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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-07-01 · 11 (7.1930) · p. Seite 452

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
11 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 452 (sequence 24)
Language
German
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452 hierauf in den oberen Räumen der Jeschiwa an festlich gedeckter Tafel. Als erster Redner sprach im Namen des Kuratoriums Herr Willy Mainz. Er begrüsste die Anwesenden, insbesondere die Vertreter der verschiedenen Delegationen, sprach über Bedeutung und Ansehen der Jeschiwa, ihr Wirken und ihre Ziele und dankte dem Leiter der Anstalt und dem Dozenten-Kollegium für ihre hingebungsvolle Arbeit, sowie all denen, die durch ihre moralische und finanzielle Förderung die Jeschiwa unterstützen. Herr Rabbiner Dr. Hoff mann hielt die Festrede, in der er unter Zugrundelegung von Midrasch- und Talmudstellen über die Bedeutung und Wichtigkeit der mündlichen Lehre sprach und hervorhob, dass wir nur durch das Eindringen in die Tiefen der Lehre und -die geistige Disziplin des Talmuds unsere -jüdische Volksseele und unser Judentum erhalten können. Er wies nach, wie notwendig es gerade in Deutschland sei, Thora-Lehrstätten zu pflanzen und zu erhalten. In herzlichen Worten gedachte er. des Mannes, dessen Jahrzeit an diesem Tage war, Eli Michael s. A., dessen Name mit der Rabbinischen Lehranstalt dauernd verbunden bleibe. Nachdem Herr Dr. S. B. E s c h w e g e die Grüsse des Vorstandes der Synagoge am Börneplatz überbracht hatte, hielt Herr Jeschiwadozent L. Rackow einen scharfsinnigen talmudischen Vortrag. Im Auftrage der drei Frankfurter Logen .sprach Herr Robert Strauss, Er gedachte des segensreichen Wirkens der Rabbiner Dr. Marcus Horovitz und N. A. Nobel s. A. und wünschte der Jeschiwa weitere j günstige Entfaltung. Von den Bachurim der Jeschiwa sprach Herr stud. jur. Max Nathansen, der sich mit den von nichtjüdischer Seite gegen das talmudische Recht der Scheidung gerichteten Angriffe auseinandersetzte, der Hörer der Oberstufe M. Krynfiss behandelte ein halachisches Thema. Weiterhin sprachen als persönlicher Freund und Vertreter der Gesellschaft für jüdische Volksbildung Herr Professor Dr. M. Werner, für den Talmud Thora-Verein Herr Dr. Josef Frank, Herr B. M e s s e r e r als Vertreter der hebräischen Sprachschule und Herr Oberkantor M. Hes. Nach der Versteigerung des Tischgebetes snrach als Freund und Gönner der Jeschiwa Herr Leopold Kaufmann herzliche Worte des Dankes und richtete an die Anwesenden den Appell, trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage diese so bedeutungsvolle Lehrstätte nach Kräften zu unterstützen und zu fördern. Die schöne Feier war umrahmt von Gesängen, die Herr Oberkantor E. Gt o s s mit bekannter Meisterschaft vortrug. Jüdischer Friedensblind, Ortsgruppe Frankfurt a. M. Im kleinen Saale der Frankfurt-Loge fand am 26. Mai 1950 ein Aussprache-Abend unter Leitung des Vorsitzenden Herrn Dr. Martin Bub er, über das Thema: „Weshalb brauchen wir einen jüdischen Friedensbund?", statt. Der Saal war voll besetzt, und mit grossem Interesse Abteilung I Allgemeine Fürsorge Unterstütrungen, Mietbeihilfen, Krankenhausfürsorge, Erholungsfürsorge Tel. Hansa 26240 Abteilung II Jugendfürsorge Kinderschutz, Pflegestellenwesen, Erholungsfürsorge, Sammelvormundscha ft (Tel. Hansa 26631 Abteilung III Sonderfürsorge Studentenhilfe, Tuberkulfosenfürsorge, Gefangenenfürsorge Tel. Hansa 26140 Abteilung IV Wanderfürsorge Unterkunft und Verpflegung der Durchwanderer, Ausgabe von Fahrkarten, Produktive Arbeitsfürsorge Tel. Hansa 26162 Jüdische Wohlfahrtspflege Langestraße 30 Postseheckkonto 54893 Fernsprecher Hansa 26531 folgte man den von Ernst und Begeisterung getragenen Ausführungen des Referenten, der sich gegen die vermaterialisierende Auffassung wandte, dass Massenäusserungen wie Kriege und Revolutionen nur aus wirtschaftlichen Antrieben entstünden; suggestive Mächte des Geistes seien stets die tiefsten Ursachen. Eine starke Macht auch müsse es sein, die zwischen den Völkern eine wirkliche Einigkeit schaffe, die Gegensätze nicht — wie bei Antikriegspakten — latent weiterschwelen lasse, sondern sie wirklich ausgleiche. Und hier seien die Religionen, jede an ihrer Stelle, jede auf ihre Weise, die Berufenen, in gegenseitigem Einvernehmen das Friedenswerk schaffen zu helfen. Das Judentum mit seinem Messiasglauben und in der Art seines Diesseitsglaubens sei aufs stärkste berufen, einen Beitrag zu diesem Schaffen zu leisten. Dem Referat schloss sich eine lebhafte Auseinandersetzung an, in der aus den verschiedensten jüdischen Lagern Fragen, Zweifel, aber auch wertvolle Arbeitsvorschläge laut wurden. Immer wieder während der Diskussion setzte sich Dr. Martin Buber mit seiner vollen Persönlichkeit für das von ihm erkannte Ziel ein und gestaltete so den Abend zu einem ausser gewöhnlich gehaltreichen. E. F. Jüdischer Turn- und Sportverein Bar-Kochba e. V. Frankfurt a. M. In der diesjährigen Sportsaison hatten unsere Leichtathleten und Handballer neben unseren Fussballern bis jetzt bereits sehr schöne Erfolge zu verzeichnen. So konnte unser Jugendmann Henninger bei dem Himmelfahrtsfest den 100 m-Jugendlauf in der sehr guten Zeit von 11,7 Sekunden gewinnen. Bei den beiden Sportfesten konnte unsere Jugendstaffel beidesmal den zweiten Platz hinter der Eintracht belegen, ebenso bei der Stadtstaffel, obwohl wir zuerst durch einen Sturz stark ins Hintertreffen geraten waren. Unsere Jugend-Handballmannschaft konnte durch einen 5:5 Sieg über die 1. Jugendmannschaft der Eintracht und mit 5:2 über Hakoah-Wiesbaden einen neuen Beweis ihres Könnens erbringen. — Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf unsere wieder gegründete Schülerabteilung hinweisen, die jeden Mittwoch nachmittag von 4—6 Uhr auf dem Ostpark trainiert. Der Beitrag beträgt für Knaben bis 14 Jahre 25 Pfg. pro Monat,. Anmeldungen sind an unser Büro Jüdischer Turn- und Sportverein „Bar-Kodiba" e. V., Frankfurt a. M., Eschersheimer Landstrasse 65, zu richten, ebenso werden Anmeldungen auf dem Sportplatz entgegengenommen. Jüdischer Turnerbund. Eine sehr rege JBeteiligung wies die diesjährige Generalversammlung des Jüdischen Turnerbundes E. V. auf, die am Sonntag, den 25. Mai ds. Jahres in den Räumen des Jüdischen Heimes, Langestr. 55, stattfand. Der Vorstand konnte von einer weiteren beträchtlichen Erhöhung der Mitgliederzahl berichten, wodurch die Einrichtung neuer Kurse und Uebungsstunden notwendig wurde. Besonders vorteilhaft entwickelten sich im abgelaufenen Vereinsjahr die Knaben- und M ä d c h e n-Abteilungen, die alle unter fachmännischer Leitung bester Frankfurter Lehrkräfte stehen. In finanzieller Hinsicht hatte der Verein stark zu kämpfen, konnte aber das Jahr ohne wesentliches Defizit absdiliessen. Der statutenmässig ausscheidende erste Vorsitzende des Vereins, Herr Dr. med. Ernst Freimann, wurde wiedergewählt. Neu in den Vorstand wurde Frl. Hanna Gundersheim gewählt. Kinderhaus der Weiblichen Fürsorge E. V. Auch im verflossenen Jahre hat sich die Notwendigkeit unserer Institution durch die volle Inanspruchnahme unseres Hauses erwiesen. Die Anzahl der Pflegetage war gegenüber dem Vorjahre ungefähr die gleiche; der Gesundheitszustand der Pfleglinge war im allgemeinen recht befriedigend. Infolge der anerkennenswerten Bereitwilligkeit der Verwaltung des Stadions konnten wir die Kinder während der schönen Jahreszeit täglich von früh bis abends im Stadion unter Aufsicht wollen lassen, eine im gesundheitlichen Interesse der Kinder sehr erfreuliche Neuerung. Von dem jüdischen Frauenbund wurde uns für einen unserer Pfleglinge eine Lebensversicherungspolice zur Verfügung gestellt. Auch sonst konnten wir uns im verflossenen Jahr der Unterstützung unserer Freunde erfreuen, sodass wir hierdurch und durch die Beihilfe der Israelitischen Gemeinde unserer Aufgabe gerecht werden konnten. Es ist zwar nicht zu verkennen, dass die Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage sich auch bei uns geltend machte; nichtsdestoweniger hoffen wir auch für die Zukunft durch die Unterstützung weiterer Kreise unsere in jetziger Zeit immer dringender werdenden sozialen Aufgaben in vollem Umfange aufrecht erhalten zu können.

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