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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-01-01 · 5 (1.1931) · p. Seite 168

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
5 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 168 (sequence 22)
Language
German
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168 beweisen. Dr. Seligmann betonte in seinen Dankesworten, dass diese Feierstunde zum schönsten Absdiluss der Chanukkawodie, einer wahren Festeswodie für ihn, geworden sei. 80. Geburtstag. Herr Leopold May, Blumenstrasse 8, kann am 20. Januar seineu SO. Geburtstag begehen. Der rüstige alte Herr ist noch heute regelmässiger Besucher der Synagoge am Börnepia iz und erfreut sich dank seines liebenswürdigen und hilfsbereiten Wesens allgemeiner Beliebtheit. Schwester Oberin Minna Hirsdi. Zum 70. Geburtstag. Am 1. Dezember 1950 hat Schwester Oberin Minna Hirsch, beglückwünscht von dem grossen Kreis ihrer Mitarbeiter und Freunde, in aller Stille ihren 70. Geburtstag erlebt, nachdem sie vier arbeitsreiche Dezennien im Dienste der Allgemeinheit hingegeben und sich Verdienste erworben hat, die über die Spanne des Einzellebens hinaus weiter wirken werden. Ihr äusserer Lebenslauf ist einfach und rasch erzählt. 1889 trat sie als Lehrschwester in das Gemeindehospital in der Königswarterstrasse ein, wurde dort Schwester und nach V/Z Jahren Oberin. Nadi Begründung des Vereins für Jüdisdie Krankenpflegerinnen (1892) wurde sie auch dessen Oberin. Seit 1914 beschränkte sie ihre Tätigkeit auf die Leitung des Schwestern-Vereins in seinem neuen Heim. Im Kriege leitete sie von 1914 bis 1919 daselbst das Vereinslazarett. 1926 trat sie in den wohlverdienten Ruhestand. Wer die Verdienste würdigen will, die diese kurzen Daten einschliessen, muss die Schwierigkeiten kennen, die es zu überwinden galt auf einem Wege, der überhaupt erst gefunden und gebahnt werden musste, muss sidi die Unterschiede zwischen den Verhältnissen jener verflossenen und der heutigen Zeit vor Augen stellen. Vor 50 Jahren gab e1? keinen öffentlidien jüdischen Frauenberuf von nenne»* \- werter Bedeutung. Es gab überhaupt nidit viele Berufsniöglidikeiten für die „Tochter aus gutem Hause". Einen geachteten Krankenpflegerinnenstand ausserhalb der konfessionellen, d. h. dem Juden verschlossenen Verbände, gab es ganz und gar nicht. Die Welt war für ein gebildetes jüdisches Mädchen, das ein inhaltsreiches Leben ausserhalb der Familie erstrebte, eng; sie war versdilossen für die, die den Beruf zur Krankenpflege in sich fühlte. Zugleich ein dauernd schwer empfundener Notstand für die jüdischen Kreise und Anstalten, die gerade auf solche Mitarbeiterinnen angewiesen waren. Gerade in diesen Zeiten fing die Heilkunde an, die grossen therapeutisdien Werte zu erkennen und auszunutzen, die die wissensdiaftlidi fundierte, technisch geschulte Krankenpflege für die Heilung der Krankheiten und die Leistungsfähigkeit der Krankenhäuser besitzt. Die Zeiten der „Wärterin", der gelegentlidien, „geborenen" Pflegerin waren vorbei. Die neue Medizin braudite Hilfskräfte von besonderer Eignung, Vorbildung und Ausbildung und von verantwortungsbewusster Zuverlässigkeit. Dazu der gleichzeitige Aufschwung der konfessionell-jüdisdien Wohlfahrtarbeit, der Vermehrung und Ausgestaltung der ihr dienenden Anstalten. Alles das fing an. Niemand sah diese Zusammenhänge klar, niemand konnte voraussehen, wohin und wieweit diese Tendenzen führen würden. Minna Hirsch hatte seit langem in sich ihren persönlichen Beruf erkannt, den Drang, kranken Menschen zu helfen, nicht als Dilettantin, sondern mit sdiulmässig erworbenem Können und auf beruflicher Grundlage. Aber wie und wo war das möglich? Nachdem sie an anderen Steilen unbefriedigende Versuche unternommen hatte, wandte sie sich an das hiesige Krankenhaus. Niemand wird heute verstehen, welche Schwierigkeiten sie überwinden musste, um überhaupt angenommen zu werden, Schwierigkeiten sachlicher Art, persönliches Misstrauen, und nicht zuletzt religiöse Bedenken. Aber sie fand auch Unterstützung, Förderer und Freunde, die ihr Versuch interessierte. Und er ge-' lang über alles Erwarten rasch und vollkommen. Ihre Leistungen besiegten bald Vorurteile und Widerstände, ja ihr Beispiel und ihr Erfolg machte anderen Gleichstrebenden die Bahn frei. Wenn bereits 1893, vier Jahre, nach ihrem. Beginn, mit fünf Sdiwestern und vier Lehrschwestern in Frankfurt a. M. der erste Verein für Jüdische Krankenpflegerinnen gegründet werden konnte, wenn heute in vielen Städten Deutschlands Hunderte von angesehenen jüdischen Schwestern arbeiten, wenn an vielen Anstalten allerorten. Leiterinnen und Mitarbeiterinnen tätig sind, die in jüdischen Krankenpflegeschulen vorgebildet sind, ja, wenn viele Frauen in ihren Familien oder in anderen Berufen hygienisches und soziales Verständnis betätigen und verbreiten, das sie vorher im Schwesterndienst erworben haben, so . ist das alles zum guten Teil das Verdienst. dieser tapferen Frau und ihrer unverdrossenen zielbewussten Pionierarbeit. Darum bleibt Minna Hirsdi, der Reihe wie dem Range nach, die erste jüdisdie Krankenschwester in Deutschland. Hinter solchen Erfolgen muss, bei aller Gunst jener glücklichen Zeiten, eine wertvolle Persönlichkeit stehen. Nicht nur ihre Lebensarbeit, sondern ihre Persönlidikeit hat es ermöglicht, dass der jüdische Schwesterngedanke Tat geworden ist. Ihr Beispiel hat es durchgesetzt, dass er nicht eine „Gewerkschaft", sondern ein Organ sozialer Kultur hervorbringen konnte. Nur dann bedeutet die jüdisdie. Sdiwester einen ethischen Gewinn, einen werbenden Kulturfaktor für die jüdisdie Oeffentlichkeit, wenn ihre Arbeit, ohne das Ziel des Erwerbs, von dem Gefühl uneigennütziger Hingabe geleitet wird. Diese Zeilen sind nicht für Minna Hirsdi geschrieben worden. Ihre Bescheidenheit würde sie ablehnen. Sie hat nie an ihre Person gedacht, sondern an ihre Aufgabe und ihr Ziel. Möge heute der Dank und die Anerkennung sie erfreuen, die ihr Lebenswerk findet. . D. 70. Geburtstag. Frau Frieda Albert, geb. Würzweiler, Kantstrasse 11, beging am 2. Januar ihren 70. Geburtstag. Herr Jacob Sauerbach, Hamman-Str. 5, vollendete am 2. Januar d. J. in vollster Rüstigkeit sein 70. Lebensjahr. Der Jubilar ist ein treuer Besiucher der Westend- Synagoge. Ehrungen. Anlässlich des 40jährigen Bestehens der Rettungsgesellschaft vom Roten Kreuz, das unter starker Beteiligung hiesiger und auswärtiger Kreise am 7. Dezember begangen wurde, war Herr Sanitätsrat Dr. Albert Ettlinger, der seit 30 Jahren an der Spitze der Rettungsgesellschaft steht, Gegenstand besonderer Ehrungen, u. a. seitens des Magistrats und des Provinzialverbands vom Roten Kreuz. Herr Kommerzienrat Gustav Gerst wurde in Anerkennung seiner Förderung des medizinischen Studiums an der Universität Frankfurt zum Ehrenbürger der Universität ernannt. Verein Gegenseitigkeit. Eine größere Anzahl unserer Mitglieder hat den für das Jahr 1930 fälligen Mitgliedsbeitrag von RM. 3.— trotz wiederholten Anforderns bis heule nicht geleistet; wir ersuchen dieselben, diesen Beitrag umgehend an das Postscheckkonto 52800 unseres Kassierers Herrn Max Tannenbaum, Oberlindau 5G, vergüten zu wollen. Gleichzeitig teilen wir unseren Mitgliedern mit, daß an Stelle des bisherigen Einkassierers Herrn Abraham Rosenberg Herrn Siegfried Blanek, Karl-Fleschstr. 1 das Inkasso unserer Mitgliedsbeiträge übertragen worden ist. Frankfurt a. M., 25. Dezember 1930. Verein Gegenseitigkeit. Die Frankfurt-Loge E—**- U*tr. 27 zeiten, Festlichkeiten, Vorträgen und sonstigen Veranstaltungen. ——————• Näheres durch die Verwaltung ebendaselbst. Qarnanalysen ^nnthabo Speziallaboratorium der \^Q"iJj2*V%yQl\}2K2 Tel. 56621 Oeder weg 51 Niederlage aller Diätmitiel Eilbotendienst in alle Stadtteile. - IllllllllilllllllllllllllllllllllllllW

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