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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-04-01 · 8 (4.1931) · p. Seite 427

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
8 (4.1931)
Date
1931-04-01
Page
Seite 427 (sequence 5)
Language
German
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ber und viele andere Motive der Haggada lassen sich weiter aufzählen. Eine deutliche Beziehung zu bestimmten Druckwerken ist jedoch bisher nicht nachweisbar, dagegen sind die Platten mit dem Stern fast ausnahmslos inschriftlich auf Eschwege zurückzuführen. Aus dieser kleinen hessischen Gemeinde dürften sie ihren Zug über die ganze Welt angetreten haben. In Bayern sdieint man dagegen die Aufteilung mittels des Sterns zugunsten einer freien Behandlung der ganzen Fläche unterlassen zu haben. Bei der grossen Fülle der verstreuten und meist nicht oder doch recht unzureichend beschriebenen Zinn- Platten wird ihre genauere ixierung mittels Typen einstweilen noch auf grosse Schwierigkeiten stossen. Erschwerend tritt hinzu, dass auf diesem Gebiet zahlreiche Fälschungen versucht worden sind, die auch in Frankfurt a. M. noch bis vor kurzem auF den Budenmessen ausgeboten wurden. Verraten nicht fehlerhafte oder unmögliche hebräische Worte eine Fälschung, so ist der Sachverhalt schwer zu überprüfen, da sowohl alte Teller mit entsprechenden Zinnmarken als auch alte Matrizen zur Gravur verwandt wurden. Bei gegossenem Bildwerk ist meist ohne Weiteres eine Fälschung anzunehmen, auch wenn besonders geschickte Techniker der Branche ihr Werk auf ältere Zinnarbeiten aufgebracht haben. In allen Fällen muss nach der Natur der Sache, der Tellerform, die künstlerisdie Behandlung von Rand und kreisrunder Platte unterschieden werden. Der Rand ist in Medaillons aufgeteilt oder als fortlaufendes Band mit von innen her angeordnetem Schmuck gestaltet. Die Platte kann ebenso, aber auch in senkrediter Richtung behandelt werden, auch eine Vermischung beider Orientierungen kommt vor. Jedenfalls wird daraus deutlich, dass die Kreisform entscheidend, mindestens für den Rand, werden musste, dass aber mit der Möglichkeit einer Benutzung als Wandteller, also als reiner Zimmerschmuck, ausserdem gerechnet wurde. Bedenkt man, dass diese Geräte nur zweimal im Jahr benutzt wurden, dass sie einen oft recht hohen Wert repräsentierten, und dass. ein bürgerliches Heim seit der Renaissance ohne das schmükkende Hausgerät auf dem Wandbrett, an der Wand selber oder in zierlichen Wandschränken kaum gedacht werden kann, so erübrigt es sich, über die ausserzweckliche Benutzung viele Worte zu machen. Der in seinem Selbstbewusstsein iin- (mer stärker betonte Sinn des Bürgers, mochte er auch nur ein geduldeter oder ein Schutzjude sein, strebte mit dem Abstreifen der mittelalterlichen Eingeengtheit nach Wohlbehagen und Luxus. Für den in enge Ghettomauern verbannten Juden war allerdings eine gewisse Raum- Verschiedenes Seder gerät aas Frankfurter Privatbesitz Sederschüssel aus Eschwege. 247 not für solche Prachtentfaltung ausserordentlich hemmend, hier dürfte der wesentliche Grund dafür zu suchen sein, dass die Entwicklung der Sederschüssel zum kassettenähnlichen Tafelaufsatz erst um das Ende des 18. Jahrhunderts einsetzt. Der aufsteigende Bürgeistand, dem sich der Jude damals, teilweise mit neuea Rechten ausgestattet, teilweise bereits gleichberechtigt zugehörig fühlte, lebte schon seit längerer Zeit vom Geist fürstlicher Kultur. Sie nachzuahmen, war seit der französischen Revolution (mit Ausnahme der ersten, bewegten Zeit) das höchste Bestreben des befreiten Bürgers, ia immer steigendem Masse entwickelt sich daraus jene Kulturtragödie, deren letzte Ausläufer in unseren Tagen erst überwunden werden. Der Tafelaufsatz selber, ein Requisit der fürstlichen Hofhaltung, geht auf den häuslidien Feiertagstisch des Bürgers über, wo er im jüdischen Bereich für den Sedertisch benutzt werden kann. Zuerst von guten Abmessungen, verziert auch mit figürlicher Plastik und durch oft reiche Vorhänge an den Seiten versdilossen, entsteht daraus etwa um die Mitte des 19. Jahrhunderts eine grosse, unförmige Silberschachtel. Besonders im Wien des zweiten Barock und noch ärger weiter östlich davon erstanden bizarre Gebilde, die vor allem durch die Grösse wirken. In der Gegenwart ist durch den Frankfurter Künstler Leo Horovitz eine Reform der seit den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts langsam entartenden Behandlung der Tafelaufsätze für den Sedertisch begonnen worden. Er ist nicht nur von der ursprünglichen, runden zur viereckigen Form übergegangen, sondern er hat auch durch getriebene Reliefs die Wände wieder mit Bildwerk geschmückt. Auch die Funktion der oberenFläche als Träger der Schüsseln mit den symbolischen Speisen ist bei den Arbeiten voa Horovitz wieder betont worden, ohne dass er allerdings hierbei zum freiplastischea Schaffen übergegangen wäre. Auch bei diesen Arbeiten fehlen die hebräischen Worte nicht, deren vielleicht allzu sparsame Verwendung zugunsten einer überaus reichen und unabhängigen Behandlung der Bilder unterblieb. Neben Materialgerechtigkeit muss als Hauptmerkmal das zeitgemässe auf einfache Formea gebrachte Bilderwerk erwähnt werden. Einen Schritt weiter, wenn nicht allzn weit, ist sein Landsmann Wolpert gegangen, der in den Bahnen der neuen Sachlichkeit aus Metall und Glas eine sehr hygienische, aber völlig schmucklose Etagere schuf. Was als künstlerisch wohlproportionierter Massenartikel zu begrüssen wäre, ist nicht gleichzeitig als Einzelkunstwerk zu bewerten. Die immer noch im Handel vertriebenea Fabrikerzeugnisse übelster Qualität und

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