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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-04-01 · 8 (4.1931) · p. Seite 428

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
8 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 428 (sequence 6)
Language
German
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ISSrxmmJBWi 248 sdileditester Ausführung könnten jedodi von einfachen Arbeiten im Sinne Wolperts abgelöst werden, wenn billigeres Material verwandt wird. Von beachtlichen Tafelaufaufsätzen für den Seder soll hier noch eine silberne Arbeit aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im Besitz des Herrn Julius Falk Goldsdimidt) näher bezeichnet werden. Auf drei Füssen ruht eine Platte, weitere drei werden an drei gedrehten Stäben in angemessenen Abständen übereinander gehalten. Die oberste Platte ist ornamental graviert, alle Ränder und die Füsse sind mit Treibarbeit dm Sinne der Zeit verziert, in der gleichen Weise ist ein vasenähnlicher Behälter behandelt, der sich in der Mitte der obersten Platte erhebt. Zum Versdiliessen dienen Vorhänge aus weissem Rips mit Knötdienstickerei und Goldfransen. War dieses hübsdie Stück nur während der grossen Ausstellung 1927 dem Publikum zugänglich, so ist ein älteres als dauernde Leihgabe im Museum ausgestellt (Besitzer Herr Karl Herzberg). Es handelt sich um einen silbernen Aufsatz ganz ähnlidier Anordnung, dessen Fädier von gelben Seidenvorhängen mit Süberfransen versdilossen werden. Der Entstehungszeit entsprediend, etwa 1820 ist hier alles viel schliditer gehalten, dagegen läuft innerhalb der schon leidit gotisierenden Brüstung am oberen Ende ein drehbarer Reif, auf dem neun Figuren stehen. Dreimal je zwei tragen eine Sdiale auf dem Rücken, die dazwisdien stehenden drei Figuren stellen Moses, Aron und Mirjam mit entspredienden Attributen dar. Die Plastiken von etwa Spannenhöhe stehen auf einfadien Postamenten, die künstierisdie Behandlung entspridit etwa, guter Bauplastik. Die Figürdicn überragend ist in der Mitte eine kleine Vase angeordnet, diese und die Sdiäldien zeigen nodi mehr klassizistisdie Formen. Am' nädisten verwandt scheint eine etwas frühere Arbeit der Sammlung Friedmann in Budapest zu sein, deren figurales Beiwerk reidier erscheint. Die jüngste, aber zugleich die allerwertyollste, bekannte Sederschüssel, — sieht man vom Privatbesitz aus Silber, meist Nadiahmungen der italienisdien Fayencearbeiten aus allerjüngster Zeit ab —, ist aus Meissener Porzellan. Diese Königin unter den Tonerden ist u. W. sonst nie zum gleichen Zweck verwandt worden, und wir würden etwas darum geben, wüssten wir, wer oder für wen man den Auftrag erteilt hat. In das Eigentum des Museums kam diese einer grossen Gemüsesdiüssel gleidiende Arbeit aus dem Besitz der Freifrau Mathilde v. Rothsdiild, die sie aus dem Kunsthandel in Berlin erhalten hatte. Die Spur ist nidit mit Sicherheit weiter zu verfolgen, trotzdem der Name des Besitzers, Zwi Arje aus dem Priestergcsdiledit, inschriftlich angegeben und als Ort sogar Frankfurt a. M. genannt wird. Auf den Namen Hirsdi Löwe haben aber zur fraglidien Zeit, etwa um 1800, wohl eine zu grosse Anzahl Frankfurter Juden gehört, als dass sich mit diesen Angaben viel erreidien liesse. Der Rand zeigt ausser einer von den beiden Namenstieren gehaltenen Krone mit der augeführten Inschrift die An- Sedei sdiüss*l in Meissencr Porzellan, am 1800. ,.„. Museum jüdisüier Aluriumer) Tafelaufsatz für dei Sede-, Silber, Mitte W Jah'h mdert [Original im Besitz des Herrn J. F. üoldschmidt) gäbe der Ordnung der Abende. Die hebräischen Buchstaben sind aus einzelnen Rösdien zusammengesetzt, Goldrandung fassen das Ganze ein. Die mässig gewölbte Platte ist in vier gleich grosse Teile zerlegt, die jeweils in grauen Tönen Haggadabilder in Anlehnung an die Wiener Ausgabe der Amsterdamer Stiche des Abraham ben Jacob (1695) zeigen: Die Auffindung Mosis, Moses vor Pharao, Moses teilt das rote Meer und der Durchzug durchs rote Meer. Der ausgezeichnete Erhaltungszustand und die vorzügliche Ausführung der Einzelheiten erhöhen den Wert dieser hinsichtlich ihrer Provenienz einzigartigen Sederschüssel. Fast in jedem religiösen Hause finden sich kleinere oder grössere Sederteller aus Zinn mit'Schrift- und Bil-1schmude. In Museumsbesitz ist ein kleinerer Zinnteller mit Arabesken und Sdirift (Leihgabe der Familie Mainz) und eine grosse Platte aus städtischem Besitz gelangt. Diese gehört zu dem Sterntypus, eine Insdirift nennt denn auch den Besitzer Wertheim aus Eschwege und das Jahr 1769. Zwisdien den Sternstrahlen die Figuren der vier fragenden Kinder, sowie die von Moses, Aron, Mirjam und Pharao, im Stern das Passah-Lamm, am Rand Illustrationen zum Lied vom Lämmdien, eine Ansidit von Jerusalem und eine noch nidit geklärte hebräisdie Abkürzung. Weniger durdi hohen Kunstwert als durdi originelle, volkstümlidi gehaltene Bilder und eine gute Aufteilung wirkt diese Zinn- PJatte, die so recht ein Repräsentant des Land- und Kleinstadtjudentums der Rokokozeit ist. Die italienischen Fayencearbeiten sind seit etwa Jahresfrist durdi eine Platte in der Sammhing des bekannten Kunstfreundes S. Nauheim hier vertreten. Der immer gleidie Typus zeigt in der Mitte längere bezüglidie Aufschriften in schönen hebräisdien Buchstaben des sefardisdien Duktus. Am Rand vier längliche Medaillons, eins mit der Opferung Isaaks, eins mit der Darstellung des Passahmahls in Aegypten, zwei mit Landsdiaften dazwischen vier ovale Medaillons mit Figuren von Moses, Aron, David und Salomo, Blattwerk dient als Füllung. Die Arbeit wurde in der Mitte des 17. Jahrhunderts von Jacob Cohen in Ancona verfertigt, der sich auf der Rückseite nennt. In der gleichen Stadt wurde 1616 eine ähnlidie Arbeit verfertigt; etwas später als diese jetzt im Bersohn-Museum in Warsdiau befindlidie Sdiüssel ist diejenige im Danziger Museum die von Isaac Cohen aus Pesaro stammt. Alle diese Fayencen zeichnen sidi durch reiche ■ Farbgebung aus, sie sind neben ihrer Schönheit audi wegen der ausserordentlidien Seltenheit von grossem Wert. Das Wiener Museum besitzt bereits vier soldier Platten, und es wäre zu wünsdien, dass durdi eine grosszügige Spende mindestens eine in Frankfurt öffentlich zugänglidi gemadit wird. — Die italienischen Fayence-Platten weisen am Rand niedere Vertiefungen auf, eben jene erwähnten Medaillons, in denen wahrscheinlidi die symbolisdien Speisen direkt oder in besonderen Schalen angeordnet wurden. Eine ganze Reihe von soldien, sehr versdiieden gestalteten Geräten meist aus Silber, vergoldet und

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