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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-03-01 · 7 (3.1931) · p. Seite 226

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
7 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 226 (sequence 16)
Language
German
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226 Noch, manches könnte von Simon Unna gesagt werden, der allen Aufgaben, die er als Lehrer, Vorbeter und Gelehrter sich setzte, mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen und mit ganzer Kraft sich hingab. Der Tod hat ihn uns zu früh entrissen. Mir selbst ist mit ihm ein lieber, väterlicher Freund dahingegangen. Ein ungewöhnlich, grosser Trauerzug aus allen Kreisen der Frankfurter Judenschaft gab Simon Unna durch die Strassen der Stadt das letzte Geleite. Die Friedhofshalle war gedrängt von Menschen, die den Reden ergriffen folgten. An der Bahre sprachen: Rabbiner Dr. Isak Unna-Mannheim, ein Bruder des Heimgegangenen, Rabbiner Dr. Hoffmann für den Talmud Thora-Verein und die Jesdiiwa, Rabbiner Dr. Horovitz für die Israelitische Religionsschule, Studienrat Dr. Salomon für die Marcus Horovitz-Loge, Carl Weil für die Schüler, Redakteur Sehadinowitz für die Agudas Jisroel Jugend- und Mädchengruppe, Dr. Felix Kauffmann für die Israelitische Männer- und Frauen-Krankenkasse. Immer wieder kam zum Ausdruck als das Charakteristische in Simon Unna's Wesen: Das bescheidene und selbstlose, reine und wahre Sein dieses Mannes. In Dankbarkeit und Verehrung wird Frankfurts jüdische Gemeinde lange über das Grab hinaus Simon Unna's gedenken. ♦HD-Db p"HX "Dt Dr. Moritz Mainzer. Abraham Goldmann. Herr Abraham Goldmann, der im Alter von 41 Jahren am 24. Februar verstorben ist, stand längere Zeit im Gemeindedienst, von 1906 ab als Schächter und Aufsichtsbeamter, von 1916 ab als Hilfskantor an der Synagoge am Börneplatz bis zu seiner im Jahr 1918 aus Gesundheitsrücksichten notwendig gewordenen Pensionierung; auch nachher war er noch einige Jahre hindurch als Vorbeter bei Filialgottesdiensten beschäftigt. Nach seinem Ausscheiden aus dem Gemeindedienst betätigte sich Herr Goldmann einige Zeit hindurch als Kultusbeamter in Bensheim und Königstein, bis sein Leiden ihn zur Aufgabe der Berufsarbeit zwang. Herr Goldmann war ein besonders eifriger und sympathischer Beamter und hat bis zuletzt dem schweren Schicksal, das über ihn verhängt war, mit gläubigem und tapferem Lebensmut standgehalten. Alle, die den allgemein beliebten Mann kannten, werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. — Bei der Beisetzung am 25. Februar hielt Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann die Gedenkrede, Herr Oberkantor Fleischmann, bei dem sich der Heimgegangene während einiger Zeit im Kantorat ausgebildet hatte, trug das „El-mole-rachamim"-Gebet vor. Persönliche Nachrichten 93. Geburtstag. Frau Betty Wolf, Elkenbachstrasse 23 feierte am 24. Februar ihren 95. Geburtstag in ganz besonderer geistiger Frische und Gesundheit. 80. Geburtstag. Herr Leopold Mainz konnte am 24. Februar in voller Rüstigkeit an der Seite seiner Gattin Frau Hermine, geb. Strauss, seinen 80. Geburtstag begehen. Herr Mainz war in früheren Jahren als Bankier in Paris tätig und lebt seit Jahrzehnten wieder in Frankfurt a. M., wo er alle Angelegenheiten des jüdischen Lebens mit grossem Interesse verfolgt. Auch der „Kippe" gehört Herr Mainz seit langem an. Herr Jakob Nussbaum, Eschenheimer Anlage 20, der vor einigen Wochen sein 60jähriges Geschäftsjubiläum bei der Firma Schwarzschild-Ochs begehen konnte, feiert am 18. März in körperlicher und geistiger Frische seinen 80. Geburtstag. 75. Geburtstag. Frau Elise Henlein, geb. Joseph, Würzburgerstr. 5, beging am 11. Februar ihren 75. Geburtstag.?0. Geburtstag. Herr Hugo Frankel, Eschenheimer Anlage 19a, vollendete am 24. Februar sein 70. Lebensjahr. Sdion in jungen Jahren hat sich Herr Frankel im Ehrendienst der Gemeinde betätigt, zunächst im Vorstand der Synagoge am Börneplatz, späterhin von 1907 bis Ende 1918 in dem früheren Gemeindeausschuss und von Ende 1920 bis Ende 1922 als Mitglied des Gemeindevorstands. Besondere Verdienste hat sich Herr Fränkel als Delegierter des Ausschusses in der Ritualkommdssion während der Kriegsjahre um die Versorgung der Gemeinde mit rituellen Lebensmitteln erworben, auch durch seine Tätigkeit im Vorstand des Vereins „Gegenseitigkeit" ist er in weitesten Kreisen bekannt und geschätzt. Herr Fränkel gehört zu den Mitbegründern des Konservativ-jüdischen Genieindevereins und ist Mitglied der konservativen Fraktion im Preussisdien Landesverband jüdischer Gemeinden. Ein grosser Kreis von Verehrern wünscht dem vielfach verdienten Mann Glück und Gesundheit „bis zu 120 Jahren". Ihren 70. Geburtstag können ferner begehen: 15. Februar Herr Justizrat Dr. Max Meyer, Körnerwiese 4. 26. Februar Herr Ludwig Joseph, Beethovenstr. 17. 28. März Frau Jakobine Steinberg, geb. Krieger, Brüder Grimmstrasse 45. Literarische Rundschau Werner Zirus, Ahasverus, der ewige Jude. Verlag Walter de Gruyter & Co., .Berlin und Leipzig 1950, 77 S. RM. 5.— (Stoff- und Motivgeschichte der Deutschen Literatur, Bd. 6). Verfasser bewältigt eine Fülle literar-, kultur- und geistesgeschichtlichen Stoffs durch klare Gliederung und straffe, knappe Formung. Er geht vom Volksbuch von 1602 aus und entwickelt das Motiv des „ewigen Juden" in all den zahllosen Gestaltungen der Weltliteratur, zeigt, wie der Stoff (Ahasver als ruheloser Wanderer, als Mahner, Zeitkritiker, am Weltschmerz Leidender, als Wohltäter und Retter) mehr und mehr vertieft und schliesslich zum Symbol eines Volkes, ja zur Menschheitsidee erweitert wird (Ahasver als Symbol inneren Konflikts, der Erlösung, des ewigen Werdens). Es wird gezeigt, wie in der Wandlung der Motivgestaltung neben der Geistesverfassung der Zeit auch das Problem des Judentums sich spiegelt, wie Juden und Niditjuden teilhaben an dieser grandiosen Zeit und Raum bewältigenden, nie zur Vollendung und Ruhe kommenden mystischen Gestalt. Ein fesselndes Buch — bei aller wissenschaftlichen Haltung. Eine nach Dichtungsarten geordnete, umfangreiche Bibliographie ist der vorzüglichen Arbeit beigegeben. Otto Balzer, Judith in der deutschen Literatur. Verlag Walter de Gruyter & Co. Berlin und Leipzig 1950, 62 S. RM. 5.— (Stoff- und Motivgeschichte der Deutschen Literatur, Bd. 7). Der Judith-Stoff hat bei weitem nicht soldi allgemeine Bedeutung wie der vom ewigen Juden. Er hat in der Literatur fast nur dramatische Formung erfahren, in Sdiul-, Meistersinger- und Volksdramen, auf der Barockbühne und im Jesuitentheater, auch in der Oper ist die Judithgesdiidite ohne wesentliche Vertiefung dargestellt worden, vereinzelt — im volkstümlichen Spiel — mit tendenziös antisemitisdiem Einsdilag. Erst im 19. Jahrhundert hat Hebbel den Stoff mit dem Zeitgeist verknüpft und zur grossen Tragödie gestaltet. Die Würdigung dieser Diditung ist der Höhepunkt der Arbeit, die im übrigen keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Am Sdiluss gibt Verfasser eine Bibliofraphie der Texte und eine Chronologie der Judith-Auführungen. Beide Schriften sind dem Literarhistoriker wertvolle Hilfsmittel. An zwei Beispielen wird deutlidi, wie tief biblischjüdisdie Motive und Gedanken in die abendländische Geisteswelt eingedrungen sind. A. G. Der Morgen. 6. Jahrg. Nr. 6 (Februar 1931). Philo- Verlag, Berlin. — Audi dieses Heft der bekannten Zeitsdirift hat wiederum einen sehr reichhaltigen und gediegenen Inhalt. Es wird durch die Wiedergabe des bedeutenden Vor- HANNS L.KATZ MALER-u. WEISSBINDERARBEITEN, SCHRIFTEN FERNRUF: SPESSART 61118. NACH GESCHÄFTSSCHLUSS: NORDEN 94418 FRANKFURT AM MAIN, DARMSTÄDTER LANDSTRASSE 93

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