Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 8 (4.1931)
- Date
- 1931-04-01
- Page
- Seite 426 (sequence 4)
- Language
- German
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la^HGBI] 246 S e d er gerät Von Erich Toeplitz Unter besonderer Berücksichtigung der Bestände im Museum jüdischer Altertümer und inFrankfurt erPrivatbesitz Von allen Feiertagen des jüdischen Jahres ist je nach den Gegebenheiten der kultischen Vorschriften ein mehr oder minder starker Antrieb zu künstlerischer Betätigung ausgegangen. Die gestellte Aufgabe wurde jeweils im Sinne und mit den Mitteln der Zeit unter Anlehnung an bereits gegebene Formen ausgeführt. Es bleibt dennoch dem jüdischen Gehalt sowohl in der Aufgabe selber als in der Entwicklung der einzelnen Typen reichlich Gelegenheit, sich zu entfalten. Gerade das jüdische Osterfest, Pessaeh, und die häusliche Feier an seinen beiden ersten Abenden, der Seder, bieten eine reiche Fülle von Aufträgen, ist doch eine gewisse Prachtentfaltung bei dieser Tafel, der jeder Hausvater als ein König vorstand, zur religiösen Uebung geworden. Zur Aufnahme des ungesäuerten Brotes dient der Sache entsprechend ein Teller, dessen Material je nadi der Entstehungszeit und dem Reichtum des Besitzers recht ungleich ist. Die ältesten Teller 6ind aus Fayence, spätere aus Zinn, ein einziger u. W. aus Porzellan und wohl kein einziger einwandfrei für diesem Zweck beglaubigter aus Silber gefertigt. Dagegen wurden aus diesem Material (und aus Fayence und Messing) vom Ende des 18. Jahrhunderts ab bis zum heutigen Tage Tafelaufsätze hergestellt, die anstelle des Tellers eine der Vorschrift entsprechende dreigeteilte Kassette enthalten. Diese Dreiteilung wird bei den Tellern für den Seder durch aufgelegte Taschen aus oft sehr wertvollen Stoffen herbeigeführt. Es sind Erzeugnisse der häuslichen Kunstfertigkeit, deren Wirkung durch Stickereien, in einfacheren Fällen durch Bedruckung erhöht wurde. Diese mehr oder minder primitiven Erzeugnisse und ihre fast immer gleichbleibenden Embleme des Festes sollen hier nur gestreift werden. Von grösserer Bedeutung sind die im Sinne der Dore'sdien Illustrationen bestickten Vorhänge für einen solchen Tafelaufsatz aus einer bekannten Frankfurter Familie (Geschenk an das Museum von Frl. Pappenheim) erwähnt. Die Darstellungen sehliessen sich den Bildern der Haggada an, die in mehr oder minder deutlicher Transparenz audi hinter dem ganzen bildlichen Schmuck SedersdiOssei in Fayence der Sederschüsseln stehen. (Original im Besitz Diese Schüsseln oder deutlicher: diese tiefen Teller sollen zuerst behandelt werden. Die Möglichkeit durch ornamentalen oder gar bildlichen Sdimuck aus dem Gebrauchsgegenstand ein Kunstwerk zu machen und dieses zum Schmuck der Wohnung zu verwenden, ist zu naheliegend, um nicht zu allen Zeiten überall versucht worden zu sein. Für unsere jüdische Aufgabe kam in erster Linie die zweckentsprechende hebräische Beschriftung infrage, die schon durch die ausgezeichnete ornamentale Wirkung der Buchstaben künstlerische Werte erzielen konnte. Die feierliche Begrüssung des beginnenden Vorabends, der Kiddusch, oder andere damit zusammenhängende Gebetstücke, bzw. solche aus dem besonderen Ritual der Abende, der -gf Ky- .-nos'i Nncr Qn-jaVTRü^Ny-K Ii!1rnsf (n^.-np.TriD.nsD^^b k\ ^trrga^^J^ t\ :mnpo uym ■ ^D-xsny.o'iD.y-Y^if.Dn •IttTinznNLTovnu/ nVTDD-rDD Haggada, waren für den gedachten Zweck geeignet. Fast nie fehlt die Angabe der vorgeschriebenen Ordnung der religiösen Handlungen nach der die Feier „Seder" benannt ist. Bezüglich der Einteilung nach den Darstellungen müssen die biblischen Bilder aus dem vorhandenen Dekor von Tellern zuerst berücksichtigt werden. Sehr nahe lag es, etwa einen Teller mit dem Bild des Durchzuges der Israeliten durch das rote Meer durdi spätere Hinzufügung entsprechender hebräischer Schrift zur Sederschüssel umzustempeln. Bei einer ganzen Reihe von Zinnschüsseln ist dieser Vorgang sehr wahrsdieinlidi, in gleidier Weise dürften allerlei Szenen der Jagd und Sdiiffahrt, Tiere und Pflanzen sowie figurales Beiwerk ohne besondere rituelle oder nominelle Bezüglichkeit hinzugetreten sein. Wo eine solche Uebernahme aus Geeignetem, das vorhanden war, nicht erfolgte, lassen sich fast immer Haggada - Illustrationen als Vorbild nachweisen. Von den bekannten Typen lässt sich zusammenfassend etwa sagen, dass die italienisdien Fayence- Platten der Haggada Bragadinis (Venedig 1629) folgen, alle Datierungen aus dem Wiener Museum und von Albert Wolf bedürfen gerade in dieser Beziehung einer genauen Ueberprüfung, die demnächst erfolgen soll. Die Silber-Platten bedienen sich biblischer Motive; da sie wohl ursprünglich garnicht für diesen Zweck gefertigt waren, ist eine genaue Ueberprüfung audi hier besonders nötig, jedenfalls kann mandie Bezeichnung „Sedersdiüssel" einer genauen Nadiprüfung keineswegs standhalten. Dies gilt besonders für die grossen Stücke, die nach neueren Bestimmungen als Untersatz für das Waschgerät zum Priestersegen dienten; ein soldier Riesenteller, eigentlich eine Tisdiplatte, befindet sich unter dieser Bezeichnung im Frankfurter Museum. Zinnplatten tragen den verschiedenartigsten Sdimuck, der, soweit er sich auf die Haggada zurückführen lässt, etwa folgendermassen umsdirieben werden kann. Am Rand meist die Gesdiidite vom Lämmdien, deren Volkstümlichkeit (sie findet sidi auch in des Knaben Wunderhorn) sehr gross gewesen sein muss. In der Plattenmitte das Pessachlamm, davon ausgehend ein Stern in 0654). Vorder- und Rückseite. Flädientechnik, zwischen den des Herrn s. Nauheim) Sternstrahlen Figuren von Personen der Haggada oder der sehr volktümlidien vier fragenden Kinder, bzw. beider Figuren. Ausserdem findet sich häufig eine Stadtansicht mit Beisdirift Jerusalem, wo man im kommenden Jahre die Feier abzuhalten nach dem Wortlaut der Texte gedenkt (Skeptiker haben an der entsprechenden Stelle mit der Hand zum vorgeschriebenen, gedruckten Text den Namen ihrer Heimat und ein „oder" hinzugefügt!). Die Tierkreiszeichen für die Monate, heraldischer, namentlich zu deutender Sdimuck, Szenen, die man als Hinweis auf die abgekürzte Bezeichnung bestimmter Handlungen gerne als Hasenjagd deuten möchte, Kronen, Löwen als Träger dazu, bzw. Abbildungen der symbolischen Speisen, des Mazzot-Backens und des Sedertisches sei-