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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-11-01 · 3 (11.1930) · p. Seite 71

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
3 (11.1930)
Date
1930-11-01
Page
Seite 71 (sequence 17)
Language
German
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Regierungsbaumeister Beer erbaute liberale Synagoge an der Prinzregentenstrasse eingeweiht. Kurz vorher hatte die Grundsteinlegung für eine neue konservative Synagoge an der Agricolastrasse stattgefunden. — Die Rabbinatskandidaten Dr. Hans Andorn und Dr. Manfred Swarsensky wurden zu Predigern an der „Liberalen Synagoge" ernannt. — Der hervorragende Historiker Professor Dr. Simon Dubnow war anlässlich seines 70. Geburtstages Gegenstand grosser Ehrungen. — Regierungsrat Dr. Cora Berliner, die bekannte Führerin der neutralen Jugend, wurde zum Professor an der Akademie für Handelsrecht ernannt. — Im Alter von 85 Jahren verstarb der langjährige Vertreter der orientalischen Philologie an der Universität Berlin, Geheimrat Professor Dr. Eduard Sachau. Sachau hat sich besonders um die Erforschung der aramäischen Papyri aus Elephantine verdient gemacht und war der Lehrer eines grossen Teiles der heutigen Orientalistengeneration. — Herr Moses Salomon, der Vater des Gemeinderabbiners Dr. Salomon, wurde am 23. IX. 100 Jahre alt. — Am 7. X. wurde Herr Paul P i n c u s, der verdiente Vorsitzende der Jüdischen Reformgemeinde, 70 Jabre alt. — Am 7. Oktober verstarb im 77. Lebensjahr Geheimer Justizrat Dr. Hermann Oberneck, der Vorsitzende des Berliner Notar-Vereins. — Am 18. Oktober verstarb der bekannte Astronom Prof. Adolf Marcuse kurz vor Vollendung seines 70. Lebensjahres. Er begann seine Laufbahn 1S82 als Assistent der deutschen Venus-Expedition nach Nordamerika. — Der berühmte Biochemiker Prof. Dr. Carl N e u b e r g wurde mit der Delbrück-Medaille ausgezeichnet. — Aachen. Anlässlich des Besuches des Herrn Reichspräsidenten v. Hindenburg war auch Herr Rabb. Dr. Schönberger als Ehrengast geladen. — Baden-Baden. Im Alter von 78 Jahren verstarb der bekannte Sammler und Schriftsteller auf dem Gebiete der Goldschmiedekunst, Geheimer Hof rat Prof. Dr. Marc R o s e n b e r g. Der Verblichene, der lauge Zeit -das Fach der Kunstgeschichte an der Technischen Hochschule in Karlsruhe vertrat, hat sich besonders durch seine grossen Werke „Geschichte der Goldschmiedekunst auf technischer Grundlage" und „Der Goldschmiede Merkzeichen" einen bedeutenden Namen in der Fachwelt erworben. — Bonn. Dem Mitglied der Bonner Ortsgruppe des „Reichsbundes jüdischer Frontsodaten" und der Repräsentantenversammlung der Synagogengemeinde Bonn Leo Silberbach wurde von der preussischen Regierung die Rettungsmedaille verliehen. Silberbadi hatte unter Lebensgefahr einen des Schwimmens unkundigen Mann vor dem Tode des Ertrinkens bewahrt. — Bremen. Am 18. und 19. Oktober fand die diesjährige Delegiertentagung des Nordwestdeutschen Landesverbandes im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. — Dresden. Die in der jüdischen Gemeinde seit zwei Monaten herrschende Krise wurde dadurch, beseitigt, dass auch ausländischen Gemeindemitgliedern das Wahlrecht zugestanden wurde. — Am 26. Oktober feierte Herr Geheimer Justizrat Felix Bondi unter Anteilnahme weitester Kreise seinen 70. Geburtstag. — Ems. In Anwesenheit von Vertretern der Stadt, mehrerer jüdischer Gemeinden und der jüdischen Lehrerschaft aus dem ganzen Reiche wurde kürzlich ein Alters- und Erholungsheim für jüdische Kantoren und Lehrer feierlich eröffnet. — Essen. Am 12. Oktober fand im Hotel „Königshof" die Gründungsversammlung der neuen jüdischen Genossenschaftsbank statt, an der 130 Personen teilnahmen. — Frankfurt a. M. Am 6. Oktober, während des abendlichen Festgottesdienstes, suchte ein von politischen Gegnern bedrängter Trupp von ungefähr 30 Stahlhelmleuten Schutz in der Synagoge am Börneplatz. — Am 25. IX. wurde Professor Dr. Elias Fink, der frühere Direktor der Samson Raphael Hirsch-Schule, 70 Jahre alt. — Giessen. Im Alter von 87 Jahren verschied der aus Breslau stammende ehemalige Mathematiker der Universität Giessen, Geheimer Hofrat Prof. Dr. Moritz Pasch. Seine Arbeiten, welche die moderne erkenntnistheoretisch-axiomatische Richtung vertraten, haben bahnbrechend gewirkt. — Hamburg. Am 19. Oktober fand die feierliche Grundsteinlegung für den Bau des neuen Tempels des Israelitischen Tempelverbandes statt. — Kassel. In einer unter dem Vorsitz von Rechtsanwalt Dr. David Goldschmidt stattgehabten Versammlung sprach Dr. Michael Traub-Berlin über „Aufgaben und Ziele der - „ORT'-Bewegung". — Edoburg. Auf eine Beschwerde der. israelitischen Kultusgemeinde hat sich die bayerische Regierung veranlasst gesehen, den von den Nationalsozialisten angeregten Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, die israelitischen Mitglieder des Wohlfahrtsausschusses als nicht gewählt zu betrachten, aufzuheben. — Köln. Am 30. IX. vollendete der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der jüdischen Gemeinde, Generalkonsul Max Baumann, sein 70. Lebensjahr. — Bei der Eröffnung der diesjährigen Kurse des Jüdischen Lehrhauses hielt Prof. Georg Bernhard einen bedeutsamen Vortrag über „Die Juden in der Politik und Presse". — Mainz. Nach einer Anweisung des Bischofs von Mainz, 71 Dr. Hugo, ist es Katholiken nicht gestattet, eingeschriebene Mitglieder der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" zu sein. — Mülheim (Ruhr). Die Delegiertentagung des Landesverbandes Rheinland-Westfalen im Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands fand unter reger Beteiligung der angeschlossenen Vereine statt. — München. Durch das am 1. X. in Kraft getretene Gesetz ist das Schlachten von Tieren ohne vorgängige Betäubung verboten und damit das jüdisch-rituelle Schächten in Bayern verhindert. Der „Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden'" hat gegen das Gesetz Verwahrung eingelegt. — Tann (Rhön). Am 11. Oktober konnte die Gemeinde ein dreifaches Fest begehen. Das fünfzigjährige Bestehen der nach dem Brand erbauten Synagoge wurde gefeiert, ausserdem konnte der Israelitische Frauenverein auf eine fünfzigjährige Tätigkeit und der Jünglingsverein auf sein hundertjähriges Bestehen zurückblicken. — Trier. Zu dem Empfang, der zu Ehren der Anwesenheit des Herrn Reichspräsidenten v. Hinbenburg stattfand, war auch Herr Oberrabbiner Dr. Altmann geladen. — Nach kurzer Krankheit verstarb im Alter von fast 74 Jahren der langjährige Vorsitzende des Gemeindevorstands, Herr Selig L ö w e n s t e i n. — Weimar. Die von dem thüringischen Minister für Volksbildung, Dr. Frick, in den Schulen Thüringens eingeführten „Schulgebete'' wurden nunmehr endgültig von der Regierung zurückgezogen. — Worms. In einem unter dem alten israelitischen Friedhof liegenden Gang wurden 8 Grabsteine entdeckt, von denen einige aus dem 13. Jahrhundert stammen. Amerika. Baltimore. Ein jüdischer Kriegsveteran, Staatsanwalt Paul Wolman, wurde zum Oberkommandeur des „Bundes amerikanischer Kriegsveteranen" gewählt. — Buenos Aires. Bei den Unruhen in Argentinien, welche zum Sturz der Regierung Irigoyen geführt, büssten 3 Juden ihr Leben ein; 10 Juden erlitten Verletzungen. Die jüdischen Kolonien blieben von den Unruhen verschont. — In den Monaten Januar bis Juni 1950 wanderten 5829 Juden gegen 2758 in der gleichen Periode des Vorjahres in Argentinien ein. — Long Island. Im Alter von 74 Jahren verstarb der bekannte jüdische Philanthrop Daniel Guggenheim, einer der Führer der amerikanischen Kupfer- und Zinnindustrie. Uebriges Ausland. Bordeaux. Im Alter von 39 Jahren nahm sich kurz vor Beerdigung seiner Schwester Pauline Hift-Herzl der Sohn des Begründers der modernen zionistischen Bewegung, Hans Herzl, das Leben. — Budapest. Zweck der vor einiger Zeit gegründeten „Union des ungarischen Judentums" ist es, die früher gepflegten Beziehungen zwischen den Juden Ungarns und denen des Auslandes wieder anzuknüpfen. — Bukarest. Eine Bekanntmachung der Generaldirektion der Staatsbahnen verbietet den Vertrieb antisemitischer Flugschriften in den Zügen und auf den Bahnhöfen. — Der rumänische Innenminister Dr. Vaida-Voevod ordnete die Abschätzung der Vermögensverluste an, welche die jüdische Bevölkerung durch die antisemitischen Ausschreitungen der letzten Wochen erlitten, damit alsbald der Ersatz des durch den Brand des Städtchens Borscha entstandenen Schadens in die Wege geleitet werden könne. — Genf. Die traurige Lage der Juden in Polen veranlasste die politische Kommission des Völkerbundes, ein Gesetz zum Schutze der Minderheiten in FRANKFURTER BANK Neue Mainzerstr. 69 Qeor 1854 Telefon-Anschluß: Sammelnummer Hansa 20901. Nachtruf Hansa 24116 Telegramm-Adresse: Frankfurterbank Postscheok-Konto: 154 Frankfurt a. M. 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