Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 5 (1.1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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( Tossaphisten nicht mehr oft begegneten. Die M i s c h n a hatte er punktiert und ins Deutsche übertragen, um den mangelnden hebräischen Kenntnissen seiner Zöglinge ein Hilfsmittel zu verschaffen. Weit wertvoller sind aber Josts hebräische Aufsätze und Artikel, da er die hebräische Sprache meisterhaft beherrschte und auch mit der beginnenden hebräischen Renaissance und ihren Vertretern in ständiger "Verbindung lebte. Diese Sprache, die er über alles liebte und in seltener Vollendung handhabte, hätte er nicht missen wollen. Aber sie schwand im Westen, die jüdische Wissenschaft bediente sich der Landessprache, um sich im westeuropäischen Kulturkreis anzumelden, in den Schichten der ungelehrten Juden war sie längst zur Gebetsprache geworden und hatte in dieser Stellung jetzt erst recht starke Angriffe auszuhalten. Jost und Creizenach begründeten daher, um dem Abfall von <der hebräischen Sprache einen Riegel zu schieben, ein Organ zu ihrer Pflege, die hebräische Zeitschrift „Zion". Es erschienen nur zwei Jahrgänge (1840/41), da Jost nach dem Tode Creizenachs sich unfähig fühlte, „die Mauern Zions allein zu bauen*'. " Bei einem Vergleich mit späteren Epochen der Reformbewegung müssen wir es als eine glückliche Erscheinung ansehen, wenn Freunde der Reform, ja sogar Vorkämpfer wie Michael Creizenach, in einer Zeitschrift „Zion" für hebräisdie Kultur und jüdische Wissenschaft eintreten. Die Frankfurter Bestrebungen genügten indes den Hauptvertretern einer Erneuerung nicht. Für H o 1 d h e i m waren es Versuche, die im Beginne stecken blieben, ihm fehlte die durchgreifende Umstellung, wie er sie selbst propagierte. Audi Abraham Geiger, der einst zu Fuss aus Wiesbaden gekommen war, um Jost kennen zu lernen, gewinnt den Eindruck, dass die Frankfurter Führer nicht mit der nötigen Vehemenz vorgingen, auch er empfand wohl Josts geistige Haltung zu stark verwurzelt in Werten, die die Ueberiieferung mitbrachte, wenn er sie auch nach aussen im Sinne des Jahrhunderts revidiert hatte. So schreibt Geiger noch 1856 in einem Briefe: „Würden die Frankfurter Gelehrten nur ein wenig Ernst zeigen, so wäre gewiss ein Anfang da. Aber da steht Jost zögernd und hindernd; und Creizenach lässt sich von ihm bestimmen .... Die Alten wissen nidit bloss nidit, was Freiheit heisst, sondern verstehen auch nidit, was Wissenschaft heisst. So hält sich, um von Anderen nicht zu reden, Jost, dessen Eifer ich sdiätze, nur an Aeusseres."7) Zehn Jahre lang hatte Jost nicht die Möglidikeit, ein Reformprogramm zu entwickeln oder sollte er das getan haben, es durchzuführen. Wohl besdiäftigte ihn das Problem der Bewegung im Judentum als Wissensdiaftler sehr stark, aber sein forsdiender Gleidimut und sein nur Freunden und Sdiülern gegenüber umgänglidies Wesen Hessen ihn nicht die Initiative ergreifen, einen wissenschaft- ') Geigers Nachlass. Band 5. S. 89 f.! lidien Gedanken, was ihm der Reformgedanke sicher war, I in die Tat umzusetzen. Ausser bei Einrichtungen, die auch j rein wissensdiaftlicher Art waren, wie das Institut zur j Förderung der israelitischen Literatur, das! auf seine Bemühungen im Verein mit Ludwig Philippson I und dem Leipziger Rabbiner A. M. Goldsdimidt entstand, j Der erste Band des Jahrbuches, das vom. Institut heraus- | gegeben wurde, war unter seiner Leitung zustandegekommen; den zweiten erlebte er nidit mehr; dort setzte ihm sein Freund Goldsdimidt das erste biographische Denkmal, nodi ganz ersdiüttert vom Verluste des „wackeren" Jost, wie ihn die Zeitgenossen gerne nannten. Wie er im „Institut" als Vertrauensmann für die jüdische Wissenschaft allseitig in Anspruch genommen werden konnte, so zeigte auch ein Ereignis in Frankfurt, wie Josts Dienste der jüdischen Bewegung jener Tage in reidistem Mass zugute kamen. Im 10. Jahr seiner Frankfurter Tätigkeit tagte unter dem Vorsitz des Rabbiners Leopold Stein die zweite deutsche Rabbinerversammlung, die in den Tagen vom 15.—28. Juli 1845 die bedeutendsten Fragen und Möglichkeiten einer angemessenen Reform behandelte. Als Sdiriftführer hatte Jost Gelegenheit, auf dieser Tagung aktiv mitzuarbeiten, so kam er mit den bedeutendsten Vertretern in nähere Berührung. Durch die Ankunft' Zacharias Frankels, des damaligen Öberrabbiners von Dresden, hatte die Versammlung an Relief gewonnen, der Austritt Frankels, der seinen Standpunkt in der Frage der Beibehaltung der hebräischen Spradie nidit gewahrt sah, verlieh ihr erst die Entschiedenheit und historisdie Bedeutung, die die Frankfurter Versammlung als die widitigste und folgenreichste der drei Synoden vor 1848 in die Geschichte des Judentums eingehen liess. Aber audi Jost teilte Frankels Anschauung, weil er die hebräisdie Sprache liebte und nicht missen wollte im jüdisdien Gemeinschaftsleben: er trat nicht zurück, weil er ihr Verbleiben — das als soldies nämlidi gar nidit umkämpft war — nidit so stark wie Frankel mit dem Gedanken der Tradition verband. Einen tieferen Einfluss auf die Gestaltung des neuen Judentums hat er aber nicht genommen, während Frankels Werk in Breslau durch Erziehung von Lehrern und Rabbinern für das Judentum von fundamentaler Bedeutung wurde. Frankel hat die Stunde viel mehr erkannt als Jost, der als verspäteter Aufklärer und „Meassef" sichtete und sammelte, unterriditete und erzog, der seinem Lebenswerk nicht den bedeutenden Zug verleihen konnte, der viele seiner Zeitgenossen noch heute bei ihren Verehrern oder Nadibeiern in Erinnerung stehen lässt. Sicher keine grosszügige Personlidikeit; wie wir heute sagen würden: kein Mann von Format. Es ist schon bezeichnend, dass seine Zeitgenossen I ihn gerne mit dem Ehrentitel „Der Annalist" belegten, I was er ja auch wirklich war. Wir braudien über den trocke- L Kakao Schpkplade I Pralinen. Inventur-Ausverkauf \ 0 "ö" Rabatt auf mein gesamtes Warenlager. MO Rabatt auch auf die bedeutend herabge- 0 setzten Preise sämtlicher Damen- und Kinder-Konfektion. Auf Benger- und Kübler-Fabrikate kann ein Rabatt nicht gewährt werden ] W^^^^mm^m t M A Inventur-Ausverkauf Ab 5. Januar: I Ganz enorm billige Preise!; Mindestrabatt 20°/0> Arbeitgeber, denkt an die jüdischen Arbeitslosen!