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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-09-01 · 1-2 (9.1930) · p. Seite 8

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
1-2 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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nodi Dinge gibt. Das darf nicht geleugnet werden. Aber es ist auch kein Staat damit zu machen („Meine Herrn, mer habbe nichts zu prange" soll der alte Rothschild einmal eine Generalversammlung eröffnet haben). Die Schöpfung verschwindet nicht. Sie verschwinden machen ist Askese. Der Buddhismus ist die legitime Konsequenz der altindischen Opferreligion. Das jüdische Opfer ist die strenge Ablehnung der Askese. Es wird da „nur" geopfert. Nicht je mehr um so besser. Es wird das Vorhandensein der Welt anerkannt. Sie wird nicht „a u f"geopfert. Sondern es wird nur von den Dingen geopfert. Dies beschränkte Opfer setzt voraus einen geordneten Stand der Dinge. Also heute höchstens das jüdische Haus. Daher dort das einzige Opfer, das es noch gibt: d:e Challah. Das Opfer wird grade durch diese Einschränkung nun umgekehrt das Symptom für den geordneten Zustand. Wenn jüdisch geopfert werden darf, ist die Ordnung der Dinge wie Gott sie will hergestellt Sie wird nicht durch Opfer hergestellt. Sondern das Opfer ist das sichtbare Zeichen, -dass sie hergestellt ist. Ein Gleichnis: Brief und Geschenk in der Freundschaft. Aufgebaut wird die Freundschaft durch Brief usw., eben durch das Wort. Wer sie durch Geschenke aufbauen will — o weh! Aber sich Geschenke machen können ist das schönste Zeichen, dass Freundschaft da ist. Man kann nur schenken auf Grund der vorhandenen, schon vorhandenen Freundsdiaft. Das Wort, der Brief usw. werden gesagt und geschrieben immer auf Grund eines Noch-nicht. Am Anfang ist das Wort. Und jedes Wort ist immer wieder an einem Anfang, tritt immer wieder in die Bresche irgendeines Noch-nicht. Das Geschenk geschieht immer aus irgendeiner Fülle. (Bestechung ist das Geschenk, das an die Stelle tritt, wo nur das Wort statthat. — Phrase das Wort, das dalaut werden wilL wo nur das Geschenk hingehört. Bestechung also das Geschenk als Anfang, Phrase das Wort als Ende.) So, nun ists wohl klar. IL Betrachtungen von Toni Oelsner (Die jugendliche Verfasserin, angeregt durch die Bibelstunden von Eduard Strauss, versucht hier, ihrem Ringen um das Verständnis religiöser .Vorgänge, deren unmittelbarem Erleben wir entrückt sind, Ausdruck zu geben. Schriftl.) Wozu die Opfer, und was können sie uns Menschen von heute interessieren? Wieso beten wir gar um ihre Wiederherstellung im Tempel? Solches ist doch veraltet, sollte als veraltet wie so manches andere aus dem Gottesdienst entfernt werden. Dies ist auch bereits bei neueren Formen des Gottesdienstes geschehen. Wieso sollte man um Dinge beten, die man nicht glaubt, nicht einmal wünscht? Sollte man wirklich so ohne weiteres über diese Dinge hinweggehen dürfen, könnte nicht doch ein tieferer Sinn in den Opfern — „korbonim" Darnahungen — liegen? Gibt nicht schon diese ursprüngliche Wortübertragung eine andere Bedeutung? Darnahung kann keine losgelöst einzelne Sache sein, als solche zu betrachten, sondern nur etwas, das geschieht von jemandem aus zu jemandem hin. Dies bedingt ein engeres Verhältnis des darnahenden Menschen zu seinem Gotte, und diese feste Beziehung ist der Bund Gottes mit Israel. Begründet war er mit Abraham, dem Stammvater, der als erster Gott erkannt und ein gutes, gottesfürchtiges Leben geführt hatte. Deshalb war er erwählt von Gott und auf sein Geheiß nach dem Lande seiner Weisung hingewandert. Dort schließt Gott den Bund mit Ahraham. Als Prüfstein aber verlangt Gott sein Opfer, den einzigen spätgeborenen geliebten Sohn. Abraham ist bereit, seinem Gotte sein Liebstes hinzugeben; doch da Gott diesen Willen erkennt, braucht er dieses letzte Opfer nicht. Ein im Dickicht -des Berges verirrtes Wild genügt — statt des Menschenopfers Tieropfer. Der Bund wird erneuert von Sohn zu Sohn, auf die zum Volk gewordenen Nachkommen. Jede weitere Darnahung zu Ihm aber wird zu erneutem Zeichen des Bundes. Die Darnahung ist Bindeglied in dem Bunde, engstes Mittel gegenseitigen sich Angehörens. Bei der Offenbarung und Gesetzgebung ani Sinai erhält das Ojifer seine gesetzliche Regelung, zu welchen Zeiten, an welchem Ort und in welcher Weise-Ihm Darnahungen genaht werden können. Drei Formen werden festgesetzt: Hochgabe, Hinleite, Friedmahlschlachtung. Das häufigste, letztlich nur von den Priestern darzubringende Opfer, morgens und abends je eines, ist das Brandopfer — olah —, das unvermindert (ganz), aufgeschichtet in seihen einzelnen Teilen zur Hochgabe im Rauch aufsteigt zum Ewigen. Das Feuer am -Hochgabealtar sollte ein stetes Feuer sein, von der^Hodigabe des Morgens zu der des Abends und wieder zum Morgen; nie durfte es verlöschen. (Aehnliches ist uns noch heute geblieben, in der Ewigen Lampe.) Das Blut aber ward gesondert dargenaht, gesprengt ringsum an die Sdiladitstatt. Letzterer Rest im Braudi — das Blut als magisdien Kraftträger — Urquelle mensdilichen Vorstellens Und Empfindens. Aber hier kaum noch gewußt, herausgehoben aus dein Bereidi der Magie, nunmehr erfaßt als Träger des Lebens: „ki hadom hanefesdi" — denn das Blut ist die Seele. Es soll nidit verraudien, nie gegessen werden, sondern gesondert dargenaht, gesprengt werden an Seine Statt. — An .den Sabatten, den Neumonds- und Festtagen wurde die Zahl der Hodigabedarnahungen vermehrt je* nadi der Satzung als Mittelpunkt des .Gottesdienstes im Tempel. Die zweite Form der Darnahung ist das Speiseopfer — mindias mardiesches, Hinleite zu Gott. Der Priester liess einen Teil der Gabe des mit Oel vermisditen und mit Weihraudi begossenen Kernmehls oder der Früdite im Tiegel oder der Pfanne zu Duft und Raudi aufgehen zum Ruch des Geruhens Ihm. Die Hinleite wird zur verfeinerten Form der Darnahung. Wohlriechender Duft steigt auf aus frischem, ungesäuertem Gebäck und Erstlingsfrüditen, die mit Gewürzen, Weihraudi und Wein gemengt sind zu feiu-durdisichtigem Rauchdampf. Ein Duftteil der Speisehinleite nur ward dem Ewigen vom Priester dargebradit, der übrige Teil blieb ihm selbst zum Genuss. Die Hodigabe und Hinleite konnte von jedem einzelnen freiwillig oder bei besonderer Gelegenheit gegeben und von ihm zubereitet werden, aber dargenaht ihm nur von dem Priester. Bei der dritten Darnahungsform, der Friediuahl- Schlachtung aber ist der einzelne wirklidi selbst beteiligt. Sie ■ bringt ihn tatsädilidi in Gemeinschaft mit seinem Gott. Das Fett, das als das beste Produkt überhaupt galt, wurde auf dem Hodigabealtar von dem Priester ihm dargebradit. Die Brust wurde geschwungen hin zu ihm, Zeidien der Zueignung, wie heute nodi die heiligsten Gebete in einem Hinneigen zu Ihm gesprochen werden. Der nach der priesterlidien Handlung verbleibende Restteil aber wurde von dem Darbringenden selbst am Orte des Herrn gegessen, in wirklichem Zusammensein also des Menschen mit seinem Gott. Diese Darnahung des einzelnen Mannes aus dem Volke gelangt erst zu ihrer ganzen Bedeutung und letzten Regelung im L a n d e selbst. Das Land ist Israel von Gott zu Lehen gegeben, es zu bebauen, Sein Gebot in dem Lande zu wahren. Das Gesetz aber ist hier in der Schrift mehr als übliche Rechtgebung; es ist für das Land und bringt in sich die Notwendigkeiten für das Land. Das Rechte. tun, Gottes Geheiß erfüllen, verwächst mit dem, was 'das Land, die Erde braucht: Regen, Sonne zur rechten Zeit. Innere und äußere Notwendigkeit sind eines. Nodi gibt es keine philosophische Trennung zwischen Geist und Materie, Idealismus und Realismus. Innigste Verbundenheit von Gott zum Volk zum Land ist spürbar,, das Gesetz verankert sidi im Land. So bestimmt sich Gott seinen Ort zur Wohnstatt in dem Lande, zur Heiligung seines Namens und bestimmt diesen Ort zur Darbringung seines - Anteiles an dem Ertrage des Landes, zur Opferung. Zu diesem Orte hin wallfahren die weiter weg wohnenden Stämme an den drei Hauptfesttagen, audi Erntefeste genannt, um ihrem Gotte den Zehnten der neuen Ernte, die Erstlingsfrüchte und die Erstlinge der Herde darzubringen und den Restteil am Orte des Herrn vor seinem Angesichte zu verspeisen, gemeinsam der Herr mit dem Sohn, dem Knedit, der Magd und dem Fremdling. Der Ertrag der Arbeit langer Wochen wird hier vor Gott zur Freude, zur Lust aller, aber nidit trunkener selbstvergessener Genuß wie bei den Kulten der Heiden, sondern Feier in der Hingabe an Gott, an dem von Ihm bestimmten Ort nach gebdtener Art. Gleidi und verbunden miteinander vor Gott ist das ganze Volk: Arbeitende, Priester, Leviten, an ihren Wallfahrtsfesten. Von einem Festtag zum anderen wird die tägliche Arbeit zur Heiligung in Gott. Die Darnahung wird so immer wieder erneut Zeichen und Bestätigung des Bundes Israels mit Gott. Sie ist als solches Vollkommenheit, sichtbarstes Bindeglied. So sind auch ihre Endformen: Feuerung, Rauch, der aufsteigt zum Rudi des Geruhens Ihm, tatsächliche Sinnbilder. Rauch, durchsichtig und doch verhüllend,'Sinnbild des unsichtbaren und doch, daseienden Gottes, erfassbar und doch umhüllt mit letztem Geheimnis. Feuer, die sdiöpfend schaffende Kraft, umwandelnd und zerstörend, die Kraft, die den Menschen, nadidem er sie gefunden, erst von allen anderen Geschöpfen abhob und ihn. erst zu dem Ebenbilde dessen machte, der ihn erschaffen.-.'Der würzige wohlriediende Duft der Früchtgabe Zeugnis der :Erdkräfte,: der Schönheit, der Vielgestaltigkeit. Tiefste .Verbundenheit von Erde, Kreatur, Mensch und Sdiöpfer ist spürbar. _ Wenn; später auch die. Erdverbundenheit gelockert war, so wind die Bedeutung mehr und mehr dem aufsteigenden Raudbe oder Duft beigemessen. Er war vollkommen wirklidi sinnlicher Weg hin zu Gott. So scheinen dem Beter seine

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