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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-02-01 · 6 (2.1931) · p. Seite 189

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
6 (2.1931)
Date
1931-02-01
Page
Seite 189 (sequence 11)
Language
German
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189 Eine kurze Aussprache verursachte die durch die Notverordnung des Reichspräsidenten auch für die Religionsgesellschaften des öffentlichen Rechts vorgesehene Kürzung der Benmtengehä1 te r um 6 Prozent mit Wirkung vom 1. Februar d. J. Es wurde dabei von konservativer und volkspartcilicher Seite angeregt, die Angelegenheit nochmals an die zuständige Kommission zur Prüfung zu verweisen, ob etwaige Härten bei dem schematischen Abzug vermieden werden könnten und es sich nicht empfehle, die durch den Abzug bezweckte finanzielle Erleichterung etwa durch Einführung einer je nach der Höhe der Bcsoldungssätze zu staffelnden Kürzung herbeizuführen. Hiergegen hat der Vorstanclsdezernent Dr. Emmerich aus sachlichen und rechtlichen Gründen erhebliche Bedenken, insofern, als für die Besoldung der Gemeindebeamten die Reichsbezw. staatliche Besoldungsordnung angewandt wird und die Gemeinde zwar nicht verpflichtet aber ermächtigt ist, den in der Notverordnung vorgeschriebenen Abzug von 6 Prozent zu machen. Ueber diesen Satz hinauszugehen, verbiete sich angesichts der wohlerworbenen Rechte der Beamtenschaft, und eine nochmalige Prüfung der Angelegenheit habe, da sich ein anderer Ausgleich nicht erzielen lasse, keinen grossen Zweck. Hierauf stimmte die Gemeindevertretung der Vorlage des Vorstands mit der Massgabe zu, dass die Angelegenheit durch den Vorstand nochmals in ihrem vollen Umfang, insbesondere nach der Richtung der Vermeidung von Härten geprüft wird, gegebenenfalls sieht sie einer weiteren Vorlage entgegen. Eine Anregung der konservativen Fraktion zur Schaffung einer Pressestelle, welche die Oeffentlichkeit üher wichtige Gemeindeangclegenheiten informieren solle, wurde nach eingehender Begründung durch Herrn Dr. Frei mann dem Vorstand als Material überwiesen. Es wurde von verschiedenen Seiten anerkannt, dass das Gemeindebüro in Fällen, wo nach einer irrigen Information eine Berichtigung notwendig erschien, das Nötige veranlasst hat, und dass die Einrichtung des Gemeindeblatts als Informationsquelle für die Gemeindcmitglieder durchaus zufriedenstellend arbeite. Immerhin wurde es für empfehlenswert gehalten, darüber hinaus eine bestimmte Stelle in der Gemeindeverwaltung mit der Hergabe von Nachrichtenmaterial, soweit es für die Oeffentlichkeit von Interesse scheine, zu beauftragen. Im Anschluss hieran wurde von Herrn Ed. Oppenheim namens des Vorstands bekanntgegeben, dass der Vorstand bereits im Begriffe sei, eine aus allen Berufs- und Gesellschaftsschichten zusammengesetzte Kommission zu bilden, welche die Aufgabe habe, die Gemeindcmitgliedcr und solche, die es werden wollen, über das Wesen, die Einrichtung und die Wirksamkeit der Gemeinde aufzuklären und dadurch die Beziehungen zu ihrer Verwaltung enger zu gestalten. Von einigen Zuwendungen (Widmung einer handgestickten Decke für die Synagoge am Börnenlatz durch einen unbekannten Schenker, Spende der Familie des verstorbenen Herrn Prof. Dr. Josef Epstein in Höhe von Mk. 500.— für Wohlfahrtszwccke) nahm die Gemeindevertretung mit Dankesbezeugungen an die Spender Kenntnis. Ein kurzer Bericht des Herrn Heinrich Rothschild (kons.) über die Arbeiten der Kommission zur Vcrbilligung der Preise für rituelle Lebensmittel wird entgegengenommen. Es Avurde hervorgehoben, dass an den Arbeiten der Kommission Herr Gemeinderabbiner Dr. lacob Hoffmann und Herr Tsi Clemens Kahn, letzterer als Vorsitzender des Vereins selbständiger jüdischer Handwerker und Gewerbetreibender teilgenommen hatten. Die Kommission hat, nachdem sie durch Befragung von Sachverständigen und durch eine eingehende Enquete über die Preislage, wobei sich die Frauen Paula Frenkel und ElseKatz besonders verdient gemacht hatten, in den Besitz des erforderlichen Materials gelangt war. die Verhandlungen zunächst mit den unter Aufsicht der Ritualkommission stehenden Metzgereien und Wurstlereien aufgenommen und dabei trotz einiger von interessierter Seite entgegengestellter Schwierigkeiten eine Preisermässigung für Fleisch, Wurst und Wurstwaren erzielt. (Näheres hierüber erfahren die Gemeindemitglieder durch die Bekanntmachung der einschlägigen Geschäfte im Inseratenteil und durch die Aushänge in den Synagogen). Die Kommission wird sich weiterhin mit der Preisgestaltung, insbesondere auf dem Qejjiet der Pessachwaren, beschäftigen und die Preisbildung bei allen rituellen Lebensmitteln dauernd überwachen. Sie empfiehlt dagegen den Gemeindemitglicrlern, die unter Aufsicht der Ritualkommission stehenden Geschäfte durch den Bezug der einschlägigen Waren weitestgehend zu unterstützen. Im Anschluss hieran wird von Herrn Karl Adler (üb.) auf die Notwendigkeit hingewiesen, die unter Aufsicht stehenden Geschäftsinhaber, besonders die Metzger und Wurstler, zur Einstellung von jüdischem Personal zu veranlassen. Der Vorstand wird gebeten, diese Anregung im Auge zu behalten und soweit möglich zur Durchführung zu bringen. Hieran schloss sich eine nichtöffentliche Sitzung an. Jüdische Chronik Deutschland. Berlin. Am 20. 1. tagte in Berlin unter Vorsitz von Rabbiner Dr. Baeck zum ersten Mal die von der Jewish Agency und der Agudas Jisroel eingeste/.te gemeinsame Kommission, die die Fragen der Zusammenarbeit prüfen soll. Die Konferenz nahm einen erfolgversprechenden Verlauf. — Auf dem ersten der von der „Freien jüdischen Volkshochschule" geschaffenen kontradiktorischen Abende sprachen die Rechtsanwälte Dr. Alfred Klee und Dr. Heinrich Stern über die Aufgaben einer jüdischen Grossgemeinde in der jetzigen Zeit. — Der von der Jüdischen Gemeinde finanzierte Lehrstuhl für Allgemeine Botanik an der Hebräischen Universität zu Jerusalem wurde dem Vertreter der Botanik an der Berliner Universität, Professor Dr. Warburg, übertragen. — Am 19. I. fand unter dem Vorsitz des Grafen Bernstorff die 4. Jahresversammlung des Deutschen Komitees ..Pro Palästina" statt. — In der Sitzung des Direktoriums des ,,Jüdsehen Wiederaufbaufonds" gab der Vorsitzende der Zentralverwaltung des „ORT", Dr. Leo Bramson, Erläuterungen zum neuen Budget. Er behandelte besonders die Finanzierung der landwirtschaftlichen und Industrialisierungs- Tätigkeit des Fonds. — Am 25. XII. wurde Dr. Julius Brutzkus, ein bekannter Führer der nissischen Zionisten, 60 Jahre alt. — Dr. Fritz Lnewe, Leiter der Flugwetterdienststelle in Berlin-Tempelhof und Mitglied der Berliner Ortsgruppe des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", nimmt an der grossen Expedition teil, welche das Deutsche Reich zur Erforschung Grönlands ausgesandt hat. — Der durch seine humoristischen Erzählungen und Witzsaminlungen bekannte Schriftsteller Alexander Moszkowski beging am 15. I. seinen 80 Geburtstag. — Sanitätsrat Dr. Alfred Peyser, langjähriges Mitglied des Geschäftsfuhrenden Vorstandes und zeitweise erster Vorsitzender des ..Verbandes nationaldeutscher Juden" vollendete am 23. XTI. sein 60. Lebensjahr. — Am* 10. I. vollendete Dr. Curt Sobernheim, ordentliches Vorstandsmitglied der Commerz- und Privatbank, einer der repräsentativsten deutschen Wirtschnftsführer und Bankdirektoren nnd hervorragender Förderer der jüdischen sozialen Fürsorge, sein 60. Lebensjahr. — Breslau. Die neue Gemeindevertetung setzt sich aus 11 Liberalen. 4 Zionisten, 3 Konservativen, 2 Wirtschaftspartcilern und 1 Ostjuden zusammen. Tn den Vorstand wurden 6 Liberale, 2 Zionisten, 2 Konservative, 1 Wirtschaftspartciler und 1 Volksparteiler gewählt. — Kassel. In einer auf der Kasseler Tagung1 der Reidisparteibeamten des Zentrums gehaltenen Rede verur- III _| Die Entwicklung des Strumpfes vom Tierfell bis zum Seidensfrumpf iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ zeigt Ihnen meine hochinteressante Ausstellung vom 9. Februar bis 14. Februar + Es wird Ihnen gezeigt, wie sich dieses wichtige Kleidungsstück aus den primitiven Anfängen heraus zum hochentwickelten Qualitätsstrumpf erhebt + Zur Besichtigung lade ich Sie hiermit höflichst ein. Goethestr. 7 Bergeratr. 181 Hasengasse 2

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