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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-07-01 · 11 (7.1930) · p. Seite 448

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
11 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 448 (sequence 20)
Language
German
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auf die Ausführungen Bubers ein; aber sie sprachen sich alle ihre Sorgen und Nöte vom Herzen, und Buber betonte in seinem Sdilusswort, dass er aus -der Diskussion viel gelernt habe. Er wies aber vor allem auf die Gefahr hin, das Leben in die Tretmühle des Berufs und das Glück der Freizeit zu trennen; jeder Mensch müsse an dem Platz, auf den er gestellt sei, sein Bestes tun. Am Abend vereinigte die Aufführung von Stefan Zweigs „Jeremias" alle wieder in dem grossen Saal der Tonhalle. Unter Leitung von Herbert Felsenthal bot der Sprechchor des Jüdischen Jugendvereins Düsseldorf eine für ein Laienspiel besonders gut zu bezeichnende Leistung. Stefan Zweig und der Spielerschar wurden Stürme von Beifall zuteil. Die Abend- und Nachtstunden benutzte ein Teil besonders Eifriger für die verschiedenen Arbeiten der Ausschüsse. Es tagte der Hauptausschuss unter Leitung von Dr. Julius Herzfeld, der Wahlausschuss unter Führung von Dr. Walter Einstein, Stuttgart, die Mandatsprüfungskommission und ein anderer Kreis, der Fragen der sozialen Nothilfe besprach. Der zweite Sitzungstag begann mit der Berichterstattung über die verschiedenen Arbeitsgemeinschaften. Dr. Robert Salomon, Köln, sprach über die Arbeitsgemeinschaft „B e - rufsnot und Berufswah 1", in der Richard Cohn, Halle und Dr. Alfred Philipp, Elberfeld, referiert hatten; dann gab Dr. Gustav Löffler, der anstelle von Ernst Holzer die Arbeitsgemeinschaft „Der junge Mensch im B e - r u f" geleitet hatte, einen ausführlichen Bericht über diese Arbeitsgruppe, in der Max Tschornicki, Mainz und Erich Altmann, Hamborn, die einleitenden Referate gehalten hatten. Einige Forderungen der" Arbeitsgemeinschaften seien hier genannt: Fachschaftliche Gliederung der Jugendbünde, Zusammenarbeit mit nichtjüdischen Wirtschaftsstellen, Hinleiten zu technischen Berufen, Proletarisierung des jüdischen Arbeiters u. a. Hierauf erstattete Dr. Hahn den Geschäftsbericht, in dem er auf die Lage der jüdischen Gemeinden, ihre Förderung der Jugendarbeit durch Schaffung von Jugendheimen, auf Wahlrechtsfragen, Unterstützung durch die Logen, Schaffung eines zentralen jüdischen Arbeitsnachweises, Zusammenarbeit mit anderen jüdischen Jugendbünden, Bekämpfung des Antisemitismus und Unterstützung der Palästinaarbeit, wie auch auf Fragen praktischer Verbandsarbeit einging. In der anschliessenden Debatte brachten bis zum Spätnachmittag nicht weniger als 21 Redner ihre teilweise sehr verschiedenen Ansichten über Verbandsarbeit vor. Julius Wissmann, Stuttgart, erstattete dann den Finanzbericht und legte den Etat für die kommende Geschäftsperiode vor. Ueberhastet musste dann die Reform der Satzungen vorgenommen und verschiedene Anträge zur Abstimmung gebracht werden. Die Neuwahlen brachten unter Leitung von Dr. Benno Walter nach einigen Schwierigkeiten doch noch ein befriedigendes Ergebnis. Es wurden gewählt: Herbert Felsenthal, Düsseldorf, zum 1. Vorsitzenden, Erich Altmann, Hamborn und Erwin Segall, Stettin, zu stellvertretenden Vorsitzenden, Rabb. Dr. Alfred Philipp, Elberfeld, zum Redakteur der Verbandszeitschrift, Alfred Bonnin, Bielefeld, für das Finanzressort, Waldemar Strauss, Berlin, zum Dezernenten für die soziale Nothilfe; auch der Verbandsbeirat wurde neu gewählt. Mit einer Einführungsrede von Herbert Felsenthal und stürmischen Ovationen für den scheidenden Verbandsvorsitzenden Rabbiner Dr. Hahn und den Geschäftsführer, Fritz Schwarzschild, schloss die Tagung. FRANKFURTER BANK Neue Mainzerstr. 69 Benr1854 Telef on-AnschluB: Sammelnummer Hansa 20901. Nachtruf Hansä 24116 Telegramm-Adresse: Frankfurterbank Postsoheok-Konto: 154 Frankfurt a. ■. Hinterlegungsstelle für Mündelvermögen Annahme verzinslicher Gelder - Laufzeit naoh Vereinbarung - Günstige Verzinsung. - Errichtung von Hauskonten mit generellen Zahlungsaufträgen. Spareinlagen gegen Sparbuoh. Eintrag 6o/0 Relonssohuldbuohforderungen auf unseren Namen. Beleihung u. Verwaltung derselben. - Verwahren Verwalten und Beleihen von Wertpapieren. - Vermittlung aller in das Bankfaoh einsohl. Geschäfte zu günstigen Bedingungen. Wöohentliohe Börsen- und Wirtsohaftsberionte. Diskontierung und Einkassierung von Weohseln. Alles in allem: eine Tagung, in der sich Prominente des deutschen Judentums gemeinsam mit oft noch etwas unklaren Köpfen der Jungschar um die Klärung der Not. der jüdischen Jugend bemühten. Ob Jugend der Jugend wirklich helfen konnte, wird die künftige Verbandsarbeit beweisen. H. S, Die jüdisch-liberalen Jugendvereine Am 14. und 15. Juni fand in Dresden das erste ordentliche Jugendtreffen der „Iii" (Jüdisch-liberalen Jugendvereine) statt. In einem Festgottesdienste gedachte Herr Rabbiner Dr. Wolff-Dresden der Tagung und würdigte in seiner Festpredigt die Bedeutung, die der religiöse Liberalismus für die Entwicklung des Judentums hat. Am Sonnabend Nachmittag fand die eigentliche Delegiertentagung statt, die sich fast ausschliesslich mit internen Fragen beschäftigte. -Eine kurze Debatte löste der Beitritt der „Jugendgemeinöchaft der Jüdischen Reformgemeinde zu Berlin" zur „Arge" (Arbeitsgemeinschaft der Iiis) aus, der mit überwältigender Mehrheit beschlossen wurde. Die Wahl des neuen „Arge"-Vorstands hatte folgendes Ergebnis: Dr. Hugo Hoffmann -Frankfurt a. M., Dr. Arthur Lilienthal-Berlin, Max Gundersheim-Frankfurt a. M., Erich Vulkan-Breslau, Heinz Kellermann- Berlin, Franz Meidner-Breslau, Dr. Werner Rosenberg-Berlin, Werner Hochheimer-Frankfurt a. M., Hella Lion-Frankfurt a. M., Alfred HadrarMagdeburg. Am Sonnabend sprach Dr. Arthur Lilienthal- Berlin über „Jugend und Gemeind e". Der Redner forderte aktive Beteiligung der Jugend an der Arbeit für die Gemeinde und an der Gemeinde. Durch die Tätigkeit in den verschiedenen Jugendbünden sei die Jugend besonders geschult und biete eine gewisse Gewähr, dass sachliche Entscheidungen ohne allzugrosse Rücksichten auf Fragen der Parteitaktik getroffen werden können. Allerdings lassen sich Fragen der Weltanschauung nicht verleugnen. Deshalb sei es Pflicht der Iiis, sich auch in ihrer eigenen Weltanschauung zu schulen und zu stählen: Durch Beteiligung der Jugend erhalte die Gemeinde-Arbeit einen neuen Auftriebe An das Referat schloss sich eine lebhafte Debatte, an der sich audi Vertreter , der Deutsch-Jüdischen Jugendgemeinschaft beteiligten. Die Tagung des Sonntag wurde eingeleitet durch die religiöse Weihestunde der „R eform -Jugend" Berlin. Die Ansprache hielt Ilse Wolff-Berlin, die die religiöse Auffassung der liberalen Jugend erläuterte. Ehrfurcht und Heimatliebe seien die Eckpfeiler unserer Grundauffassung, fundiert auf tiefer Religiosität. Den Höhepunkt der Tagung bildete das Referat von Bruno Woyda -Berlin über „Lebensnähe der R e I i g i o n". Der Redner, von der Versammlung stürmisch begrüsst, ging aus von der Aktivisierung der christlichen Religionen, wie sie etwa in der „katholischen Aktion" zum Ausdruck komme. Bei den alten Juden sei die „Lebensnähe der Religion" selbstverständlich gewesen, weil dort sich Staat und Religion gedeckt haben. Die Entwicklung habe hierin vieles geändert. Dem müsse man Rechnung tragen. In diesem Zusammenhang äusserte sich der Redner auch kritisch über gewisse Kreise des heutigen Liberalismus, die unter Toleranz ein allzuwilliges Nachgeben gegenüber den Gesichtspunkten orthodoxer Lebensauffassung verstünden. Woyda erläuterte an Beispielen, wie sogar liberale Rabbiner durch „Interpretationen" Unterschiede der Weltanschauung auszugleichen versuchten, während es doch gerade bei solchen grundsätzlichen Fragen nur eine eindeutige und klare Linie geben dürfe. Gewiss, fuhr Woyda fort, seien unsere Forderungen „Neuland", und dabei könne, wie bei jedem Experiment gelegentlich auch mal ein Missgriff vorkommen. Aber dieses Risiko muss eben in Kauf genommen werden. Die Forderung der „Xebensnähe der Religion" dürfe allerdings nicht zu profanen Zwecken benutzt werden, wie dies beispielsweise in manchen Predigten während der Kriegszeit geschehen sei. In der Gegenwart^ erlebe man, dass ein nationalsozialistischer Minister zu parteipolitischen Zwecken angeblich religiöse Gebete verordne, ohne dass kirchliche Institutionen bis jetzt dagegen vorgegangen seien. In Gegensatz hierzu stellte Redner die deutsche Zentrumspartei, die ganz bewusst die Politik ihrer religiösen Zielsetzung dienstbar zu machen bestrebt sei, ebenso bediene sich ja auch Gandhi der Politik zur Verwirklichung seiner religiösen Auffassungen. Massgebend sei in allen Fällen der Inhalt der Religion, nicht ihre Formen. Es gebe nur eine Wahrheit an sich, und wo ein scheinbarer Unterschied zwischen der sog. „göttlichen Wahrheit" und der sog. „menschlichen Wahrheit" bestehe, da stimme eben etwas nicht, und da müsse die scheinbare Diskrepanz beseitigt werden. So gebe es z. B*. weder bezüglich der Todesstrafe, noch etwa der Friedensfrage, Rassenfrage, Kolonialfrage usw. eine Dif-

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