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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-09-01 · 1-2 (9.1930) · p. Seite 19

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
1-2 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 19 (sequence 21)
Language
German
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19 unterliing. Dazu den Brotsade, in dem die Patronen klirrten und den direkt auf ihn gerichteten Lauf des Gewehrs. Und wieder packte Itzig das tiefe Erschrecken. Er hielt sich dicht an Ghioaga und wartete auf ein beruhigendes Wort des Unteroffiziers. Dieser aber ging unbeteiligt und schweigsam mit schweren Schritten weiter. Sein ausgedörrtes Gesicht mit der dunklen, fest über die Knochen gespannten Haut blieb stumpf. Von Zeit zu Zeit bewegte sich der Schnurrbart, was ihm einen noch grimmigeren Ausdruck verlieh. Auf einmal blieb Ghioaga stehen und stöhnte, von der Müdigkeit und seinen Gedanken übermannt, tief auf. Aber sein Mund blieb verschlossen. Es schien Itzig, als ob der Unteroffizier absichtlich den Kopf wegdrehte, wenn er versuchte, ihm in die Augen zu sehen. „Wohin gehen wir denn", versuchte er nochmals die Frage, die Antwort gleichsam von den Lippen des Andern abzulesen sich bemühend. Ghioaga schaute ihn lange an: mit kaum verhaltenem Mitleid. Schliesslich sagte er ganz leise: „Du wirst schon sehen, Itzig, es hat damit keine Eile." In diesem Augenblick fühlte Itzig, wie der Schweiss über sein Gesicht floss, den schmutzigen Bart hinunter und dann aus allen Poren seines Körpers brach. Aber vor der schneidenden Winterkälte, die ihm durch alle Glieder drang und das Herz erstarren Hess, konnte er ihn nicht schützen. Oder kam die Kälte nicht aus den Augen und dem Mund des Unteroffiziers, in dem man weder Zunge noch Zähne sah, sondern nur ein schwarzes, rundes Loch gleich einer geladenen Gewehrmündung, aus der der Tod schaut. Itzigs Blick blieb auf dem Gesicht des Unteroffiziers haften. Auf einmal ist er nicht mehr neugierig, zu erfahren, wohin der Weg führt; nur müde und ergeben. Sein Gehirn ist ganz leer: nur sein Herz arbeitet angespannt. Er fühlt sich wie im Augenblick des Sterbens, wo das Leben nur noch an einem dünnen Faden hängt; so dünn, dass das leiseste Säuseln schon imstande ist, es auszulöschen. „Komm Itzig, wir wollen weitergehen," meinte der Unteroffizier, gleichsam den Blick des Soldaten abschüttelnd. Itzig zuckte zusammen, wie von einer Tarantel gestochen. Ghioagas Stimme, auf einmal so sanft, Hess ihn stärker erschrecken als ein Vorwurf. Er stöhnte, lief zurück und begann zu schreien: „Und wenn Du mich umbringst, Herr Unteroffizier?" „Nimm Dich in Acht, Itzig, nimm Dich gut in Acht,' lautete die Antwort, die ihn immer mehr erschrecken liess. Der Soldat verstand nun, was das Glänzen in den Augen des Unteroffiziers zu bedeuten hatte. Er fühlte nichts mehr als ein blindes Verlangen, sich mit allen seinen Kräften zu wehren. Er brüllte aus Leibeskräften, den andern fest im Auge behaltend. Da stolperte er beim Zurücklaufen und fiel in ein Schneeloch. Der unerwartete Fall verwandelte seine Wut in eine verdoppelte, ungeheure Angst. Er gab sich jetzt Rechenschaft darüber, dass er verloren war. Doch versuchte er aus der Grube herauszukommen und rief Ghioaga ängstlich zu: „Halt, Herr Unteroffizier, halt, ich komme ja schon, ich komme!" Im Gehirn des Unteroffiziers" wurde ein Gedanke reif, als er Itzig hinfallen sah. Er riss sogar am Riemen seines geladenen Gewehres. Wie er aber den mit Schnee bedeckten Stiefel des Soldaten in der Luft baumeln sah, glätteten sich seine Augenbrauen und er sagte friedlich: „Komm nur nach, ich gehe schon weiter.'" und er setzte seinen Weg fort, ohne auf ihn zu warten. It/.ig arbeitete sich aus dem Schneeloch heraus, schüttelte seine Kleider ab und folgte nun Ghioaga wieder etwas ruhiger. Von nun an gingen sie rascher, als fühlten sie beide, dass eine grosse Gefahr hinter ihnen lag. Die Zunge Ghioagas löste sich aus ihrer Erstarrung, und er begann ununterbrovon Kopf bis Fuß auf Kode eingestellt! 25 große Schaufenster zeigen unser Können und unseren Geschmack Sie kaufen bei uns igufe Gttatiiäten zeitgemäß billig. Das neuzeitliche große Kaufhaus Zeil, Ecke Stiftstrasse FACHGESCHÄFT FÜR LEiBSTüTZEN, KORSETTS, MIEDER UND BÜSTENHALTER KLARA WIECHEN FRANKFURT A. M., Goethestr. 14 Fernsprecher: Hansa 23619 — Postscheck: Frkf.-M. 39584. Palmengarten Frankfurt-M. Pflanzensammlung von Weltruf, Erstklassiges Restaurant, täglich grofje Konzerte. Eintrittspreis: 50 Pfg. p. Person, Kinder d. Hälfte Abonnement: Familienkarte Rm. 25.—, Einzelkarte Rm. 13.—. Ausgabe für 1931 mit Gültigkeit vom Ausstellungstage an ab 1. Nov. 1930. Soeben erachten Der Frankfurter Kontor SAMMLUNG der traditionellen Frankfurter svnafogalen Gesänge von FABIAN OGUTSCH, weil. Oberkantor der Synagoge am Börneplatz zu Frankfurt a. M. — Geordnet und eingeleitet von J. B. Levy Herausgegeben vom Vorstand der Israelitischen Gemeinde Frankfurt-M. Preis RM. 20. — Das vorliegende Werk ist nicht nur bedeutsam für die in Frankfurt tätigen Vorbeter, es ist für die Erforschung und wissenschaftlich« Durchdringung des süddeutschen „Chasonus" von bleibendem Wert, ein Denkzeichen, das den Namen seines Schöpfers weiterträgt und ihm Ewigkeit verleiht. Zu beziehen durch die Musikalienhandlungen oder direkt von J. Kaufffmann Verlag / Frankfurt a. M,

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