Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 9 (1930-1931)
- Issue
- 1-2 (9.1930)
- Date
- 1930-09-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Worte stets nur Ersatz zu sein, wenn er sagt: „Gott opfre ich Dankgesangs Rauch, in dessen Hand alles Lebens Hauch." (Jehuda Halevi.) „Sei meinem Gebete wohlgefällig, spüre es doch wirklich, nimm es an, als sei es aufsteigender würziger Duft, lasse es Dir zum Ruch des Geruhens sein!" Das inbrünstige Gebet, das in tiefster Verzweiflung, in höchster Freude, in innigstem Dank - gebetete, ist unmittelbar ausgestoßen, ausgehaucht; der Hauch findet seine Verdichtung im Wort. Das gesprochene Wort ist somit die andere Form der Annäherung, des Wegfindens zu Gott, des Verbundenseins mit ihm. Aber immer bleibt heute in all unseren Gebeten an unseren Festtagen die Sehnsucht nach der Wiederherstellung des Opfers im Tempel, das Verlangen nach wirklichem Zusammensein mit Gott an seiner Wohnstatt. Und so beten wir am stärksten darum am Versöhnungstage, da im Tempel früher die Entsühnung vollkommene Wirklichkeit war, wenn der Hohepriester nach* dem Bekenntnis der Schuld und Sünden aller mit dem Sühnopfer im Allerheiligsten beim Aussprechen des heiligen Gottesnamens die Schuld bedeckt (entsühnt) hatte. Dies ist die wahre Bedeutung des Wortes „Jomhakkipurim". Was uns heute wirklich bewegt beim Opfergebet ist die Sehnsucht nach Vollendung und Einheitlichkeit, nach Erlösung, die letzte Sehnsucht aller Menschen. Was ist uns Erlösung? Lösung von der Spannung, der Trennung in unsere Vielheiten, Heimkehr zum Ursprünglichen, zur Einswerdung in der Verknüpfung von Erdhaftigkeit mit Göttlichem, ausi der Wurzellosigkeit falschen Idealismus. Geblieben ist uns die Gnade Gottes, unser Vertrauen auf ihn, und als unsere Darnahung zu Ihm: teschuwoh, tefilloh, zedokoh, Rückkehr zum Rechten, Gebet und Gerechtigkeit (gute Taten). Viele dieser gesetzlich festgelegten Handlungen und Pflichten sind heute von manchen abgestossen als alter Ballast. Was dann bleibt? wäre dies nicht eine nur abstrakte Religiosität und Gottesverehrung? Wie die Opfer zu einer Verheiligung des Werkes und des Alltags wurden, so durchzieht auch das häusliche Gebet das ganze tägliche Leben vom Aufstehen morgens bis zum Niederlegen des Abends, vom Segen über das Brot und dem Tischgebet zu dem Zeichen an den Pfosten der Türe zu den Geijetriemen an der Hand und der Stirn zwischen den Augen. Die „Brochoh" wird gesprochen bei jeder täglichen Verrichtung, bei jeder neuen Begebenheit zum Lob Gottes, der uns das Gesetz gegeben hat und zu jeder Stunde für uns sorgt. Aber zwischen dem Alltag besteht weiter der Sabbat und der Feiertag mit dem Gottesdienst und der Verlesung der Heiligen Schrift und mit der häuslichen Feier. Nur noch durch gleiches Tun zur gleichen Stunde ist das ganze Volk Israel an seinen Ruhe- und Festtagen heute miteinander verbunden, wirklich räumlich vereint aber nur die Familie, die Kernzelle der Gemeinde. Durch Gebet und Feier ist eine Kette von einein Sabbat zum anderen, von einem Festtag zum folgenden, immer aber mit der Erinnerung an den Opferdienst im Tempel, in der Sehnsucht nach der Heiligen Stadt. Eine Art des Opfers ist uns bis heute und in alle Zukunft geblieben und von uns gefordert: das Opfer der Liebe, die ungeteilte Hingabe an Gott. Immer wieder ergeht an uns der Ruf: „Hör Jisrael, Er unser Gott, Er Einer. So liebe denn Ihn, deinen Gott, mit all deinem Herzen, mit all deiner Seele, mit all deiner Macht." Viele unserer frommen Väter und Mütter haben unter unendlichen Qualen und Leiden in Treue an ihrem Gotte festgehalten, viele haben ihr Leben hingegeben, das „schma jisroel" auf sterbenden Lippen; aber nichts Schweres war ihnen der Tod, den sie für ihren Gott sterben mussten. Rabbi Akiba fand seine letzte Glückseligkeit in solcher Todesstunde, da er seinen Gott mit seiner ganzen Seele, mit seinem ganzen Sein Heben durfte. Diese gläubigen Streiter aller Zeiten sind es, die die Kette des Bundes Gottes mit Israel hielten und mit ihrem mutigen Bekennen und ihren täglichen Opfern Israel vor dem Untergang bewahrt haben. So bleibt uns und jeder kommenden Generation die Aufgabe, mit Bekenntnis und Opferfähigkeit uns hinzugeben unserem Gotte. Denn dann ist es in unsere Hand gegeben, daß blindwütige Kämpfe sich zu sinnvollem Leben entfalten, dass das Blut unserer gläubigen und liebenden Vorväter nicht umsonst vergossen, all ihre unendliche Qual und Schmerzen nicht umsonst erduldet, aber auch, daß alle Glut und alles Feuer der Grossen und Kämpfer nicht umsonst erglüht war. An uns liegt es, durch unser stündliches Dazutun, aus Not und Opfer Frucht reifen zu lassen, an uns liegt es, durch Menschenliebe und Liebe zu Gott die uns verkündete Zeit des Messias vorbereiten zu helfen^ In unserer schweren und erregten Gegenwart mag uns die Botschaft des Messias ferner klingen als je. Aber - vielleicht -regen sich doch unter dieser krachenden Erdkruste neue kraftvolle Triebe, nach Einheitlichkeit und Einfachheit hinstrebend. Versuchen wir, diese sich regenden Triebe unserer Zeit zu erkennen. Beten wir, wenn wir dem Sinn der Opfer nahe gekommen sind, wieder zu einer Durchdringung des erdgebundenen Lebens mit Göttlichem zu gelangen, die Verstrickungen von Geistigem und Körperlichem zu finden. Wenn wir Menschen einmal wieder unsere Wurzeln und somit unseren eigenen Frieden gefunden haben werden und damit Achtung in unserer Gesinnung vor den anderen, dann dürfen wir mit unserem grossen Künder Jesaja auf die messianische Zeit der Erlösung hoffen: „Geschehen wirds in der Späte der Tage: festgegründet ist der Berg SEINES Hauses zuhäupten der Berge, über die Hügel erhaben, . . . strömen werden zu ihm die Weltstämme all, hingehn Völker in Menge, sie werden sprechen:* Lasst uns gehn, aufsteigen zu SEINEM Berg, zum Haus von Jaakobs Gott, dass er uns unterweise in seinen Wegen, dass auf seinen Pfaden wir gehn F Denn Weisung fährt von Zion aus, von Jerusalem, SEINE Rede; Richten wird er dann zwischen den Weltstämmen, ausgleichen unter der Völkermenge: ihre Schwerter schmieden zu Karsten sie um, ihre Speere zu Winzerhippen, nicht trägt mehr Stamm gegen Stamm das Schwert, nicht lernen sie fürder den Krieg. Haus Jaakobs, lasst nun uns gehn, einhergehn in SEINEM Licht! Ueber die Flora der Bibel Von Dr. Walter Schwarz Wissen wir zwar nicht, was das Gopher-Holz ist, aus dem die Arche gebaut war, so sind wir über das Material, aus dem die Bundeslade, die Stangen, der Tisch, der Räucherwerk- und der Ganzopferaltar verfertigt war, besser unterrichtet, denn es ist nicht so schwer festzustellen, was S c h i t - t x m h o 1 z („aze schittim'*) ist. Die Wüstengebiete sind durch grösste Armut an Bäumen ausgezeichnet. Da wir nun einerseits wissen, dass die Bundeslade, der Tisch usw. in der Wüste Sinai verfertigt wurden, andererseits zu der Verfertigung all dieser Dinge eine ziemliche Menge Holz verbraucht wurde und die Länge der grössten Bretter eine ansehnliche war (teilweise: zehn Ellen), so genügt es festzustellen, welche Bäume in genügend grosser Anzahl und in genügender Grösse in der Wüste Sinai wachsen. (Schon die Tossafisten geben (nach Low) an, in der Wüste habe es grosse Sehittim-Bestände gegeben.) Da zeigt es sich sofort, dass die Akazien die einzigen Bäume sind, die diese Bedingungen erfüllen. Die Akazien gehören zu den wenigen Baumarten, die fern von der Oase in der Wüste oft in grösseren Beständen wachsen und gedeihen, in einem Klima, das im allgemeinen ein Baumwachstum nicht gestattet. Sie sind die einzigen Bäume der Wüste Sinai, die so gross werden, dass man Bretter von der im 2. B. M. angegebenen Länge aus ihrem Holz schneiden kann. Und so ist es wohl sicher, dass mit Schittim-Holz das gute harte Holz der Akazie gemeint ist. Einer der bekanntesten Bäume der Bibel ist die L i b a - nönceder1). Dieser mächtige, wundervolle Nadelbaum entzückte unsere Gelehrten so sehr, dass Rabbi Jochanan von ihm sagte: „Eigentlich war die Welt der Cedern gar nicht wert. Sie wurden nur des Heiligtums wegen erschaffen'* (nach Low). Beim Bau des salomonischen Tempels wurde das Cedernholz in grossen Mengen gebraucht, auch ist im 3. B. M. von Cedeknholz im Zusammenhang miÜ der Reinigungszeremonie die Rede- Die Ceder. war einst auf dem Libanon und Antilibanon häufig. Sie bildete grosse Waldungen. Wenn wir heute dort nach ihr suchen, so finden wir nur noch bei dem Dorfe Benharri einen kleinen Bestand von ungefähr 400 Exemplaren. Mit anderen Worten: Die Ceder ist im Libanon nahezu ausgerottet. Wie ist das gekommen? Die Tatsache, dass die Ceder ein ausgezeichnetes Holz für Bauten und besonders für Schiffe liefert, hat ihren Untergang besiegelt. Schon vom ägyptischen König Snofru (2930—2906 v. Chr.) wissen wir, dass er die Balken seiner Tempel und Götterstatuen aus Cedernholz verfertigen liess. Die Phönicier bauten ihre Schiffe aus Cedernholz. Die babylonischen Könige setzten das Ä. n m . : Ebenso wie im ersten Anfsatz (Juli-Ausgabe des Gemeindeblatts) verlasse ich midi bei der Deutung der hebräischen Bezeichnungen auf das Buch von Löw: „Flora der Juden". Ich bin ausserdem Herrn Ober- Rabbiner Low wegen einiger brieflicher Angaben zu Dank verpflichtet. i) Da über die Libanonceder schon viel von anderer Seite geschrieben worden ist, wird sie hier nur kurz besprochen.