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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-09-01 · 1-2 (9.1930) · p. Seite 5

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
9 (1930-1931)
Issue
1-2 (9.1930)
Date
1930-09-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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Zwei Thoravorhänge aus der Synagoge am Börneplatz Der sogen. Brismilo-Vorhang aas dem Jahr 1784. Dieser sogen. Brautvorhang wurde im Jahr 1734 von dem. damaligen Rabbiner Jacob Hakohen zur Erinnerung an seine als Braut verstorbene Tochter gestiftet. Die Schlussfeste Von Binjamin Segel Der achte Tag (Schemini) des Laubhüttenfestes wird in der Bibel „Azeret", Schlussfest genannt, bildet also gewissermassen einen besonderen Feiertag für sich. Die Pflicht, in der Laubhütte zu sitzen, gilt für diesen Tag nicht mehr. Einer alten Vorstellung zufolge hielt am achten Tage Gott im Himmel Gericht über die Niederschläge im kommenden Winter. Daher wurde in das Musaph ein besonderes Gebet um Regen (Geschem) eingeschaltet, das mit besonderer Feierlichkeit nach einer dem Tau-Gebet für den ersten Pessachtag ähnlichen Melodie vorgetragen wird. Der Vorbeter trägt dabei in manchen Gemeinden die Totenkleider. Als die Doppelfeiertage eingeführt wurden und auf den Schemini Azeret ein neunter Feiertag folgte, ordnete der Talmud (Megilla 31a) an, dass 'an diesem neunten Tag der letzte Abschnitt der Thora „Wesot ha-beracha (Deut, 53, 1) wahrscheinlich bis zum Schluss des Buches, vorgelesen wurde. Dort soll man nämlich am Versöhnungstag zu Mincha wurde. Lange Zeit nachdem der babylonische Brauch gesiegt hatte und der einjährige anstatt des dreijährigen Zyklus eingeführt wurde, so dass man die Vorlesungen aus der Thora am Ende eines jeden Jahres absehloss und sie am nächsten Sabbat gleich wieder von vorne anfing, wurde es üblich, dass schon an demselben, d. h. am neunten Tage die ersten fünf Verse des ersten Kapitels der Genesis, also die Geschichte des ersten. Schöpfungstages vorgelesen wurde. Wir hören davon wohl zum ersten Male gegen Ende des elften Jahrhunderts durch Jehuda ben Barsilai Albargeloni (aus Barcelona), eine der ersten talmudischen Autoritäten seiner Zeit. Er berichtet, dass man diese ersten fünf Verse auswendig mit poetischen und homiletischen Verbrämungen vorzutragen pflegte; Das führt uns auf einen Brauch zurück, der, einer allerdings -nicht ganz" klaren Ueberlieferung .zufolge,;, in den babylonischen Hochschulen geübt wurde. Dort soll man nämlich am Versöhnungstag zu Mincha die ersten fünf Verse der Thora auswendig vorgetragen haben; nebst poetischen .Erläuterungen und Bearbeitungen Dagegen überliefert Saadja Gäon, dass man zu Ne'ila ein -drittes -MaL aus der Thora vorlas, und .zwar eben die genannten fünf Verse. Kollidierte dieser Brauch nicht mit dem vorhin erwähnten? Wann ist man von diesem Brauch, der nach Saadja nicht mehr erwähnt wird, abgekommen? Und las oder rezitierte man damals auch zugleich den Schluss der Thora am Jom Kippur, so dass das Besch Hessen und Beginnen der Thora, nicht wie nachmals am Simchas Thora, sondern am Jom Kippur stattfand? Oder war in Babylon noch ein dritter Zyklus üblich, der am Jom Kippur anfing? Im Talmud (Berachot 8a) wird erwähnt, dass Rav Bivi, der Sohn Abbajes, alle Wochenabschnitte der Thora an Erev Jom Kippur abzuschliessen pflegte. Wurde daraufhin am Jom Kippur zu Mincha mit den ersten fünf Versen der Genesis wieder der Anfang gemacht? . . . Das alles können wir'heutzutage nicht mehr entscheiden. Das Zeugnis der Dokumente ist nicht mehr deutlich genug. Ebensowenig vermögen wir heute zu sagen, wann diese ganze Zeremonie auf den neunten Tag des Laubhüttenfestes verlegt wurde, der mit Rücksicht darauf später Simchas Thora, Freudenfest der Thora, genannt wurde, und wann die Vorlesung des ganzen ersten Kapitels der Genesis an Stelle der ersten fünf Verse trat. So viel steht fest, dass der heute übliche Brauch im 12. Jahrhundert und zwar zuerst bei den franko-g er manischen Juden aufkam, beide Enden des Fünfbuches gleichsam ineinander zu verflechten und dadurch anzudeuten, dass Israel sich auch nicht für einen Augenblick von seinem heiligen Erbe trennen wolle. Es wurden also zwei gesonderte Thoravorlesungen aus zwei besonderen Rollen angeordnet. Aus der einen wurd^ zunächst „Wesot ha-beracha" vorgelesen. Gleichsam zur Entschädigung dafür, dass dieser Abschnitt niemals an einem regelrechten Sabbat vorgelesen wird, hat seine Vorlesung jetzt etwas besonders Feierliches und Erhebendes. Das Schlusskapitel, das die unvergleichliche Schilderung der letzten Stunden Moses enthält, hat eine Kantilene. die in ihrer ergreifenden, schwermütigen Innigkeit immer wieder den stärksten Eindruck macht. Es ist ein ausserordentlich feiner psychologischer Zug, die freudige Stimmung des Tages durch diese melancholische Einlage zu unterbrechen. Bei

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