Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 6 (2.1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- Seite 195 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Albert Londres, Der Ewige Jude am Ziel. Phaidon-Verlag, Wien 1930. 281 S. kart. RM 6.— Der berühmte Journalist auf den Spuren des „Ewigen Juden", in London und Lemberg, in Warschau und Munkacz, in Tel Aviv und Jerusalem. Die Ahasver-Literatur findet in dieser beschwingten Reportage eine sehr moderne Ergänzung. Viele rasch zugreifende Einzelbeobachtungen helfen dem Verfasser, sein kursorisches Interview mit dem jüdischen Volk in spannende und zuweilen auch hinter die Oberfläche dringende Momentbilder zusammenzufassen. Die in der vorstehenden Bücherschau besprochenen Werke sowie alle wichtigen Neuerscheinungen finden Sie stets in der Jos. Strauß'schen Buchhandlung Biebergasse 13 Frankfurt a. M. Fernsprecher Hansa 26313 Anstalten und Vereine Rabbiner Nobel-Stiftung. Zum neunten Mal jährte sich am 24. Teweth der Todestag von Rabbiner Dr. Nobel. Dieser Tag ruft die Erinnerung wach an den grossen Lehrer und Führer, der weite Kreise für die hohen Werte des Judentums begeistert, der in der Jugend jüdisches Leben geweckt, erneuert und gefestigt hat. Damit kommt auch die Erinnerung an ein Werk, das aus Liebe zu ihm und ihm zu Ehren geschaffen worden ist. Es ist die N o b e 1 - S t i f t u n g, deren Aufgabe es sein soll, jüdischen Lehrerinnen, die auf dem Boden der Tradition stehen und sich für den Religionsunterricht ausbilden wollen, Stipendien zu gewähren. Durch eine solche Hilfe soll der aligemein erkannten Not in der religiösen Jugendausbildung gesteuert, dem Mangel an guten Lehrkräften nach Möglichkeit abgeholfen werden. Schon zum ersten Jahrzeittage fanden sich eine grosse Anzahl von Freunden und Verehrern, die eine ansehnliche Summe zu Ehren des Dahingegangenen stifteten, die leider sehr bald durch die Ungunst der Zeit entwertet worden ist. Zum 7. Jahrzeitstage stifteten Frankfurter Frauen einen schönen Becher, der an Rosch-Haschono abends in der Synagoge am Börneplatz, der Wirkungsstätte Nobels, verwandt wird. Bei dem 9. j a h r z e i t s t a g e wird es sicher manche geben, die ihrer unverminderten Verehrung für Rabbiner Nobel und der Treue zu seinem Lebenswerk Ausdruck geben möchten. Wie schön wäre es, wenn gerade in diesen schweren Zeiten ein Werk, das den Namen Nobels trägt, gefördert und der Nobel-Stiftung, Postscheckkonto 46778, Frankfurt a. M. (Frau Irene Darmstädter) die Weiterführung ihrer Ziele ermöglicht würde! Rabbinische Lehranstalt „Jeschiwa1". Das Sommersemester beginnt am Freitag, den 17. April (Rosch Chaudesch Ijar). Anmeldungen für alle vier Abteilungen (Vorbereitungsstufe, Unter-, Mittel- und Oberstufe) werden schon jetzt entgegengenommen und sind an das Kuratorium, Frankfurt a. M., Theobaldstrasse 6, zu richten, welches zu jeder näheren Auskunft bereit ist. Lehrervereinigung. Dem in der Generalversammlung der Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen von dem Vorsitzenden, Herrn Dr. Höxter erstatteten Jahresbericht ist folgender Auszug entnommen: Im letzten Geschäftsjahr sind folgende Veränderungen im Mitgliederbestand vor sich gegangen: Von den 61 ordentlichen Mitgliedern zu Beginn des Vereinsjahres sind 2 Mitglieder ausgetreten, 2 nach auswärts verzogen, 1 Mitglied ist verstorben, so dass wir mit einem Bestand von 56 ordentlichen und 8 ausserordentlichen, insgesamt 64 Mitgliedern ins neue Geschäftsjahr eintreten. Von äusseren geschäftlichen Neuerungen erwähne ich den Beschluss, dass die Mittel der Hilfskasse, die nach erfolgter Aufwertung Mk. 400.— betragen, als Fonds der „Achawa" angeschlossen iund in Notfällen unseren Mitgliedern bereitgestellt werden sollen. Aus der inneren geistigen Arbeit sei besonders hervorgehoben, dass sich im Laufe des Jahres für einen Teil der Mitglieder ein neues Tätigkeitsfeld erschlossen hat: Angeregt durch die Vorträge von Dr. med. Friedrich Edinger, wurde eine Arbeitsgemeinschaft für Individual- 95 Psychologie, deren Leitung Dr. Edinger und Frau Dr. Schaumberg übernahmen, gegründet. Diese pädagogische | psychologische Arbeitsgemeinschaft hielt am 27. 2. ihre erste gemeinsame Sitzung ab, besprach Art und Inhalt ihrer Ari beit und kam zu dem Ergebnis, eine jüdische Erzieh u ng s b e r a t u n g s s t e i 1 e ins Leben zu rufen- Diese wurde im Mai in den von der Gemeinde zur Ver- ' fügiung gestellten Räumen des Jüd. Jugendheims Gerviuusstrasse eröffnet und von den genannten beiden Fachvertretern Frau Dr. Schaumberg .und Dr. med. Fr. Edinger! in Verbindung mit den pädagogischen Mitgliedern der Ar-! beitsgemeinschaft geleitet. Im Rahmen der Arbeitsgemein- | schalt der Vereinigung sprach im Juni die Hort- und Kin- I dergartenleiterin Frl. Annemarie Laquer über Wege und; Möglichkeiten in der Heilpädagogik und im November j Frau Dr. Schaumberg über Erziehungsschwierigkeiten in i Schule und Haus und gab dabei einen Einblick in die Ar-! beitsinethode der Erziehungsberatung. { im Mitelpunkt unserer Aufgaben standen uaturgemäss! wissenschaftliche religionspädagogische I Fragen. In dieser Beziehung befasste sich Rabbiner Dr. La- | zarus im Anschluss an das Buch von Rabb. Dr. Schorsch. j Hannover mit der Frage „Ist Religion lehrbarr' und bej handelte Rabbiner Dr. Salzberger „Das Christentum als | Gegenstand des jüdischen Religionsunterrichts". Litera- \ rische Neuerscheinungen fanden in den nachfolgenden Re- | feraten ihre Besprechung: Rabbiner Dr. Dienemann über j den V. Band der „Lehren des Judentums" und seine Verj Wendungsmöglichkeit für Lehrer und Schüler; J. B. Levy; über M. Steinhardt „Jüdische Zeit- und Streitfragen" und Rabbiner Dr. Lazarus über Höxter, Queüenbueh zur jüd. Gesch. und Literatur Teil I u. V. und das Gesamtwerk. Auf methodischem Gebiete wurden die Themen behandelt: „Darlegung eines neuen Unterrichtssystems mit technischen Hilfsmitteln für Sprachen, insbesondere des Hebräischen, mit Vorführung von Tabellen" von L. Messerer; ferner j ..Die Emanzipation der Juden in Frankreich", ein Lehr- | beispiel für den Geschichtsvortrag in steter unmittelbarer i Verbindung mit den Quellen auf der Oberstufe, von Dr.! Julius Höxter. Als aktuellen Gegenstand erörterte der 2. j Verbands Vorsitzende M. Steinhardt, Magdeburg die Lehrer- I hildungsfrage in der 200. Sitzung der Vereinigung am -.. Juli. Schule der jüdischen Jugend. Seit November 1930 existiert im Hause der jüdischen Jugend, Eschersheimer Landstrasse 65 II, die Schule der jüdischen Jugend, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Jugend mit den Stoffen und Problemen des alten wie des neuen Judentums bekannt zu machen. Gegenwärtig laufen Kurse I über: Gegenwartsfragen an Hand der jüdischen Motive: J Friede, Kapitalismus-Sozialismus, [ndividuium-Gemeinschaft (Dr. Dienemann), Einführung und Fortbildungskurse für Hebräisch (A. Abrahamy), Karl Marx (Eugen Cohn). Ab I. Januar haben wir auch die Aufgaben einer allgemeinen jüdischen Jugend beratung übernommen. Sprechstunde jeden Montag von 19—20K- Uhr. Sijumfeier im Talmud Thora-Verein. Ungeachtet der Nöte der Zeit hatte der Vorstand des Talmud Thora-Vereins die Freunde und Förderer seiner Bestrebungen zu einer Sijumfeier für Sonntag den 4. Januar eingeladen. Es galt den Abschluss des Traktates Megilla, den eine Gruppe junger Kaufleute und Studenten unter Leitung des Herrn Vojda, eines Hörers der Hoffmannschen Jeschiwa nach gründlichem Studium beendet hatte, festlich zu begehen. Der grosse Hörsaal der Synagoge am Börneplatz war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Feier selbst nahm einen ungemein anregenden aind erhebenden Verlauf. Nach dem Abschluss des Traktats durch Herrn Voyda begrüsste der Vorsitzende, Herr Willy Mainz, die zahlreichen Gäste. Im weiteren Verlauf hielt Herr Rabbiner Dr. Hoffmann eine geistvolle Ansprache über die befreiende und erhebende Wirkung des Thorastudiums, ferner sprachen die Herren Rabb. Ass. Lipinski, Julius Goldschmidt für den Gemeindevorstand, Naphtali Fromm für die Gemeindevertretung, J. B. Levy für die Logen, sowie Julius Werner, Dr. Josef Frank, stud. med. Strassburger und Referendar Löwenthal. Gesangsvorträge der Herren Oberkantor Grosz und Jakob Herzog trugen zur Verschönerung bei. Neben Für Körper und Risse nur DIAISN-PUDER