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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-09-01 · 1-2 (9.1930) · p. Seite 7

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
1-2 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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lidie Abendopfer gebracht war, ging es los. Sängerchöre in Begleitung von Musikinstrumenten aller Art, insbesondere von Flöten, stimmten Lieder an. Fröhliche Tänze wurden aufgeführt, besonders beliebt waren Fackeltänze. Von dem Patriarchen Rabban Simeon ben Gamaliel, dem angesehensten und ehrwürdigsten Führer der Nation, wurde überliefert," dass er sich darin besonders auszeichnete. Erbesass die Geschicklichkeit, acht brennende Fackeln während des Tanzes in die Höhe zu schleudern und sie nacheinander aufzufangen, ohne dass sie einander berührten. Goldene Kandelaber ragten, mit je vier ölgefüllten goldenen Schalen an der Spitze, in jeder brannte ein dicker Docht, angefertigt ans den abgelegten Priestergewändern. Junge Priesterknaben kletterten allemal die Kandelaber hinan und schütteten Oel aus mächtigen Gefässen nach. Weit über -die ganze Stadt . ergoss sich durch die Nacht der Lichtglanz vom Tempelberg hinaus. Es war kern Hof in Jerusalem, in dem man nicht bei diesem Schein Körner zählen konnte. An beiden Enden der obersten Stufen nahmen zwei Priester Aufstellung, jeder mit einer silbernen Trompete in der Hand, sie gaben, sobald der Hahn Mitternacht verkündete, ein dreifaches Signal: „Tekia, Terua, Tekia", die Tore öffneten sich, und hinaus trat die Prozession, in deren Mitte das Gefäss für das Wasserschöpfen getragen wurde. Langsam und feierlich schritt sie die fünfzehn Stufen hinunter. Auf jeder Stufe sangen die Chöre mit Musikbegleitung einen der fünfzehn sog. „Stiufenpsalmen" (Sehir ha-Maalot, Psalm 120—134), die nach manchen Forschern aus diesem Anlass gedichtet worden waren. Nach anderen waren das alte Psalmen, die sdion von den Wallfahrern zum eisten Tempel gesungen wurden. Alle paar Stufen erklang das Signal von neuem. So gelangten sie durch den Frauenhof bis an das Osttor. Jetzt wendeten sie sich gen Westen und stimmten ein Lied an mit dem Refrain: „Anu le Jah we-enenu le Jah" (Wir gehören dem Ewigen und unsere Augen sind erhoben zum Ewigen.) Inzwischen erstrahlte der Morgenstern. Jetzt waren sie beim Siloa angelangt, schöpften ein goldenes Gefäss von drei Log voll und unter Trompetenschall begaben sie sich in den Tempel zurück. Als sie beim Wassertor anlangten, erschollen die Trompeten zum letzten Mal. Der Mann mit dem Gefäss schwenkte links ab auf den Steg' (Kebesch) in den Altarraum. Da dieses Fest am Sabbat und Feiertag nicht abgehalten werden durfte, musste für den ersten Tag, sowie für einen eventuellen Sabbat das Wasser am vorhergehenden Abend geschöpft werden; es wurde über Nacht in einem geschlossenen goldenen Fässchen aufbewahrt. R. Josua b. Chananja erzählte: „Am Wasserschöpf-Fest schliefen wir die ganze Nacht nicht. Mancher schlummerte ein an der Schulter seines Nebenmannes." Noch die nächsten Generationen hatten das Sprichwort: „Wer das Wasserschöpf-Fest nicht gesehen, hat sein Lebtag kein fröhliches Fest gesehen." r /Voffie//enfi An unsere Freunde! Eindringlicher noch als sonst müssen wir uns in diesem Jahre vor den hohen Feiertagen an unsere Freunde und Gönner wenden und sie herzlicher und dringender als je bitten: Helft uns in unserer mühevollen und für die gesamte jüdische Oeffentlichkeit verantwortungsvollen Arbeit! Außerordentliche Mittel werden von uns benötigt, um nur einigermaßen die große Not, besonders auch des Mittelstandes, bekämpfen zu können. Wenn uns daher nicht alle diejenigen ausnahmslos unterstützen, die zu spenden in der Lage sind, sind wir gezwungen, kurz vor Eintritt des Winters unsere Hilfstätigkeit einzuschränken oder gar einzustellen. Die Folgen für Tausende unserer Glaubensgenossen wären nicht auszudenken! Unser Notschrei kann und darf deshalb bei unseren Brüdern und Schwestern nicht ungehört verhallen. Wir bitten Sie, uns Ihre Fe iertagsspende möglichst bald zugehen zu lassen, damit wir im Interesse unserer Notleidenden zeitig darüber verfügen können. Jüdische Wohlfahrtspflege Frankfurt a. M. Langestraße 30 Anruf: Hansa 26531 Postscheckkonto No. 54893 Julius Bloch Rabb. Dr. J. Horovitz Üeber die Opfergebete I. Ein Brief von Franz Rosenzweig (An Eduard Strauss, 5. Januar 1922; aus dem Nachlass veröffentlicht in .,Die Kreatur", III. Jahrg., Heft 4.) Wir beten um die Wiederherstellung der Opfer. Sie gehört in die messianische Zeit. Was heisst das? Die Offenbarung ist kein Opfermahl, sie ist Wort. Gehört zur Erlösung das Opfer? Das Opfer ist der extremste Gegensatz zum Wort. Kein Wunder, dass das Christentum es abgelehnt hat, bzw. „vergeistigt". Gegensatz zum Wort ist aber das Ding. Geopfert werden Dinge. Lebewesen zu opfern bedeutete sie als Dinge behandeln. Eben das hat mit der Offenbarung aufgehört. Seitdem gibt es den Gegensatz von Wort und Ding. (Vorher konnten sie verwechselt werden — Menschenopfer, Zauber usw.) Seitdem geschieht das Geschehen zwischen Wort und Ding (zwischen Offenbarung und Schöpfung). Bei allem was geschieht kannst Du sagen, ob es Wiederholung (Erneuerung) der Offenbarung ist — dann ist es nämlich bloss mündlich, bloss Wort, wie das Gebet usw. — oder ob es Vorklang der Erlösung ist — dann ist es nämlich sichtbar. Auf die Sichtbarkeit* kommt es an. Denk an die Stelle der Mussaf-Keduschah, auf die ich solchen Wert lege: w>nW ort rwn*? ti ■ tv1? tpiv? verm usr-w anm („Und er wirds euch zum zweiten Mal hören lassen vor den Augen alles Lebendigen, euch Gott sein zu wollen.") Vor den Augen alles Lebendigen! „Hören lassen" hat er es uns „schon einmal" („ein Mal"'!), aber das „zweite" Mal, wo es „vor den Augen alles Lebendigen" uns gesagt wird, das steht noch aus. Wir beten also um die Sichtbarkeit. Die Offenbarung ist ja da, um sie haben wir nicht zu bitten, sondern für sie zu danken. - Diese Verwirklichung, um die wir also bitten müssen, ist nun z. T. gewiss die „soziale", zwischen Mensch und Mensch. Da haben die Liberalen ganz recht. Weltfrieden usw., alles Auswirkungen des Worts. Aber das Wir erledigt das E s nicht. Das Es bleibt da, mindestens für das Ich. Ich habe mindestens meinen Leib. Ich esse und trinke. Da hört das Wort auf, wenigstens das gegenseitige. Es ist wie in der Schöpfung; sie wird gerufen und genannt, aber angerufen schweigt sie sogar noch im Menschen Adam — „geschweige" denn in den Tieren, Bäumen, Steinen. Soll ich („Ich!") mir nun einfach „Herr" sein? Meinen Nächsten soll ich um Gottes willen lieben. Soll ich mich der Dinge nicht auch um Gottes willen bedienen? Das Gesetz weist mich grade dazu an. Es lässt mich Herr sein, nur indem es meine Herrschaft überall wieder beschränkt. Das Opfer ist die sichtbarste dieser Beschränkungen, weil es 1. ein Gebot ist, kein Verbot (nur Gebote wirken Sichtbarkeit) und 2. weil es ganz aus meinen weltlichen Zwecken herausfällt. Warum opfern wir dann nicht heut und hier? Wie wir doch heut und hier die B'rochoh sagen oder am Jaumkippur fasten. Schielrdie Frage mal 3000 Jahre zurück! Warum wurden die Höhenopfer von der Thora verboten und nur das in Jerusalem geboten? Da muss etwas ganz Wichtiges dahinterstecken. Alles Menschliche hat kein Mass (vgl. die berühmte Mischnah im Morgengebet) r die Wohltätigkeit und das Lernen. Alles Dingliche hat sein Mass. Das Wort lässt sich keine Grenze ziehen. Die Dinge verlangen nach Begrenzung. Hier muss es stecken ... Was z u Gott geschieht (das Wort, auch das zum Menschen, geschieht zu Gott), kann gar nicht genug geschehen. Aber, was vor Gott geschieht. Denn es bezeugt, dass es.

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