Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 12 (8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 467 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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467 tionen der Erde. Der absolut monotheistische Autor nennt Gott nicht einmal mit dem majestätischen Plural „Elohim" (zum mindesten im dramatischen Hauptteil nicht), gebraucht vielmehr die ungewöhnliche Einzahl „El" oder „Eloha". Den Gestirnen dürfe man nicht danken; das gliche einer Verleugnung Gottes. Das übermenschliche und komosverbundeue Buch kennt weder eine plastische Schilderung der „Merkaba", noch eine Gottessymbölik. Anerkannt jedoch, wie bei den Propheten, wird die Existenz der Engel; aber sie sind dienende geistige Kräfte des Absoluten, Emanationen der höchsten Reinheit. Dem Monotheismus widerspricht nicht die Existenz Satans. Das ist kein Ahriman der alten Parsen und sehr wahrscheinlich nicht nach dessen Bilde geschaffen. Keine Verkörperung des bösen Prinzips (wie im Zendavesta), nicht Gottes Feind, sondern Gottes Diener, wie die anderen Engel auch. Ankläger des himmlischen Gerichts, dem Engel-Verteidiger, entgegengesetzt. In der Hiob- Theosophie hängt Gott keineswegs von den guten oder bösen Handlungen der Menschen ab. In der Zoroasterreligi o n und in der Kabbala ist das anders. Nach der Lehre des Avesta stärkt jede gute Handlung des Menschen den lichten Ahuramazda in seinem Kampf mit dem finsteren Ahriman und nähert die ersehnte Zeit des endgültigen Sieges. Mit jeder bösen Tat verlangsamt der Mensch die Niederlage Ahrimans. Die Kabbala kennt verwandte Grundsätze. Elihu ben Berachel aber spricht zu Hiob: „Wenn du gesündigt hast, was fügst du Ihm zu? . . . Und wenn du gerecht bist, was gibst du Ihm?" ... Dieser biblische Monotheismus geht nicht so sehr auf die Geheimnisse des Seins aus, wie auf das Ethische. Der Gott des Buches Hiob erscheint als moralische Kraft im Schicksal der Menschen und Völker. Das objektive Ethos der Welten ist Quell der subjektiven, menschlichen Moral. Die Existenz des Ethischen in der Allnatur leugnen, Messe das Gottesprinzip leugnen, hiesse Gott lästern. Darum ist Objekt des Haders zwischen Hiob und seinen Freunden die kosmische Gerechtigkeit. Fremd ist dem Autor die Existenz einer ausserirdischen Welt, fremd auch der Gedanke an eine Auferstehung der Toten. Ja, diese Hoffnung, beim Propheten Daniel etwa in hoher Blüte, ward einfach als trügerisch hingestellt: „Der Mensch legt sich hin und steht nicht wieder auf; solange der Himmel bleibt, wird er von seinem Schlaf nicht aufwachen . . " Hinwiederum verschwindet auch die Seele nicht völlig, sondern lebt in irgendeinem zweckfreien „Scheol" oder „Abaddon" unirdisch, ungöttlich, unsinnig fort. Jegliche Rechnung mit dem vielfältigen Erdenleben ist jedenfalls abgeschlossen. „Ehrt man seine Kinder, er weiss es nicht, — erniedrigt man sie, er bemerkt es nicht. Nur an sich krankt sein Leib, nur um sich trauert seine Seele". — Hiob verwirft mit aller Glut seines Herzens die, so Grenzen verschieben und fremde Herden rauben — Diebe, Mörder, Ehebrecher. Er rühmt und verabsolutiert rastlos die Keuschheit und Enthaltsamkeit, Wahrheitsliebe und Verachtung des Gewinns. Und er bereitet — echt jüdisch — eine soziale Umdeutung, Neuordnung vor: „Habe ich das Recht meines Sklaven oder meiner Sklavin gebeugt, wenn sie mit mir stritten? . . . Denn Gott, der im Mutterleib mich geschaffen, schuf auch sie auf gleiche Art." Hiob hat die Waise und Witwe, den Armen und Unglücklichen genährt und gekleidet. Und war er im Recht gegen einen vom Dasein Benachteiligten, hat er auf das verirrte Recht verzichtet. Niemals habe er über das Unglück seiner Feinde gelacht und immer seine fronenden Arbeiter und Bauern bezahlt. — Auf dieses Letztere als keineswegs unausbleiblich und eine seltene Merkwürdigkeit in anderen Kulturkreisen verweisen Raschi und der Ralbag. Kein Buch der Bibel überströmt so von spontanen, urtümlichen Naturbildern. Noch intensiver als im Schöpfungspsalm ist hier die Beobachtungsgabe, nicht minder extensiv und wesentlich die Dichterphilosophie. Der Autor weiss in der Astronomie seines Jahrtausends hellsichtig Bescheid, beschreibt Erdbeben und konstatiert, dass die Erde „im Weltenraum auf nichts hänge". Er berichtet von Tau und Regen, aber auch — und das ist bei einem Südländer der möglicherweise ältesten Antike so erstaunlich — von Schneestürmen und starrendem Eis. Am genauesten kennt er die Wüste, ihre Bewohner und Anwohner. Gott kümmert sich um die Löwenbrut und um die jungen Raben, um die Geburtswehen der Hirschkuh und der Bergziege. Der Strauss ist zwar kein besonders intelligenter Vogel; aber „wenn er in die Luft steigt, lacht er über Ross und Reiter". Die Büffel und Wildesel „wollen dem Menschen nicht dienen und verachten seine reichhaltigen Krippen". Der Autor kennt den Adler und den Habicht, das Behemoth und das Krokodil. Und natürlich den Lewiathan. Nach einer Radierung von William Blake (1825) Das Buch Hiob weist an die achtzig Wörter auf, die man sonst in der Bibel nicht findet. Einige davon haben Analogien im Aramäischen und Arabischen; andere, wiewohl zweifelsohne hebräisch konstruiert, enthalten unbekannte Wurzeln, deren Sinn und Ursprung erraten werden musste. Diese Wörter sind entweder Provinzialismen, die im Hauptbereich der israelitisch-jüdischen Kultur unpopulär waren, oder aber uraltes Gut, das längst nicht mehr gebraucht wurde. Abraham ibn Esra nimmt an, das Buch Hiob sei aus einer fremden Sprache übersetzt. Dagegen spricht das zugleich urwüchsige und kunstreiche Hebräisch. So vorzüglich wurde im Altertum nicht übersetzt. (Im Mittelalter übrigens erst recht nicht.) Es finden sich Parallelstellen mit Psalmisten, Propheten und Spruchdichtern. Wer hat nun entlehnt? — das ist eine Frage von ernster Wichtigkeit, von der die sonst unsichere Datierung des Buches Hiob abhängt. Wahrscheinlicher ist, dass Jeremias oder ein Psalmist der nachbabylonischen Zeit den ,*Hiob" gelesen hat, als das Umgekehrte. Eine absolute Sicherheit gibt es da nicht. In der nachbabylonischen Form hatte die hebräische Sprache vielleicht doch nicht mehr die ungeschmälerte schöpferische Energie, so neuartige Beseligung zu gebären. Der „Hiob" kann als althebräisches Drama gelten. Da ist, wenn man will, eine Exposition, ein treibender, hemmender Konflikt zwischen Hiob und dessen Freunden, eine subtile, zwangsläufige Diskrepanz in der Seele Hiobs, ein unvergleichlicher, harmonisierender Deus ex machina und die bedeutsame Apotheose des Helden. Episch gehaltene Prologe finden sich auch bei Euripides. Der eigentliche Dramenkern enthält viel lyrisches Element, geistige Leidenschaft, Jubelgesang, metaphysisches Gelächter, verzweifeltes Rütteln an ehernen Toren, klare Gliederung der Haiiptabschnitte, seelische Tiefe, Ausbrüche. Der Hiob ist Urtypus eines statischen Dramas. Und im übrigen ein Werk, das nicht landläufig klassifiziert zu werden braucht. *~ Die alten Hebräer, Israeliten und Juden kannten offenbar keine Autoreneitelkeit. Einige biblische Bücher sind nicht nur anonym erschienen, sondern von ihren Verfassern bewusst älteren Autoritäten zugeschrieben worden. Das Buch Hiob ist ganz und gar von jüdischem Moraloptimismus durchdrungen, spiegelt aber keine der bekannten Lebensperioden des israelitischen Volkes. Dieses tief religiöse Werk steht in keinem Zusammenhang mit der äusseren Historie des Judentums. Das Innenleben der jüdischen Geschichte spiegelt das Buch zwingend. y. Aixd wKmtheylifteduythe/rcyes afar off&km.-w hntvnot \ tkey lifted »ip ttair voice Sc wepl.Sc the^ rcntcvcry Man. hi* cnjutle&spnnMcddustupoiitlunrKcads tc.wa.rd5 Keavra . ' ^^^i^r^^^ihr. Kt,tMa ,u«l.; d l'-ivf Sern ihcend oft]« Lord u JU.it i«vt.ä;