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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-08-01 · 12 (8.1930) · p. Seite 466

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
12 (8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 466 (sequence 2)
Language
German
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466 bic bebt ati bafi bucb tob ihn. Und er schildert in gewaltigen Bildern sein unerträgliches Leid. Wenn ihn nur Gott endgültig vernichten wollte! Doch der Dulder glaubt nicht berechtigt zu sein, Hand an sich zu legen. Hiob fleht um den Tod und drückt seine Verwunderung darüber aus, dass der Allmächtige offenbar den Menschen für würdig halte, mit ihm zu rechten. Bildad führt die Gedanken des Elifas in schärferer Form aus. Keinen Tod gebe es ohne Frevel und kein Leiden ohne Sünde. Gott krümmt nicht das Recht. Bildad hat es von den Vätern und aus der Weisheit vergangener Jahrhunderte. Die Glückseligkeit des Skrupellosen sei unsicher wie ein Spinngewebe; früh oder spät erfüllten sich die Lippen der Gerechten mit Jauchzen und Lachen. Hiob erkennt seine völlige Nichtigkeit im Vergleich zu Gottes Grösse. Er glaubt nicht einmal, dass der Allerhalter, der Kreatur schwache Stimme höre. Demnach verkündet Hiob mit prometheischer Kühnheit, dass die Welt der Menschen nicht durch Gesetze der Gerechtigkeit regiert Wierde. „Den Unschuldigen und den Schul digenvernichtetEr gleichmassig." Ja, der Beherrscher des Himmels und der Erde lache des. Unschuldigen. Und keinen Mittler gebe es zwischen Mensch und Gott. So geht der Hader vom Individualschicksal Hiobs aus und stösst ins Allgemeine, ins Zentrum. Die Freunde und Gegensprecher behaupten immer wieder, dass die Moral belohnt würde und das Laster seine Strafe fände. Hiob hingegen verweist auf die alltägliche Erfahrung, dass dem nicht so sei. Die Freunde denken an die Vergeltung nach dem Tode — nicht in einer „anderen Welt", an deren Existenz man in diesem biblischen Buch überhaupt nicht denkt. Sondern eben: der Böse hinterlasse einen schlechten Ruf; vielmehr verlösche sein Gedächtnis im Volke . . . Daraufhin beschreibt Hiob das Wohlergehen jener Leute, die da höhnen: „Wer ist der „Allerhalter", dass wir ihm dienen, und welchen Nutzen hätten wir davon, ihn anzubeten?" Aber wenn der' Gottlose stirbt, „ist ihm die Seholle seiner Landschaft süss". Einmal appelliert Hiob an das Urteil der Nachwelt, an das Gericht der Geschichte. „O, wenn doch meine Worte aufgezeichnet würden, wenn sie in einem Buch aufgeschrieben wären, . dann wüsste ich, dass mein Verteidiger lebt und dass er einmal über meinem Staub erscheint". Bei aller inneren Bewegtheit, bei vielen individuellen Zügen, entfernen sich weder Hiob noch seine Freunde vom Hauptmotiv ihres Streites. Wunderbar ist der Reichtum an Farben uod die Buntheit verlebendigter Situationen aus dem Leben von Gerechten und Ungerechten. Dabei wirken die Reden Hiobs ergreifender und mitreissender — schon durch ihre unumwundene, absolute Aufrichtigkeit. Der Autor sympathisiert gauz und gar mit seinem tragischen Helden. Im Verlauf der letzten Dialogserie wird Hiob nicht mehr von den Freunden unterbrochen. Ein Strom des Gefühls erklingt. Man ist auf einem Höhepunkt, vielleicht auf dem höchsten Gipfel althebräischer Lyrik angelangt. Hiob umreisst seine gewaltige Einsamkeit, spricht vom Hohn und von der Herzensroheit der Menschen, vom Ruhm und von der Ehre, die er in jenen Tagen genöss, da Gott ihn noch behütete. Da seine „Sohlen in Milch badeten und sich aus dem Fels für ihn Bäche Oels ergossen". Hiob erzählt von seiner Tätigkeit als Riditer des Volkes, da er die Armen und Schwachen schützte und dem wüsten Gewalttäter den Raub aus den Zähnen riss. Stärkste Intensität althebräischerPoesie und reinste Atmosphäre altjüdischer jfnmanwaöfn befand büß ntftnamentob X>n (echtber man \*>a0 cmfeltig vn gefreut pn pord)t got vtiö febieö (leb von bc ü\x\*vx% tm \*>aren geborn fiben fün vfi t>ry tödjtem X)n fin befitjung fcie \*>af* fibentufent fcfyauflF pn fcriitufent kemeltier» vn fünft fyun8t i od; odjfen vri iunfftyunbert efylrn xn garuil fi ge fint>0»vnÖman was grol3 wöer allen <xn orten&fcben«bas ifl: hi fce anfiang Ö firnne-rn fin fiin bte gienge pn machten winfil?afft fcureb bie tyifer em yeghltd?er an fim tag tle Aas der dritten deutschen Bibel (1475) (Original im Besitz des Herrn Siegfried Philippsohn) Ethik! Man bekommt eine klare Vorstellung davon, was Hiob für Gut und Böse hält. Das höhere Ethos ist nach Hiobs Meinung nicht bei denen, die reich sind an irdischen Gütern und die Madit über die Menschen haben. Eine neue Gestalt wird nun eingeführt: Eli hu ben BeracheL bisher ein stummer Zeuge des Streites um Gottes Gereditigkeit. Der junge Mensch, spricht lang und ausführlich — durch fünf Kapitel. Er redet etwas anmassend, zornig auf Hiob, der sich für gerechter halte'als Gott, aber auch auf die Freunde — die sich "in Schweigen hüllen, weil sie in der Tat nichts mehr zu sagen hätten. Die ersten Worte des Elihu hören sich ganz besonders kühn an, aber viel Neues über das fatale und die besten Menschen skandalisierende Problem wissen seine Annahmen und Reflexionen nicht zu äussern. Er wiederholt im Grunde die Einwendungen der drei Opponenten, allerdings in noch ausdrucksstärkeren Bildern und glänzenderen Versen. Gern hält er sich bei der Verherrlichung der unbegrenzten Allmacht auf und zieht den psychologischen Schluss, dazu gehöre ebenfalls die absolute Gerechtigkeit. Hiob hält es anscheinend für überflüssig auf die mehr rhetorischen Vorstellungen Elihus zu antworten. Da aber, unter Sturm und Gewitter, erdröhnt Gottes Stimme. Es entfaltet sich vor uns, von Sehaddais Gnaden, eine bunte Mannigfaltigkeit von Naturbildern, eines gewaltiger als das andere. Aber auch diesmal wird keine befriedigende Antwort auf den uranfänglichen Einwurf Hiobs „Warum leidet der Mensch?" erteilt. Gott schildert den Weltenbau und überschüttet dabei Hiob mit Strömen anstürmender Fragen. „Sag, wo warst du, als ich die Erde gründete; wer bestimmte ihre Grenzen? ... Wer verschloss durch Tore das Meer und befahl ihm: bis hierher und nicht weiter!" ... Gott deckt die vernünftige Zweckmässigkeit in allen Bereidien der Tierwelt auf: vom Kolibri bis zum Lewiathan. Die unendliche Liebe der Allnatur zu ihren Kreaturen leuchtet auf und leuchtet klar. Wenn aber Gott myriadenmal allmächtig ist, wenn in Seiner Welt eine strenge, untrügliche Zweckmässigkeit regiert, wenn Gott überdies unendlich liebevoll ist, — wie darf da ein Menschlein an der ewigen Gereditigkeit zweifeln?! Gottes Wort prasselt auf Hiob hernieder. In einer knappen Replik demütigt sidi der bezähmte Held, bekennt aber dennoch, daß dies alles für ihn „wunderbar und unverständlich." sei. Im Epilog offenbart sich der Herr dem Elifas, welcher, nebst den Gefährten, nicht so wahrhaftig gewesen sei, wie Gottes Knecht Hiob. Für 'diese seine Freunde betet Hiob, — und erhält alles zurück: Gesundheit, Reichtum und Ehre. Verwandte und Bekannte, die ihn in den Tagen des Leidens vergessen hatten, kehren jetzt wieder. Von neuem bekommt er sieben Söhne und drei wunderschöne Töchter, und lebt „satt an Tagen" bis ins vierte Geschlecht. Für diesmal ist die Tugend belohnt. Aber der Leser muss dennoch einwenden: Wieviele unschuldige Kinder gehen in Qualen zugrunde! Wieviel unverdientes Leid gibt es auf Erden! . . . Auch Gott beantwortet diese Frage aller Fragen nicht. Der altisraelitische Monotheismus erreicht im Buche Hiob einen Kulminationspunkt, — wie vielleicht nur noch bei den tiefsten und edelsten Propheten. Gott ist allgegenwärtig, allmächtig, allgnädig, der einzige Schöpfer und Erhalter des Universums. Schaddai ist nicht der Nationalgott irgendeiner Völkerschaft: — er regiert alle Na-

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