Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 1-2 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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erklärte, bekam ltzig einen Obnmaditsanfall. Er glaubte fest daran, dass schon das Dröhnen des ersten Geschosses ihn töten würde. Beim Abschiednehmen von der Familie und den Nachbarn heulte er wie ein altes Weib. Beim ersten Gefedit wagte er nicht, sein Gewehr abzufeuern. Er stand, an die Wand des Schützengrabens gelehnt, und sah so. sidi vorsichtig bald nach redits. bald nach links umschauend, dem Kampf zu. Erst allmählidi gelang es ihm, sich durch den Gedanken „Audi im Krieg sterben nicht alle." etwas Mut eiuzuflössen. Als er dann den ersten Toten sah, den Sohn einer Witwe aus Falticeni, begann er wie toll um sich zu schiessen, um den Kameraden zu rädien. Er kam in Harnisch: seine Brust schwoll, die Adern spannten sidi. Später als es zum ersten Sturmangriff kam, fiel ihm das Herz wieder gehörig in die Hosen. „Im Schützengraben gibt es wenigstens eine Deckung, aber auf freiem Felde muss man dem Tod ungeschützt ins Auge schauen." . . . Allein die Angst vor Strafe bewog ihn. überhaupt den heimatlichen Schützen graben zu verlassen. Da war es der Unteroffizier Ghioaga, dessen Vorbild ltzig wieder Mut einflösste. Allmählidi gewöhnte sidi ltzig an den Krieg, wie sich der Mensch eben an alles gewöhnt. Im Kampf war er in Erregung, schloss die Augen und begann links und rechts um sidi zu sdila?ie'i, als ob er toll geworden wäre. Er steigerte sidi so weit, dass er einmal sogar von dem Major vor dem ganzen Bataillon eine Belobigung einstecken konnte. Selbst dem kommandierenden General fiel er ein andermal, nadi einer Verwundung, angenehm auf. Itzigs Frau, der er stolz von diesen Auszeichnungen berichtete, hatte allerdings für dieses neue Heldentum wenig übrig und bat ihn, lieber an sctie Familie zu denken und sein Leben zu schonen. Aber Ttzig träumte schon von Avancements und Auszeidinungen, als ob seine Zukunft davon abhinge. Er begann sidi vorzudrängen, sidi zu Fatrouillengängen freiwillig zu melden. Zwar schüttelte ihn oft genug die Angst, zitterte sein Herz, aber" der Gedanke an das erhebende Gefühl, mit dem er in Falticeni seine Orden spazieren tragen wird, liess ihn seine Angst vergessen. Er hörte sdion das bewundernde Flüstern der Nachbarn, sah ihre ehrerbietigen Gesichter. Aber alle Hoffnungen Itzigs schmolzen wie der Schnee im Frühling, als der neue Leutnant zur Kompagnie kam. fii den zwei Wochen, seit er da ist, hat ltzig keine Belobigung mehr gehört. Ohne Grund schnauzt er ihn je!en Moment an, gestern und vorgestern hat er ihn sogar mit der Reitpeitsche über den Kopf geschlagen. ltzig gab sich alle Mühe, trotzdem madite er es dem Offizier nie recht. Diese Feindschaft lähmte Itzigs Willen, mutig zu sein. Die Angst ergriff wieder Besitz von ihm. Der Blick des Leutnants erfüllte ihn mit Grauen und traf ihn ins Herz wie vergiftete Pfeile. Zuletzt kam ihm der Verdacht, dass sich der Leutnant gern seiner entledigen wollte. Er versuchte diesen Gedanken als unsinnig abzuschütteln. Aber je mehr er sich darum bemühte, desto stärker erfasste ihn diese Furdit. ».Vielleicht gehen wir jetzt ins Verderben." sagte plötzlich ltzig mit tonloser Stimme. Seine Augen zuckten; ihm war zumute wie nach dem Erwachen aus einem schweren Traum. Mit langsamen Sdiritten, manchmal bis zum Gürtel im Schnee watend, schleppten sie sich erschöpft und in trostloser Stimmung unter den dunklen Tannen, die von Zeit zu Zeit die weisse Last ihrer Zweige auf ihre Rücken abschüttelten dahin. Einer hinter dem andern, ltzig sachte in die i ussstapfen des Unteroffiziers tretend. „Was schweigt der Mann nur so hartnäckig? Vielleicht weiss er etwas, das er nicht sagen will?" Dieser Gedanke liess ltzig nicht los, zermarterte unaufhörlich sein Hirn. Er fing an, auf jede Bewegung seines Vordermanns zu achten Aber er ■■<■'•> nur den gebeugten Rücken, die in die Stirn geschobene Mütze, d:n abgewetzten Tornister, der schlaff von der Schulter her- Nach erfolgter Ausbildung im Institut Z e i I e i s in Gailspach habe ich mich im Einverständnis mit den Herren Zeileis zur Ausübung ihrer Methode in Frankf urt-M., KeHenhofweg99 niedergelassen. Dr. med., Dr. phil. U. HINTZELMANN Mitglied des .Vereins der Zeileis-Aerzte Sprechzeit: 10—2 und 4—6 Uhr Telefon: 73722 Notieren Sie bitte Anruf: Zeppelin 51361 HERMANN MORITZ Schwarzburgstrasse 69 Gas-, Wasser- | Wasch-, Bade- Heiz-Anlagen H Toilette- und Bau-Spenglerei i KIOSßtt-EiDrlClltUDDßn Reparaturen | aller Art. Linilau-Frisler-Sälofi A. OSTERMANN Spez. Dauerwellen, Neuestes System Färben u. Wasserwellcn Spez. 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