Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 7 (3.1931)
- Date
- 1931-03-01
- Page
- Seite 217 (sequence 7)
- Language
- German
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217 uns aber einig darüber, dass einmal doch grundlegende Renovationen vorgenommen werden müssten, jedoch es fehlte immer am Geld. Dass wir gerade in diesem Jahr bei dieser Krisis den Umbau vornehmen, ist nicht als Beweis unserer starken Finanzen anzusehen, sondern das Ergebnis langer sorgfältiger Beratungen: entweder Renovierung oder' Verfall des Hauses. Einige Organisationen und gütige Gönner, auch die Israelitische Gemeinde, stellten uns Beiträge zur Verfügung; einen weiteren Zuschuss erhielten wir von kommunaler und staatlicher Seite. Die grösste Notwendigkeit erschien uns die Einrichtung einer Desinfektion, die Dardtw ander erheim bessere Versorgung der einzelnen Räume mit Waschgelegenheiten und die Verbesserung all der Räume, die jahrelang ohne notwendigste Reparatur geblieben waren. Namen sollen hier nicht genannt werden, denn sonst müsste man die Verdienste all derer aufzählen, die seit Gründung des Heims mit nie versagendem Interesse sich den Aufgaben des Durchwandererheims zuwandten. Es darf gesagt werden: vor allem gebührt Dank dem Vorstand der Abteilung Wanderfürsorge, der dieses so notwendige Werk in einer Zeit in Angriff nahm, als Viele die Köpfe hängen liessen. So darf man den Neuaufbau unseres Heims als ein Stück der optimistischen Auffassung bezeichnen, die nie versagen darf, wenn es gilt, innerhalb der jüdischen Gemeinschaft zu wirken. Betrachtet man die Räume, so fällt es auf, dass wir möglichst helle und lichte Farben gewählt haben, um eine heimische Stimmung zu schaffen. Der Aufenthaltsraum wurde neu hergerichtet, er dient zur gleichen Zeit als Speiseraum und wird voraussichtlich in diesem Winter als Unterhaltungs- und Wärmeraum zur Verfügung gestellt. Wir hoffen durch Zeitungen und Spiele, vielleicht auch durch Kurse, die Möglichkeit zur Zerstreuung zu geben. Den zweiten Teil dieses Aufenthaltsraumes, getrennt durch eine wegnehmbare Holztür, wollen wir mit einem Radioapparat versehen. Der abgetrennte Raum kann, falls sich die Not- Attfenlhaltsraa n wendigkeit ergibt, als Schlafraum Verwendung finden. Die Toiletteneinrichtungen sind vollkommen erneuert worden. Die Küche wurde, soweit es unsere Geldmittel erlaubten, modernisiert. Im Parterre befindet sich ferner ein An- und Auskleideraum, verbunden mit Desinfektion, Brausen und Toiletten. Der Desinfektionskessel ist im Stande, in allerkürzester Zeit eine recht beträchtliche Anzahl von Kleidungsstücken zu desinfizieren. Durch einen kleinen Hofanbau wurde eine Waschküche für das Heim geschaffen. Wir hoffen, dadurch bedeutende Ersparnisse zu machen, nachdem bisher die Heimwäsche ausgegeben wurde. Diese Einrichtung ist noch nicht vollkommen, und wir harren der gütigen Spender, die es uns ermöglichen, den Waschbetrieb zu modernisieren. Im zweiten Stock wurde besondere Sorgfalt auf die Waschgelegenheit für Männer und Frauen, selbstverständlich getrennt, gelegt. Zwei Brausen und drei Wasserbecken mit fliessendem warmen und kalten Wasser stehen den Wanderern zur Verfügung. Auch im dritten Stock wurde, soweit es der Platz erlaubte, in sanitärer Beziehung Neues geschaffen. Bei dem Umbau war es für uns eine selbstverständliche Pflicht, die jüdischen Handwerker zu berücksichtigen. Dem Architekten Epstein, der sich in selbstloser Weise uns zur Verfügung gestellt hat, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt. Schlafraum Viele wandern heute und nehmen die Gastfreundschaft der Fürsorge in Anspruch, die nicht vor all zu langer Zeit bessere Tage gesehen haben. Wandert doch manch einer, der den ehrlichen Willen hat, Arbeit zu suchen und nun glaubt, in dem „jüdischen" Frankfurt seine Hoffnungen erfüllt zu sehen. Man könnte an dieser Stelle aus den Schicksalen der vielen Tausende, die im Laufe der Jahre bei uns vorsprachen, eine beträchtliche Anzahl herausgreifen, und es würde sich ein erschütterndes Bild aufrollen, das zeugen würde von der grossen Judennot. Judennot durch Vertreibung aus der Heimat, Judennot durch den wirtschaftlichen Boykott, Judennot durch das Absterben des Mittelstands, Judennot, hervorgerufen durch politische Umsiände. Aber nicht nur diese Menschen kommen zu uns, sondern auch Menschen, die sich durch Leichtsinn und Abenteuerlust auf der Landstrasse befinden. Die Gefängnisse öffnen ihre Türen, und schwer ist es für den Strafentlassenen, wieder in das Leben einzutreten. Wir können und wollen zwar nicht den Aufgaben eines Strafentlassenen-Heims nachkom- NUR HERREN-SCHUHE r;-^ m KA I SERSTRASSE 27 Ecke Neue Mainzerstrasse.