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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-09-01 · 1-2 (9.1930) · p. Seite 21

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
1-2 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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„Sie werden Dich, nicht umbringen, Itzig" fiel ihm der Unteroffizier ins Wort; „sei unbesorgt." Er drehte seinen Kopf weg, um nicht in die vor Angst wie irr flackernden Augen schauen zu müssen. „Sieh doch ein! Deswegen hab* ich Dich so dicht herangebracht! Du hebst die Hände hoch und gehst langsam den Hügel hinauf. Niemand wird Dich anrühren!" Itzig fuhr wieder aufgeregt in die Höhe und brüllte in plötzlicher Wut, als ob er jetzt erst die Gedanken des Andern, verstanden hätte: „Wenn es so steht, nur gut, dass ich weiss, worauf Du hinauswillst. Noch nicht einmal als Toter rühr' ich mich von diesem Fleck! Nur zu gut hab' ich Deine Absicht durchschaut! Ich soll zum Deserteur gemacht werden! Aber so dumm bin ich nicht. Warum willst Du mich in Versuchung führen, Joan, mich, deinen alten Freund? Schlecht steht Dir das an, Jonica, auf mein Wort! Was hab' ich Dir denn getan, dass Du so an mir handelst? Aber ich will meine Familie wiedersehen, ich will kein Deserteur sein, ich will nicht, ich will nicht!" Er stampfte mit dem Fuss. Der Unteroffizier hörte ihm ruhig zu und antwortete ihm dann gutmütig: „Du wirst wohl nicht wollen, Itzig, aber es gibt keine andere Rettung für Dich!" „Du lügst," schrie Itzig erregt. „Umsonst sträubst Du Dich. Du bist doch ein Deserteur!", wiederholte Ghioaga unbewegt. „Warum soll ich denn ein Deserteur werden, wenn ich es gar nicht will. Tue ich denn nicht meine Pflicht wie alle andern," flehte der Soldat. „Das ist wahr, Itzig," gab Chioaga zur Antwort, „aber ich kann Dir nicht helfen. Glaub es mir, Bruder! Es ist ein Befehl! Hörst Du. ein Befehl. Der Leutnant hat schon heute Morgen den Bericht geschrieben, dass Du desertiert bist. In der Kompagnie führt man Dich schon nicht mehr als anwesend." Itzig hob verzweifelt die Augen. Die Frage „Warum?" zermarterte sein Gehirn. Nun wusste er, dass er verloren war. Aber vergebens suchte er nach Ausdrücken der Empörung oder wenigstens der Verteidigung. Er fand nur unbeholfene, wirre Worte. „Ich will nicht, ich will nicht," stammelte er unaufhörlich. „Du sollst wollen, Bruder Itzig," erwiderte Ghioaga ganz leise. „Du musst wollen, anders geht es nicht! Genug hab' ich mir den ganzen Weg. über den Kopf zerbrochen, und Du siehst, es gibt keinen andern Ausweg!" — — Die Augen Itzigs wurden so gross, dass sie aus den Höhlen traten. Er winselte nur noch. „Ich kann ja nichts dazu, Itzig," sagte der Unteroffizier, „das musst Du doch begreifen! Herr Leutnant hat mir sogar befohlen, Dich---!" Seine Stimme riss wie gelähmt ab. .„Mich umzubringen", vollendete der Soldat wimmernd. „Ja, Itzig, Dich umzubringen," flüsterte Ghioaga „und Dich dann heimlich zu verscharren, damit keine Spur mehr von Dir übrigbleibt. Jetzt, Itzig, siehst Du, dass es keine Umkehr mehr für Dich gibt, Gott sei uns gnädig!" Ein langes Schweigen folgte. Itzig starrte auf die Lippen des Unteroffiziers, auf denen sein Todesurteil geschrieben stand. Und Ghioaga stand steif da, mit vorgestrecktem Halse, als ob er noch auf eine Antwort wartete, die ihm das Herz erleichtern könnte. Der Frost hatte nachgelassen; leichte Schneeflocken, Papierfetzen gleich, fielen auf sie hernieder. Plötzlich wurde die Ruhe durch, einen Knall erschüttert. Auch die Natur schien aus ihrer Erstarrung aufzuwachen. Ein leichter Wind setzte ein; die Zweige des Baumes, unter dem die beiden Soldaten sassen, kamen in Bewegung, ohne dass der gefrorene Schnee abbröckelte. Ghioaga schulterte sein Gewehr und setzte sich schwerfällig in Bewegung. „Jetzt geht' ich," sagte er leise zu Itzig. Er ergriff dessen in Schweiss gebadete Hand, um sie zum Abschied zu drücken. Aber Itzig sprang auf, klammerte sich fest an diese Hand und murmelte unaufhörlich: „Aber ich will doch nicht, ich will nicht." Es lag ein solcher Schmerz in seiner Stimme, dass Ghioaga, um seine Rührung zu verbergen, ihn anfuhr: „Mensch, mach mich nicht wütend, denn sonst wirds noch viel schlimmer. Ich gebe Dir gute Ratschläge, wie Du Dein Leben retten sollst, und zum Dank dafür hältst Du mich hier auf, damit mich die Nacht überrascht!" Er entriss Itzig seine Hand und entfernte sich einige Schritte nach rückwärts. „Lass es Dir ja nicht einfallen, mir etwa zu folgen, Itzig," rief er ihm noch zu, „du bringst mich damit auch noch ins Verderben. Gute Nacht!" Der Unteroffizier Joan Chioaga kehrte den Weg, den er mit Itzig zusammen gemacht hatte, allein zurück. Oftmals bekreuzigte er sich und sagte dann, schwer seufzend, zu sich selbst: „Herr, ich danke Dir, dass Du mich vor einer Sünde bewahrt hast. Armer Itzig, ich hätte ihn mein ganzes Leben auf dem Gewissen." Er schaute sich um, wobei er aber rasch weiterging. Itzig stand auf demselben Fleck, ohne sich zu rühren; aber mit ausgestrecktem Arm, als ob er noch ein Zeichen geben wollte. Immer kleiner wurde die Gestalt des Unteroffiziers, bis ihn die Dunkelheit, die immer undurchdringlicher wurde, ganz verschlang. Nochmals zuckte ein Feuerstrahl auf, knallte ein Schuss. Itzig zuckte zusammen, drehte sich zur feindlichen Stellung um, machte einige unschlüssige Schritte. Er blieb aber entsetzt stehen und murmelte: „Ich will nicht . . ." In seinem Kopf war ein grosses Durcheinander, in dem nur der hartnäckige Eigensinn: „Ich will nicht," stehen blieb. Er hob die Augen gen Himmel, als ob dort Rettung wäre. Ueber seinem Kopf stand schwarz und bewegungslos der dicke Ast, der imstande schien, jene Last zu tragen. Itzigs Gedanken sammelten sich, richteten sich auf diesen Ast. Die Dunkelheit hatte nun die Erde völlig in ihr Trauergewand eingehüllt. In der Stockfinsternis bemühte sich Itzig! lange Zeit, seinen Riemen an dem starren Zweig zu bej festigen und seinen langen Hals dann in die Schlinge hin- | einzuzwängen. Der Zweig knackte etwas, und der immer i stärker einsetzende Wind drehte und wand Itzigs Körper i die ganze Nacht hin und her. Der Morgen setzte mit heftigem Gewehrfeuer ein. Es hatte aufgehört zu schneien. Die Sonne, die durch einen Wolkenspalt herauskam, warf ihre Bogen auf die verschneiten Felder. Unter dem Zweig hing Itzig Strul so gerade, wie ein Soldat in vorschriftsmässiger Stellung vor dem Vorgesetzten steht. Nur an Stelle seines Käppis hatte er eine Schicht frischen Schnees auf dem Haar, und seine Stiefel waren etwa zwei Handbreit vom Erdboden entfernt. Die angeschwollenen und aus den Höhlen getretenen Augen waren noch wie erschreckt in die Ferne gerichtet, hinüber zum Schützengraben seiner Kompagnie. Das strahlende Licht aber beleuchtet sein blaugewordenes Gesicht, glättete die Falten darin und verwischte den Ausdruck des Leidens. In der Luft, über dem Kopf von Itzi» Strul, tobte der Kampf noch heftiger als zuvor, unersättlich wie ein grosser Raubvogel. (Aus dem Rumäniscf>en von E. und V. Lupescu). Ferdinand Breslau Rappslr. 6 Gegr. 1874 Zepp. 51528 KOHLEN KOKS BRIKETTS HOLZ Alleinvertreter: Willy Sfem Hegelsfrafje 6 + Carolus 47501 Kostenlose Beratung in allen heizungstechnischen Fragen Das schönste Festgeschenk ist ein GUTSCHEIN von A. Höchberg, Kaisers!!*. 15 Chocolat F. Marquis Paris. Chocolat F. Marquis Paris. KURT BOETTGER Fernsprecher: Sammelnummer 20536 Muster* Ausstellung, Büro und Stadtlager: Am Schwimmbad 6 Hauptlager: Am Hauptgüterbahnhof Waschtische für fließend. Wasser Mod. Klosettu. Bade- Einrichtungen Wand- und Bodenplatten .-. Baustoffe

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