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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1931-01-01 · 5 (1.1931) · p. Seite 155

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
5 (1.1931)
Date
1931-01-01
Page
Seite 155 (sequence 9)
Language
German
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155 nen, bescheidenen, in vielen Dingen kleinlichen Mann deshalb nicht zu lächeln, er hat doch eine Arbeit getan, die ' von Nutzen war; bevor andere ordnen und gruppieren konnten, musste der Stoff gesammelt sein. Verwunderlicher sind ja schon seine politischen Ansichten, die ganz der Aera Metternich entsprechen; er ist Gegner des Schwurgerichtes, da es seiner Ansicht nach —d. h. nach Ansicht der leitenden Staatsmänner — die Verbrechen mit Nimbus und romantischem Reiz umgibt, die Pressfreiheit lehnt er ab, da sie immer mit „Pressfrechheit" verbunden sei. Es war' eben die Zeit, in der ein Schulmeister ohne Frage moralisieren musste, besonders wenn er wie Jost in einer klösterlichen Behausung wohnte und lebte wie die Uhr. Neben der Historie galten seine wissenschaftlichen Arbeiten hauptsächlich der Schule, für die er Lehrbücher und Programme ausarbeitete. Wo das Judentum angegriffen wurde, trat er in die Schranken und konnte sich sogar ereifern, wo das Recht zu verteidigen war. Leider kann in diesem kurzen Abriss diese Seite seiner Tätigkeit nur mit den Namen Chiarini und Streckfuss belegt werden, deren Elaborate in Jost einen scharfen Gegner fanden. Für Frankfurt aber hat er sich durch die Errichtung des Instituts des Israelitis c h en Frauen Vereins sehr grosse Verdienste erworben. Die Anstalt, die der Erziehung und Ausbildung junger Mädchen diente und für die Jost unaufhörlich tätig war, zog 1857 in eiu eigenes Heim in der Theobaldsträsse, das eigens für ihren Bedarf gebaut worden war. Dem Frauenverein galt sein persönliches Bemühen, seitdem er Witwer war; in der Anstalt des Frauenvereins suchte er elternlosen Mädchen die Liebe und die Fürsorge zu ersetzen, welche sie als Waisen entbehren niussten und die ihm selbst in seiner Jugend in Jahren des Leidens gefehlt hatte. Durch diese Institution, durch seinen Freundeskreis war Jost sehr stark an Frankfurt gefesselt, durch sie gewann er auch eine persönliche Beziehung zu der Stadt, die das Leben zu seiner wirklichen Heimat gemacht hatte. Ein weiter Kreis von Menschen schätzte und verehrte den Wissenschaftler Jost, eine grosse Reihe von Freunden umgab den Mann, der für sie im wahrsten Sinne des Wortes liebenswürdig war, viele ehemalige Schüler gedachten dankbar des pünktlichen, gleichmassigen und pflichteifrigen Lehrers. Unsere Generation ist daran, Isaac Markus Jost in Vergessenheit geraten zu lassen. Seine wissenschaftliche Arbeit ist von anderen überholt. Aber als Beginner der Geschichtsforschung auf jüdischer Seite, als ein Glied in jener reichen Kette von Ereignissen und Bewegungen im 19. Jahrhundert, als geistiger Schrittmacher für eine innere und äussere Emanzipation bietet er dem Historiker und dem geschichtlich denkenden Juden Anlass genug, bei der Verteilung der Kräfte im Judentum des 19. Jahrhunderts seinen Namen zu nennen. Ein vollständiges Bild sollte hier nicht gegeben werden, nur einige Streiflichter, um aus Andenken an den 70. Todestag — er starb am 20. November 1860 — einige Züge des Historikers und Menschen seiner Zeit hervorzuheben. Die Mitwelt beurteilte ihn parteiisch, da damals jeder jüdische Gelehrte im Kampf des pro r.url contra stand; heute gibt es keine Anhänger von Jost oder einer Bewegung, die von ihm ausgegangen wäre. Während die Namen Frankel und Geiger noch in der Gegenwart in den Tageskampf gezogen werden, hatte Jost, der objektiv und unpersönlich sein wollte, vor seinen Zeitgenossen das Glück, dass wir ihn heute, fern von allen Problemen der Stunde, objektiv betrachten können. Die Distanz /u ihm ist für den heutigen Historiker grösser als zu Mendelssohn. Amtliche Anzeigen des Gemeindevorstands Umbau des Gemeindehauses. Eine grosszügige Schenkung der Frau Baronin Edmond de Rothschild für die Unterbringung und Ausgestaltung des Rotlischild-Museiiins hat es ermöglicht, dass dem längst erforderlichen Umbau des Gemeindehauses nunmehr nähergetreten werden kann. Es wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für diesen Umbau keinerlei Gemeindetnittel in Anspruch genommen werden. Preissenkung. Die Kommission für Preissenkung ritueller Lebensmittel hat sich in gemeinschaftlichen Beratungen mit Sachverständigen eingehend mit der Materie befasst, und es ist zu hoffen, dass die langwierigen Verhandlungen in Kürze zu einem befriedigenden Ergebnis führen werden. Anmeldung von Trauungen. Jede Trauung muss, wenn sie von einem Gemeinderabbiner vollzogen werden soll, mindestens zwei Wochen vor dem Termin im Gemeindebüro, Fahrgasse 146, Zimmer 37, unter Vorlegung der standesamtlichen Papiere und unter Angabe der Zeit und des Ortes der Feier angemeldet werden. Religiöse Trauungen. Es besteht Veranlassung, die Gemeindemitglieder darauf aufmerksam zu machen, dass bei religiösen Trauungen die an die Gemeinde zu entrichtenden Gebühren sich in durchaus normalen Grenzen bewegen. Die Mieten für die Gemeindesynagogen betragen: Hauptsynagoge M. 65.—, Westendsynagoge M. 95.—, Svnagoge am Börneplatz M. 75.—, Synagoge Bockenheim M. 45.—. Im Winter kommt für die Heizung ein Zuschlag von M. 25.— für die grossen Synagogen in Anrechnung, für Bockenheim M. 5.—. Die Mieten für Trauungen in den Nebenräumen bewegen sich von M. 22.— bis M. 50.—. Für die Inanspruchnahme eines Gemeinderabbiners und zweier Kantoren bei der religiösen Trauung wird eine nach dem Einkommen gestaffelte Gebühr erhoben. Ausser den von der Gemeinde angeforderten Gebühren sind keinerlei Zahlungen an die Funktionäre zu entrichten. Auskünfte werden bereitwilligst vom Gemeindebüro (Zimmer 57) erteilt. Anmeldung von Barmirwa-Knaben. Die Anmeldung lur den barmizwa-buterncht geschieht für die Gemeindesynagogen im Gemeindebüro, Fahrgasse 146, Zimmer 37. Die Anmeldung soll mindestens fünf Monate vor der Feier erfolgen; bei geringen Vorkenntnissen ist ihre Anmeldung schon 6 Monate vorher raisam. un 1 solides'e S C H LA FZ IM M E R Eiche und poliert finden Sie nur m der Möbelfabrik Wiih. Geßmann * Neu-Isenburg LUDWIGSTRASSE 39* Langjährige Garantie. LEHR Garantiert la reiner BIENENHONIG WABENHONIG ■■■■■■■■■■■B^H Sfißrahmbut er der Molkerei Itter (Inn. Jann) (Oberhcs?en) Qualität unerreicht. Gr. Escnenhermrstr. 5-7-9 Große Auswahl in inländischen Telefon Htn.a 21260 und ausländischen Käsen. TlMhn^u^ett, UWE V0BZÜ6LICHE *^ /5» CIGAffgE fKSB&SESXSBEm FRAMJCFU&T - k~ tl^ Q EG B t ig*J •SSÄ

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