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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-07-01 · 11 (7.1930) · p. Seite 447

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
11 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 447 (sequence 19)
Language
German
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447 Jugendtagungen. Der neutrale Verband Am 8. und 9. Juni fand in München die achte ordentliche Delegiertentagung des Verbands der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. Der Tagung selbst war eine Freitagabendfeier, zwei Festgottesdienste am Sabbatvormittag und ein geselliges Zusammensein am Abend vorausgegangen. Am Sonntagvormittag wurde dann die eigentliche Tagung in Anwesenheit von 272 Delegierten, 51 Mitgliedern des Vorstands und etwa 600 Gästen im grossen Saal der Tonhalle feierlich eröffnet. Eine stimmungsvolle Einleitung bildete das vom Sprechchor des Jüdischen Jugendvereins Düsseldorf mit Orgelbegleitung gesprochene Kapitel „Im Anfang" der Buber-Rosenzweig'schen Bibelübersetzung. Hierauf begrüsste mit herzlichen Worten der Verbandsvorsitzende, Rabb. Dr. Hahn, Essen, die Delegierten, Vertreter zahlreicher Körperschaften und die Gäste, seiner Freude über das Erscheinen Martin Bubers und Stefan Zweigs noch besonders Ausdruck gebend. Er fand warme Dankesworte für die liebevolle Unterstützung, die die Israelitische Kultusgemeinde München und der Verband der Bayrischen Israelitischen Gemeinden der Tagung geboten hatten. Als lichtunggebende Punkte der Tagung bezeichnete er die Aussprache über Fragen des Wirtschaftskampfes und der Lebensgestaltung des jungen Juden, die in dem Motto der Tagung „Jugendhilft der Jugend" einen Wegweiser sehen solle und in dem Vortrag „Wie kann Gemeinschaft werden" einen Aufklang finden möge. Als zweite wichtige Arbeit der Tagung sehe er die Ueberprüfung der vor zwei Jahren in Dresden gegebenen Satzungen an. Die Tagung begrüssten hierauf Rabbiner Dr. Leo Baerwald für das Rabbinat München und die Bayrische Rabbinerkonferenz, Oberlandesgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer für den Verband Bayrischer Israelitischen Gemeinden und die Israelitische Kultusgemeinde München, "Dr. Benno Walter für'; die Grossloge U. O. B. B., Lehrer R ü 1 f für den Reichsverband der jüdischen Lehrervereine und Dr. S. Kessler für den Bayrischen Landesverband jüdischer Jugend vereine und den Jüdischen Jugend verein München. Zahlreiche Begrüßungsschreiben und -Telegramme waren eingegangen. Begeistert begrüsst nahm dann Martin Buber das Wort zu seinem Referat „W i e kann Gemeinschaft werden?" In seinem gross angelegten Vortrag setzte Buber etwa folgendes auseinander: Das ganze Menschengeschlecht hat die Sehnsucht, Gemeinschaft zu werden; aber es scheint fast, dass die Menschheit immer weniger fähig ist, Gemeinschaft zu werden, wenn man hierunter nicht nur Gemeinschaftsgefühle, sondern lebende und wirkende Gemeinschaft versteht. Durch die Gründung von allen möglichen Scheingemeinschaften glauben die Menschen sich über diese bittere Erfahrung wegtäuschen zu können. Um den Sinn der Gemeinschaft klarzustellen, unterschied Buber dann zwischen Gesellschaft und Gemeinschaft und nannte die Gesellschaft einen Interessenverband, die Gemeinschaft einen Lebensverband. Eine Gemeinschaft kann sich nur aus kleinen Gemeinschaftszentren zusammensetzen. Die Wiedergeburt der Gemeinschaft ist nur möglich durch ihre natürliche Gemeinschaftszelle: die Familie. Es gibt zwar noch diesen Lebensverband, er wird noch gelebt, aber in Wahrheit wird er in sehr vielen, in den allermeisten Familien nicht mehr wahrhaft durchlebt. Nur durch die Wiedergeburt der Familie können wir zur Erneuerung der Gemeinschaft kommen. Kann man Gemeinschaft überhaupt herstellen, machen, wollen? So wenig ein Mensch sich vornehmen kann, Persönlichkeit zu werden, können Menschen wollen, Gemeinschaft zu werden; mit Bestimmtheit wird man dann das Ziel verf ehlen. Gemeinschaft kann mir dann entstehen, wenn Menschen wirklich etwas miteinander zu tun haben, wenn sie um eine wirkliche lebendige Mitte gereiht sind,. Nicht durch die Kreisziehung, sondern durch die Radienziehung entsteht der wahre Kreis der Gemeinschaft. Die zwei typischsten Formen der historischen Gemeinschaften sind die Volksgemeinschaft und die Religionsgemeinschaft. Diese Schicksals- und Glaubensgemeinschaften haben nicht dazu beigetragen, Gemeinschaft zu erneuern, obwohl man durch künstliche Gerüste, Staat und Kirche, versucht hat, dieser Verfremdung abzuhelfen. Ueberreste der Schicksalsgemeinschaft finden wir heute noch in der Gemeinde, von der Glaubensgemeinschaft in der Sekte. Wenn eine Schar von Menschen, gleichviel ob sie aus einer Schicksals¬ oder aus einer Glaubensgemeinschaft hervorgegangen ist, eine gemeinsame Situation gemeinsam erfährt und gemeinsam beantwortet, durch gemeinsame Haltung, wird sie eben dadurch zur Gemeinschaft gefördert. Wird die deutschjüdische Jugend die gemeinsame Situation erkennen? Wird sie die Flammenzeichen zu lesen verstehen? Was ist also zu tun? Ein Rezept hierfür gibt es nicht. Es kommt darauf an, dass man die Ohren und das Herz auftut und sich zur Verfügung stellt, jeder eben da, wo er steht, dass er nicht darauf ausgeht, Gemeinschaft zu erfahren, sondern als gemeinschaftsfähiger Mensch zu anderen Menschen hin, für andere Menschen wirkt. Langanhaltender Beifall dankte dem Redner für seinen Vortrag-, der, wie er selbst sagte, keine schöne Predigt sein sollte. Da Buber sich noch für eine Aussprache zur Verfügung gestellt hatte, musste am Nachmittag eine Programmänderung vorgenommen werden, indem die Arbeitsgemeinschaft über „Lebensgestaltung1' mit der allgemeinen Aussprache über Bubers Referat verbunden wurde. Die Arbeitsgemeinschaft „Beruf und Leben", in den Fragen wie „Schule und Beruf". „Berufsnot und Berufswahl", ..Der junge Mensch im Beruf" behandelt wurden, musste auf den Spätnachmittag vertagt werden. Die Aussprache mit Buber wurde durch zwei kurze Referate eingeleitet. Kurt Meyrowitz, Leipzig, sprach über ..Individuelle Lebensges t a 11 u n g" und Arthur Hermanns, Düsseldorf über „Kollektive L e b e n s g e s t a 11 u n g". In der Diskussion ging ausser Dr. Gustav Löffler kaum einer der 14 Redner SIMON WOLF Auktionator und Taxator Uebernahme von Versteigerungen und Taxationen aller Art unter coul. Bedingungen bei sofortiger Abrechnung Frankfurt a. M., Gaußstr. 16 FERNSPRECHER C A R O L U S 45938 /-- NUR KURZE ZEIT gastiert die berühmte Attraktions-Kappelle O c e cuera im Cafe OREST, Kaiserslr. 52 v___y EINE NEUE CfGARRE OUAUTÄT EINE SPITZENLEISTUNG ^Jiüil FRANKFÜ KT M* G EC R*l$i*9 MAX WIEHLER SP£M * 1 FRANKFURT A. MAIN Werkstatt; Gr. Esohenheimerstra e 36 Wohnung: Böhmer-Strasse 1 Fernsprecher Zeppelin Nummer 539 4 Spenglerei u Installationsgeschäft / Sand täre und hygien. Anlagen / Oas- und Wasser-Leitung etc. Bedachungs-Arbeiten in Kupfer / Zink und Aluminium

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