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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-08-01 · 12 (8.1930) · p. Seite 476

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
12 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 476 (sequence 12)
Language
German
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Deutschland. Berlin. Aus den Berichten, welche Dr. Bernhard Kahn und Dr. Louis Oungre in der Generalversammlung und in der Ratssitzung der pAmerican Joint Reconstruction Foundation" erstattet haben, geht hervor, dass die „Foundation" in 13 Ländern ihre Tätigkeit ausübt und im ganzen 747 Darlehenskassen betreut. Für die weitere Arbeit in einzelnen Ländern (Lettland, Litauen, Bessarabien, Bukowina, Alt-Rumänien, Siebenbürgen, Tschechoslowakei, Bulgarien und Oesterreich) wurde ein~ Kredit in Höhe von 400 000 Dollar bewilligt.' — In einer Audienz, welche der Polizeipräsident Zörgiebel Vertretern der Ortsgruppe Berlin des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" gewährte, wurde über die Ausschreitungen der Nationalsozialisten verhandelt, die zu einer unmittelbaren Gefahr für das deutsche Judentum auszuwachsen drohen. —: Die Ortsgruppe Berlin des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" hielt Anfang Juli eine gut besuchte Versammlung ab, in der Einspruch gegen die nationalsozialistische Volksverhetzung und die damit verbundenen judenfeindlichen Ausschreitungen erhoben wurde. In einer Resolution wurden „die zuständigen Stellen in Reich, Staat und Gemeinden aufgefordert, gegen die Anstifter dieser Mordhetze und ihre Helfershelfer mit Nachdruck und Schärfe vorzugehen". — Unter dem Vorsitz von Direktor Oscar Wassermann hielt die „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" ihre 11. Jahresversammlung ab. Nach Erstattung des Jahresberichtes durch Professor Dr. Julius Guttmann und des Rechenschaftsberichtes durch den Generalsekretär Dr. Israel Auerbach wurde der Etat für das Jahr 1930 in Höhe von 176 000 Mark genehmigt. Sodann zeichnete Dr. Ernst Simon-Jerusalem in einem Vortrage über „Franz Rosenzweig und das jüdische Bildungsproblem" ein ergreifendes Bild von dem Wirken dieses jüdischen Philosophen, des Anregers der „Akademie für die Wissenschaft des Die QHalifäf bleibt obennur der Preis mufjte es sich gefallen lassen herabgestürzt zu werden. Dafür ist nun mal Saison'Ausverkauf und da heifjt's: heraus mit der guten Ware fast um jeden Preis. Goethestr. 7 Bergersfr. 181 Hasengasse 2 Judentums" und Schöpfer des Frankfurter Jüdischen Lehrhauses. — Nach einem Beschluss des Senates der Technischen Hochschule wurde der nationalsozialistischen Studentengruppe die Benutzung des „Schwarzen Brettes" für ihre Mitteilungen untersagt. — Grossen Erfolg erzielte das hebräische Theater „Habimah" mit der am 15. VTI. vor geladenen Gästen veranstalteten Aufführung des Shakespeare'schen Lustspiels „Was Ihr wollt". Die hebräische Uebersetzung stammt von dem berühmten hebräischen Dichter Saul Tschernichowski. — Die meu gegründete „Arbeitsgemeinschaft ostjüdischer Synagogen" verfolgt den Zweck, die religiöse Tradition der Ostjuden zu erhalten und deren Wünsche gegenüber der Jüdischen Gemeinde zum Ausdruck zu bringen und zu vertreten. — Die im vorigen Jahre gegründete „Walter R a t h e n a u - G e is e 11 s c h a f t" hielt am 28. VI. ihre erste Hauptversammlung ab, in welcher Reichsminister Dr. Wirth über seine Erinnerungen an die gemeinsame Arbeit mit Rathenau sprach. — Zum Andenken an den im Oktober 1929 gestorbenen ersten Vorsteher der Jüdischen Gemeinde Zwickau, Kaufmann Simon Schocken, war eine „Simon Schocken-Familienstiftung" errichtet worden. Die Mittel dieser Stiftung bestimmte nunmehr Herr Salman Schocken zur Grüdung eines „Forschungsinstitutes für Geschichte und Quellenstudium der hebräischen Dichtung" und berief zu dessen wissenschaftlichem Leiter den bisherigen Oberrabiner von Prag, Dr. Heinrich Brody. — In der Sitzung der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde vom 26. VT. wurde die Kultussteuer für das Jahr 1930 wiederum auf 10% der Reichseinkommensteuer festgesetzt. — Für die Anlegung eines Sportplatzes hat der Vorstand der Jüdischen Gemeinde den Betrag von 50 000 Mark vorschussweise bewilligt. — Der bekannte Kunsthistoriker Professor Dr. Oskar Fi®cheI, Verfasser eines ausgezeichneten Werkes über Tizian, wurde am 10. VTI. 60 Jahre alt. Professor Dr. Fischel hat sich besonders durch seine Raffaelstudien einen bedeutenden Namen erworben, — Im Alter von 62 Jahren verschied am 1. VTI. Herr Maurice Glogau, eine der führenden Persönlichkeiten auf dem Gebiete des jüdischen Wohlfahrtswesens. — Im Alter von 54 Jahren verstarb Professor Dr. Carl Lewin, der Leiter der Inneren Abteilung der Poliklinik der Jüdischen Gemeinde. — Am 15. VII. vollendete Rabbiner Dr. J. L ö w y, der Herausgeber des weitverbreiteten Lehrbergerschen Kalenders, sein 70. Lebensjahr. — Im Alter von 68 Jahren verschied in Hollywood der besonders durch seine Darstellung des „Shylock" berühmte Schauspieler und Theaterdirektor Rudolf Schildkraut. — Im Alter von 71 Jahren verstarb in Salzburg Professor Dr. Ludwig Stein, eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Berliner Gesellschaft. Professor Stein, der Verfasser vieler bedeutender philosophischer und soziologischer Werke, war der Herausgeber des „Archivs für die Geschichte der Philosophie", des „Archivs für systematische Philosophie", der „Berner Studien zur Philosophie" und der „Bibliothek der Philosophie"; auch leitete er die politische Zeitschrift „Nord und Süd". Im Alter von 54 Jahren verschied Kammergerichtsrat Dr. Jacques Stern, der sich hauptsächlich durch seine rechtsphilosophischen und rechtsvergleichenden Arbeiten einen bedeutenden Namen erworben und sich auch in den deutsch-jüdischen Organisationen hervorragend betätigt hat. — In der kürzlich stattgefundenen Generalversammlung des „Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums" wurde Rechtsanwalt Dr. Alfred Wiener anstelle von Moritz A. Loeb zum Vorsitzenden gewählt. — Altona. Im Alter von 73 Jahren verschied der hervorragende Talmudgelehrte und langjährige Oberrabbiner von Schleswig-Holstein, Dr. Meier Lerner. — Breslau. Zum Konsul der lettländischen Regierung wurde der Jude Louis Segalowitsch ernannt. — Frankfurt a. M. Die unter dem Vorsitz von Jacob Rosenheim von der Frankfurter Ortsgruppe des Weltvierbandes „Schomre Schabbos" am 29. V. und 29. VT. abgehaltenen Beratungen beschäftigten sich mit der Linderung der wirtschaftlichen Not der sabbattreuen Kaufleute. Als Resultat dieser eingehenden Aussprache wurde die Gründung von Wirtschaftsbeiräten beschlossen, deren Aufgabe es sein soll, denjenigen Juden, welche den Sabbath als traditionellen Ruhetag einhalten, bei der Aufsuchung geeigneter Stellungen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. — Freiburg. Ein von der „Nationalsozialistischen Studentenpartei" gestellter Antrag auf Einführung des Numerus clausus für jüdische Studierende wunde vom „Allgemeinen Studentenausschuss" in seiner Sitzung vom 1. VTI. abgelehnt. — Kothen. Ein Mitglied der Nationalsozialistischen Partei, welches einen Brunnen lediglich aus dem Grunde zerstört hatte, weil er

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