Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 1-2 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 13 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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mBEEttss&s^xtt -s^^^-.ra? -£i '«J^JOiil 13 zen gilt wohl dasselbe. Dodi sind wir hier nur auf Vermutungen angewiesen, da nämlich eine Pflanze, die wir mit Sicherheit als die Stammform des Weizens bezeichnen könnten, nicht mehr aufzufinden ist. Der Emmei sieht dem Weizen ähnlich, doch ist er vom Weizen daran zu unterscheiden, dass beim Weizen in einem Aehrchen mehrere Körner sitzen, während beim Emmer die Aehrchen nur zweifrüchtig sind. Und das ist ein Grund dafür, dass der Emmer heute nur noch spärlich gebaut wird, denn er liefert weniger Ertrag als der Weizen. In Deutschland muss man schon sehr lange suchen, um einmal ein Feld zu finden, das mit Emmer bestellt ist. Doch hat der Emmer einen grossen Vorteil vor dem Weizen: der Weizen, dieses hochgezüchtete, verweichlichte, krankheitsanfällige Kind des Menschen ist in bezug auf den Boden sehr anspruchsvoll. Der Emmer dagegen begnügt sieh mit magerstem Untergrund. Ehemals war die Kultur des Emvners sehr verbreitet und er war neben dem Weizen und der Gerste von grosser Wichtigkeit. Das lehrt uns die vorliegende Bibelstelle. Auch in den Pf ahlbauten hat man schon Reste des Eminers gefunden. Wo ist nun die Heimat des Emmers? Aaronsohn, dem die botanische Durchforschung Palästinas so sehr viel verdankt, gelang es, den Emmer in wildem Zustand in Palästina aufzufinden. Wie aber konnte er wissen, dass das wirklich wilder Emmer war? Denn bei derartigen Forschungen besteht immer die Gefahr, dass man keine wilde, sondern eine aus der Kultur entsprungene verwilderte Form vor sich hat. Aaronsohn fand den wilden Emmer immer auf Felsboden und in Felsspalten, auf einem Boden, der den Kulturformen nicht zusagt. Schon durch diesen Standort ist es wahrscheinlich gemacht, dass ein wilder Emmer vorlag, was noch durch andere Tatsachen bestätigt wurde. Es ist anzunehmen, dass in der Gegend, in der der wilde Emmer gefunden wurde, auch die Heimat der Emmerku'ltur zu suchen ist. Das ist deshalb von Wichtigkeit, weil man geglaubt hat, dass der Emmer die gesuchte Stammform des Weizens sei. Doch ist das nicht sicher. Ausser diesen Getreidearten wird an der erwähnten Stelle noch von „pischta" geredet. Dies ist der Flachs (Linum usitatissiinum). Audi der Flachs ist ebenso wie die Getreidearten eine uralte Kulturpflanze. In Aegypten ist er, wie wir aus dieser Bibelstelle entnehmen können, schon zur Zeit des Auszugs aus Aegypten kultiviert worden und muss von ebenso grosser Bedeutung wie der Weizen, die Gerste und der Emmer gewesen sein, da er ja mit ihnen in einem Atem genannt wird, um die Grösse des durch die Hagelplage angerichteten Schadens zu kennzeichnen. Ueber die Herkunft des Flachses wissen wir gar nichts, da noch nirgends wirklich wilder Flachs angetroffen wurde. Auch über die Gemüse der Aegypter gibt uns die Bibel Auskunft. Im 4. B. M. Kap. Ii, Vers 5, wo die Kinder Israels sich nach den „Fleischtöpfen" Aegyptens zurücksehnen, sind Gurken (kischuini), Wassermelonen (awatichim), Poree (chazir), Zwiebeln (bezalim) und Knoblauch (schuiniin). Wir müssen uns hier darauf beschränken, nur die drei Laucharten zu besprechen. Alle drei genannten Laucharten waren nicht nur bei den Aegyptern, wie diese Bibelstelle zeigt, sondern auch bei vielen anderen Völkern des Altertums beliebte Gemüse. Sie sind ein sicher uraltes Kulturgut der Menschheit. Chinesen, Inder, Aegypter, Babylonier, Juden, Griechen, Römer, Germanen usw. kannten und schätzten sie sehr. Von den Germanen sei hier nur erwähnt, dass der byzantinische Gesandte Sidonius Apollinaris sich „über den üblen Geruch des germanischen Volkes der Burgunder vom vielen Lauch- und Zwiebelessen" beklagt. Bei all diesen Völkern können wir dasselbe beobachten: Ursprünglich sind Laucharten, besonders Zwiebel und Knoblauch, ein beliebtes Volksnahrungsmittel. Sobald sich dann eine verfeinerte Kulturschicht im Volk bildet, geraten die Laucharten wegen ihres starken, lange nicht zu beseitigenden Geruchs in Verruf und gelten als vulgär. Ihr Gebrauch in grösseren Mengen beschränkt sich dann auf die sozial niedrig stehenden Klassen. Allen diesen Laucharten, besonders der Zwiebel und dem Knoblauch, ist es ferner gemeinsam, dass sie als Mittel gegen Dämonen, Behexung und Zauberei gelten. So gibt man den Knoblauch dem Vieh als Futterbeigabe, um Krankheiten fern zu halten. In Süddeütschland werden drei weisse Zwiebeln aufgehängt; dadurch soll das Vieh vor den bösen Mächten geschützt werden. Sollte nicht auch das Färben der Ostereier mit Zwiebelschalen. abgesehen von der praktischen Bedeutung, einen mystischabergläubigen Hintergrund haben? Auch bei den Juden gelten die Laucharten im Volk als apotropäisch. So berichtet Löw von der Zwiebel und dem Knoblauch u. a.: „Hängt man eine Zwiebel im Zimmer auf, so hält sie alles Unheil fern und saugt alles Gift ein." „Nimm ein wenig Brot und Knoblauch in die linke Hand und du brauchst kein Unheil zu fürchten." Die Laucharten spielen auch in der Volksheilkunde sämtlicher Völker eine grosse Rolle. So sagt ein alter deutscher Spruch: „Wenn die Menschen wüssten, was eine Zwiebel wert ist, würde das Stück einen Taler kosten." Hier liegen sicher noch ungehobene Schätze für die Medizin. Denn in solchen alten, übereinstimmenden Angaben steckt meistens ein wahrer Kern. Und in allerneuester Zeit bedient sich ja auch die moderne Medizin des Knoblauchs, aus dem man ein Präparat, das Allisatin, gegen dmrrhoeische Zustände, Verdauungsstörungen, Appetitlosigkeit und arteriosklerotische Beschwerden herstellt. Der Porree (Allium porrum) stammt aus dem Mittelmeergebiet, wo seine Stammpflanze (Allium Ampeloprasum) zu Hause ist. Auch heute noch wird er als Gemüse gegessen. Die Zwiebel '(Allium cepa) ist in wildem Zustand nicht mehr bekannt. Wahrscheinlich stammt sie ebenso wie der Knoblauch (Allium sativum) aus Zentralasien. Hatten wir bisher nur mit Pflanzen zu tun, die wir nach ihrer Organisation zu den höheren Gewächsen rechnen, so hören wir im 5. B. M. Kap. 28, Vers 22 von nieder organisierten Lebewesen, von Pilzen. Sie werden unter den von Gott angedrohten Strafen aufgezählt und sind, wie schon Raschi sagt, „Krankheiten des Getreides auf den Feldern." Im einzelnen sind erwähnt: Der Kornbrand (schidafon), verursacht durch einen mikroskopisch kleinen Pilz (Ustilago Carbo, Sammelart). Dieser Pilz befällt das Getreide und durchwuchert das Gewebe der Pflanzen. Anstatt der Körner erscheinen dann die schwarzen Sporen des Pilzes. „Jerakon" heisst wörtlich Vergilben. Ob damit eine Pilzkrankheit, z. B. der Getreiderost, oder nur das Gelbwerden infolge von Wasser- oder Nährstoffmangel gemeint ist, geht nicht sicher aus dieser Stelle hervor. Das ist nur eine kleine Auswahl aus den vielen botanischen Angaben, die uns die Bibel macht, in der Hauptsache aus den fünf Büchern Mosis. Wieviel Wertvolles aber findet sich noch in den Propheten, dem Hohen Lied, den Psalmen usw. Doch ist es leider unmöglich, das alles hier anzuführen. Und das Wesentliche ist ja gezeigt worden: Wir haben erfahren, welchen Wert die Bibel als naturwissenschaftliches Dokument besitzt und welch' tiefgehende Aufschlüsse auf allen Gebieten wir aus ihr schöpfen können. FÄRBEREI GEBR. ROVER CH EM. REINIGUNGSWERKE erneuern Bedeutendstes Unternehmen in Süddeutschland färben reinigen HANNS L. KATZ MALERu. WEISSBINDERARBEITEN, SCHRIFTEN FERNRUF: SPESSART 61118, NACH GESCHÄFTSSCHLUSS: NORDEN 94418 FRANKFURT AM MAIN, DARMSTÄDTER LANDSTRASSE 93