist ausserordentlich bedauerlich, dass von Kannen, Bechern und Geräten für symbolische Speisen bisher nichts für die Oeffentlichkcit erhalten werden konnte. Unsere Kenntnis ist immerhin durch eine genaue Katalogisierung für das fragliche Gebiet ausserordentlich bereichert worden; wäre dies immer und besonders bei den Museen der Fall, so wäre eine eingehendere Würdigung der Materie schon jetzt möglich. Kissen für den Ehrensitz des Hausherrn, Tischdecken für die Scdertafel und Paradehandtücher für die rituelle Waschung sind sowohl in den Häusern der Frankfurter Juden als auch im Museum jüdischer Altertümer vorhanden. GreiTen wir für die letztere Gruppe eine besonders schöne Arbeit heraus (Geschenk von Frl. Pappenheim), die auf gelber Seide neben bezüglichen Inschriften das Passah-Lamm und ein Waschgerüt zeigt (1797). Im übrigen gilt für diese Textilien das Gleiche, was anfangs bereits von den Mazzot-Taschen gesagt wurde. Zum Schluss sei noch ein Hinweis auf die Herstellung der Mazzot in der "Vergangenheit hinzugefügt; im Zeitalter der vollständig maschinellen Herstellung erscheinen uns die einfachen Nudelhölzer zum Ausrollen und die primitiven Eisen zum Ausstechen (aus der Familie Mainz) der ungesäuerten Brote wie Zeugen einer längst vergangenen Epoche. Zwei Gedichte von J. Diament Seder / Ordnung / Dr aussen hat der Himmel schon die Lichter angezündet; Vater Mond, im weissen festlichen Gewand, Hat sich an die blauen Polster schon gelehnt, und alles kündet, Dass der Seder nun beginnt im'Land. Drinnen in den stillen, feierlichen Räumen Hat das jüdische Volk das gleiche jetzt getan: Männer, Frauen, Kinder singen .. . sagen ... träumen Von der Freiheit und davon, dass Weltenseder bald hebt an. Wellenseder: Ordnung! Völkerfrieden! — wird dies wirklich bald beginnen? Wird die Feindschaft, die Entzweiung — wird der Judenhass, Wie einst Pharao im roten Meer, im Strom des Fortschritts je zerrinnen?.. . Pessach, Fest der Freiheit und der Ordnung, — schenk uns das! Pessach der Kindheit Denkst du noch : F ühlingssonne streichelte wie eine Mutter dein Gesicht, Streichelte dein Knabenherz und deine aufgeschlagenen Folianten, die Du im Freien reinigtest von Chomezstäabchen ..." [Oh, du könntest weht Sagen, was jdabei in diinem^Innern kosend flüsterte — und wie! .•.. Jenes uihörbire, feierliche Herzensläaten ... jene namenlose Seligkeit: Himmel, Erde und die lauen Lüftchen — alles raunte es in süsser Heimlichkeit: Pessach . . .! Denkst du noch: Deiner Mntter weiche Hände harte Arbeit machten!' Scheuerten Geräte.. fegten Wände and die Zimmerdecke - Und ihr weisses Antlitz und die dunklen Augen lachten.. lachten... Oh, du sahst es — ihr und allem ach so nah — ans deiner Ecke. Plötzlich —: deine Knabenseele öffnete heilig sich wie $Weine Thöralade Die Gedinken hielten Schritt in festlicher Parade: Pessach...! « I Denkst du noch: Die kleine Bäckerei! Sie ist gefüllt mit Männern, Frauen, Kindern: Mehlbestreute, strahlende Gesichter — und so manches andachtsvoll... Hände sieben, kneten, formen Mazzen; hier und dorten hindern Sie einander... Immerfort gesiossen wird der Knabe — und kein Groll Ist in ihm: es ist so schön hier zu verweilen!: Denn die Mazzenreihen sind wie einer süssen Botschaft Zeilen: Pessach . . .! Denkst du noch: Dann ... nach Tagen, die an des ersehnten Augenblickes Pforte pochten War er endlich da — er selbst —: der unsterbliche Augenblick, Da du nach dem Gottesdienst betratst das Sederzimmen wo verflochten Irdisches mit Himmlischem zu einem Kranz von unsagbarem Glück In des Knaben Auge brach, — da stand dein Herz . . . die Welt — sie war noch kaum: Alles war versunken vor der wunderbaren Wirklichkeit, der Frühjahrstage Traum r Pessach...!