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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-03-01 · 7 (3.1931) · p. Seite 223

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
7 (3.1931)
Date
1931-03-01
Page
Seite 223 (sequence 13)
Language
German
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223 Tschechoslowakei. Die jüdische Bevölkerung Prags beträgt gegenwärtig 35 463 Seelen; sie hat sich gegenüber dem Jahre 1921 um 11,69% vermehrt. Bulgarien. Im neu gebildeten bulgarischen Kabinett leistete ein jüdischer Abgeordneter nach jüdischem Ritus den Eid auf die Verfassung. Türkei. In Menemen wurden wegen Aufruhrs gegen den türkischen Staat einige Mitglieder der Oppositionspartei zum Tode verurteilt und hingerichtet. Unter ihnen befand sich auch ein Jude, der seine Unschuld beteuert hatte. — Jugoslavien. Novisad. In Jugoslavien leben 75000 Juden. Die loyale Haltung der Regierung gegenüber der jüdischen Bevölkerung hat sich sowohl beim Erlass der jüdischen Gemeindeordnung, als auch in der Haltung gegenüber dem Zionismus, der in Jogoslavien grosse Erfolge aufzuweisen hat, .gezeigt. Amerika Buenos Aires. In einer Unterredung mit dem Direktor der „Jewish Colonisation Association" in Buenos Aires zeigte der Präsident der argentinischen Republik lebhaftes Interesse namentlich für die siedlerischen Bestrebungen der „ICA", die bei der Regierung volles Verständnis und Unterstützung fänden. — Montreal. In den Jahren 1920 bis 1929 sind 41873 Juden in Kanada eingewandert. — New York. Der Magistrat der Stadt New York beschloss eine Strasse nach dem verstorbenen jüdischen Philanthropen Nathan S t r a u s zu benennen. — In der kürzlich stattgehabten Konferenz des „Verbandes der jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften in Amerika" wurde im Hinblick auf die infolge der Wirtschaftskrise verschärfte Notlage weiter jüdischer Kreise eine Erweiterung der sozialen Fürsorge beschlossen. Die dem Verbände angeschlossenen Gesellschaften und Institutionen verfügen über ein Jahresbudget von insgesamt 50 Millionen Dollar. Afrika Der König von Italien hat dem Oberrabbiner von Alexandrien, Professor David Prato, die Kommandeurklasse des Ordens der italienischen Krone verliehen. .Palästina In den Jahren 1925—1930 wanderten im ganzen 54 622 Juden in Palästina ein, und zwar im Jahre 1923: 175. 1924: 13 892, 1925: 3486, 1926: 13855, 1927: 3034, 1928: 2071, 1929: 5109 und 1930: 5000. — Zur Förderung jüdisch-orthodoxer Kultur ist vor einigen Wochen eine Gesellschaft „Jerusalem" gegründet worden. — Der Präsident der „Histadruth Haowdim, David Ben Gurion, eröffnete am 9. II. die jüdische Nationalversammlung (Assephat Haniwcharim). — Der Geschäftsführer der Gesellschaft zur Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres, der frühere holländische Rechtsanwalt S. A. van Vriesland, wurde zum Generalkonsul der Niederlande in Jerusalem ernannt. Nachrufe Josef Horovitz der Orientalist und der Jude Von Privatdozent Dr; M. Plessner. Als im letzten Gemeindeblatt der Artikel „Ur und die Sintflut" erschien, war sein Verfasser nicht mehr unter uns. Am 5. Februar ist Josef Horovitz, der Semitist der Frankfurter Universität, einem Schlaganfall erlegen, wenige Minuten vor Beginn seiner Vorlesung. Niemand hatte das erwarten können, trug sich doch der Verewigte mit der festen Absicht, im kommenden Winter eine Studienreise nach Indien zu unternehmen, dem Lande, wo er zuerst als Lehrer gewirkt hat und dessen Schicksale er in den letzten bewegten Jahren mit nimmermüdem Interesse verfolgte, dem Lande, wo Josef Horovitz, der jüdische Orientalist deutscher Schule, zu dem orientalisch abgeklärten Weisen geworden ist, als der er in unser aller Erinnerung lebt. Die Reise ist ein Vorhaben geblieben; seine Pläne hat er nicht zu Ende führen sollen. Der Schreck über die Plötzlichkeit des Ereignisses ist allgemach dem Wissen um den Verlust gewichen, der tiefen Trauer um einen Unersetzlichen. Wie ist Horovitz zu dem geworden, was er war? Diese Frage, die sich mancher seiner Bewunderer vorgelegt haben mag, zu beantworten, geht über unsere Kraft. Nur die äusseren Daten dieses einzigartigen Lebens können wir erkennen, nur einen schwachen Begriff davon zu geben versuchen, was er war — wie er es geworden ist, dafür gibt es nur das Wort, mit dem der islamische Mystiker die menschliche Seele benannte: sirr, Geheimnis. Beschränken wir uns auf das, was der Erkenntnis zugänglich ist an diesem Leben; isapienti sat. Bei dem als Sohn des späteren Frankfurter Gemeinderabbiners Markus Horovitz am 26. Juli 1874 in Lauenburg (Pommern) Geborenen waren alle Voraussetzungen der Erbanlage wie der Ausbildung gegeben, die einen zu einem wissenschaftlichen Beruf — und nun gar zur Orientalistik neigenden Menschen auf eine nicht gewöhnliche Höhe führen könnten; und wenn es diesem verschlossenen, zurückhaltenden und bescheidenen Manne an äusseren Ehrungen gefehlt haben mag: die Autorität, die er bei seinen Fachkollegen genoss, sagt mehr über seine Bedeutung aus als alle äusseren Zeichen. Nach Absolvierung seiner Studien in Marburg und Berlin, die ihn in besonders enge Berührung mit Eduard Sachau und Jacob Barth brachten, promovierte Horovitz 1898 in Berlin mit einer Dissertation, deren Thema bestimmend für sein Hauptarbeitsgebiet geblieben ist: über das Buch der Kriegszüge Muhammeds von al-Waqidi (in lateinischer Sprache). Muhammeds Leben, die Frühgeschichte des Islams und der Koran sind die Gebiete, auf denen Horovitz seinen Ruhm erworben hat, auf denen er als in erster Reihe stehende Autorität galt und in die auch sein Lebenswerk fiel, das er, wie wir wussten, vorbereitete und das er der gelehrten Welt leider nicht mehr hat schenken sollen: der erste wissenschaftliche Kommentar zum Koran. Zum Verständnis der Bibel des Islams waren wir bisher auf die Kommentare der Muhammedaner selbst angewiesen, die gewiss ebenso wenig vernachlässigt werden dürfen wie zum Verständnis des Alten Testaments etwa Raschi, Ramban und Ibn Esra, die aber dem wissenschaftlichen Forscher nur Quelle, nicht Autorität sein können. Ausser ihnen gab er nur zusammenfassende Untersuchungen über den ganzen Koran und kleinere Arbeiten über Spezialthemata von europäischer Seite. Was Horovitz vorschwebte, war ein fortlaufender Kommentar zum ganzen Korantext; er wäre dazu prädestiniert gewesen wie kein zweiter, durch seine Studien, durch seine gründliche Kenntnis der Bibel und der rabbinischen Literatur und durch seine philologische Vorsicht, die ihn in allen kontroversen Fragen die rechte Mitte finden Hess und ihn stets vor der Versuchung bewahrte, die Phantasie an die Stelle sachlicher Interpretation zu setzen. Eine Reihe Einzeluntersuchungen hat er teils selbst angestellt, teils durch seine Schüler ausführen lassen; über einige besonders wichtige Probleme hat er sich in einem grösseren Werk „Koranische Untersuchungen" (1926) im Zusammenhang DIAISN-Puder bewahrt Ihren Liebling vorWundsein-.

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