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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-11-01 · 3 (11.1930) · p. Seite 72

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
3 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 72 (sequence 18)
Language
German
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72 Machen Sie noch heule einen Versuch, er überzeugt Sie von der einzigartigen Qualität des Vorschlagzu bringen. — In einer auf dem 6. Kongress der Europäischen Nationalitäten gehaltenen Rede forderte der lettländisdie Abgeordnete, Rabbiner Dr. Mordechai Nurok, die baldige Einführung geordneter Verhältnisse auch für die jüdischen. Minoritäten. — Auf der internationalen Konferenz für AVanderersdiutz, welche am lt. und 12. IX. abgehalten wurde, waren u. a. die „Jewish Colonisation Association (1CA)**, der „Hillsverein der deutschen Juden" und die „Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge" vertreten. — Leningrad. Im Alter von 75 Jahren starb der Professor am Leningrader Verkehrsinstitut, N. B. B o g o - s 1 a v s k i, einer der bedeutendsten Brückenbauingenieure Russlands. — London. Die englische Regierung hat durch ihr am 21. Oktober veröffentlichtes Programm über ihre Palästinapolitik dem politischen Zionismus und dem kolonisatorischen Aufbauwerk einen schweren Schlag versetzt. Der Präsident der Jewish Agency. Prof. Dr. Chaini Weizmann hat sein Amt niedergelegt, ebenso Lord Melchett und Felix Warburg. — Kürzlich wurde das neue Gebäude des „Jew's Temporary Shelter" eingeweiht. — Lord Reading, der von 1921—1926 Vizekönig von Indien war, feierte am 10. Oktober seinen 70. Geburtstag. Lord Reading, der ursprünglich Rufus Isaacs hiess, ist überzeugter Jude und ein eifriger Förderer des Palästinawerks. — Am 15. Oktober verstarb Rabbiner Sir Hermann Gollancz, emeritierter Professor der hebräischen Sprache an der Londoner Universität. Prof. Gollancz, der erste und bisher einzige Rabbiner, der in den Ritterstand erhoben wurde, hat ein Alter von 78 Jeehren erreicht, er war 1852 in Bremen geboren. — Moskau. An den beiden Tagen des Rosdi Haschana-Festes waren die Synagogen Moskaus und der übrigen Städte Russlands überfüllt; die von den jüdischen Kommunisten proklamierte antireligiöse Kampagne kann demnach als gescheitert betrachtet werden. — Paris. Mathieu Dreyfus, der unermüdliche Kämpfer für die Rehabilitierung seines Bruders Alfr. Dreyfus, ist verstorben.—Prag. Die Vorführung deutscher Tonfilme gab Anlass zu schweren antideutschen und antijüdischen Ausschreitungen. — Der Rabbiner am Jerusalem-Tempel zu Prag, Dr. Aladar Deutsch, wurde provisorisch mit der Leitung des Oberrabbinats der Prager israelitischen Kultusgemeinde betraut. — Rom. Der Ministerrat hat den Entwurf zu einer königlichen Verordnung über die Organisationen der j ü d i s c h e n Gemeinden in Italien, sowie die Vereinheitlichung und Modifizierung der auf die Juden Bezug habenden gesetzlichen Bestimmungen angenommen. Die neue Verordnung sieht einen Zwangsverband der jüdischen Gemeinden vor, welcher als einziger berufener Vertreter der jüdischen Interessen gelten wird. Dem Bund der Gemeinden wird ein Rabbinerkollegium zur Seite stehen, das jedoch nur beratende Funktionen zu erfüllen hat. — Im Alter von 76 Jahren starb der Physiologe und Dekan der naturwissenschaftlichen Fakultät an der'Universität Rom, Senator Giulio Fano. — Sarajewo. In Anwesenheit von Vertretern der Regierung des Königreichs Jugoslavien, sowie zahlreicher jüdischer und nichtjüdischer Organisationen fand die Einweihung der neuen isephardischen Synagoge statt. — Stockholm. Das hebräische Theater Habimah, dessen Gastspiele in Dänemark und Norwegen einen künstlerischen Siegeszug bedeuteten, gastiert gegenwärtig in Stockholm. — Warschau. Der Etat der Jüdischen Gemeinde für das Jahr 1951 wurde auf 5 125 288 Zloty festgesetzt. — Am Jörn Kippur versuchten jüdische Kommunisten in Warschau und in Lodz antireligiöse Demonstrationen. Sie wurden jedoch hieran von den Chassidim gehindert. — Auf dem Kongress zur Bekämpfung des Mädchenhandels wurde von einer Reihe von Rednern auf die grossen Verdienste hingewiesen, die sich die jüdische Delegierte aus Frankfurt a. M., Fräulein Bertha Pappenheim, um den Frauen -und Mäd dien schütz erworben hat. — Wien. Zur Errichtung eines Instituts für Krebsforschung stiftete der Präsident der New-Yorker pharmazeutischen Handelsgesellschaft „Venice Corporation of America", Josef Julius Kraus, die Summe von 1 Million Dollar. — Der wegen angeblidier Ermordung seines Vaters zu einer Kerkerstrafe von 4 Jahren verurteilte Rigaer Student Philipp Halsmann wurde begnadigt und aus der Strafanstalt Stein entlassen. — Zagreb. Ein von der „Chewra Kadisdia" für die im Weltkriege gefallenen jüdischen Soldaten gestiftetes Denkmal wurde am 29. IX. enthüllt. — In den Räumen der Zagreber Messe wurde eine internationale Presseausstellung eröffnet, in deren Rahmen ein jüdisdier Pavillon eingerichtet wurde. Palästina. Die Eisenbahn, weldie Bagdad mit dem Mittelmeer verbinden soll, wird nadi neuerlichen endgültigen Besdilüssen in . Haifa enden. Audi die Oe 11 e i t u n g e n, weldie das Mossul-Petroleum von Mesopotamien durdi die syrisdie Wüste führen werden, sollen in Haifa einen Endpunkt erreichen, ein zweiter Endpunkt soll auf syrischem Gebiet liegen. — Audi in diesem Jahre kaufte die polnische Regierung die gesamte Tabakernte von Obergaliläa. — Der erste Araber hat sich zur Fortsetzung seiner arabisdien Studien an der Hebräischen Universität inskribiert. — Der bekannte hebräische und jiddische Schriftsteller und Literaturkritiker Josua Chaim Rawnitzky beging seinen 70. Geburtstag. Mahnung. Die jüngsten politisdien Gesdiehnisse madien mehr als je den inneren Frieden im deutschen Judentum notwendig. Die schwere wirtsdiaftliche Notlage verbietet es zudem, Mittel für Wahlkämpfe zu verausgaben anstatt zu neuem Aufbau. Daher richten wir an alle Juden in Deutschland die dringliche Aufforderung, bei den bevorstehenden Wahlen zu den Landesverbänden und den Gemeindevertretungen Wahl kämpfe zu vermeiden, Zwiespalt nicht zu verschärfen und nach Mögiidikeit den Kampf durdi einen Wahlkompromiß auszuschalten. Der Vorstand des Allgemeinen Rabbiner -Verbandes in Deutschland. Anstalten und Vereine Philanthropin. Die Anmeldung von Schülern und Schülerinnen für sämtliche Klassen des Philanthropins, insbesondere für die Sexta des Reformrealgymnasiums und des Lyzeums, sowie für die Knaben- und die Mädchenklasse des ersten Sdiuljahres der Volkssdiule (Jahrgang der Sedisjährigen) werden wie bisher entgegengenommen, und zwar an allen Schultagen von 12 bis 15 Uhr. Die Anmeldungen für die Klassen der höheren Lehranstalten des Philanthropins erfolgen im Sekretariat des Direktors. Sämtliche Anmeldungen für die Klassen der Volkssdiule erfolgen im Amtszimmer des Leiters der Volkssdiule. Dr. Otto Driesen Julius Spier Studiendirektor Leiter der Volkssdiule Israelitische Religionssdiule. Das Winterhalbjahr hat begonnen. Anmeldungen werden noch in der Anstalt Hermesweg 5—7 am Sonntag, den 2. November von 10—11 Uhr, in der Anstalt Unterlindau 21—23 am Mittwoch, den 5. Novemiber von 5K—iY\ Uhr entgegengenommen. Sdiule der jüdischen Jugend. Die im Vorjahr begründete Einrichtung hat ihre Tätigkeit auf eine vollkommen neue Grundlage gestellt und veranstaltet im Winterhalbjahr eine grosse Reihe von Lehrkursen und Arbeitsgemeinschaften über hebräische Sprache, Schrifttum, Palästina, sowie über historische, soziale und philosophische Gegenstände. Die Kurse be- Aufruf! „Stehe nicht still bei dem Blute Deines Nächsten!" Tausende brechen zusammen, hungern und frieren. HELFT! Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a.M. Langestrasse 30 Postscheckkonto Nr. 54893 Julius Bloch, Rabbiner Dr. Jakob Ho rovitz, Wolfgang Auerbach, Johanna Baer, Lulu Blnch-Neustadt. Moritz Bloch, S.-R. Dr. Albert Ettlinger, Stefanie Fordiheimer, Therese Freimann, Dr. Karl Frenkel, Paula Frenkel, Heinrich Gerlich, Dir. Isaac Meyer. Paula Nassauer, El, Posen, Max Tannenbaum, David Weill, Ella Werneri Julius Werner.

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