Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 11 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 446 (sequence 18)
- Language
- German
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446 müsse, aber nidit durch ein Machtwort des Vorstande«. Herr Dr. Geiger hat von unangenehmen Empfindungen bei den Liberalen über Neueinrichtungen auf dem" Friedhof gesprochen. Darüber habe man sich auf konservativer Seite aufgeregt, diese Aufregung wäre sicher unterblieben, wenn Herr Dr. Geiger nicht vergessen hätte, auch auf die nichterfüllte liberale Forderung der Anlegung eines Urnenfriedhofs hinzuweisen. Diese Forderung ist mit Hilfe der Konservativen abgelehnt worden zum finanjriellen Nachteil der Gemeinde. Das habeiu Kreisen der Liberalen ausserordentlidi verstimmt. Herr Dr. Merzbach (lib.) möchte gewisse Ausführungen der Vorredner nicht unwidersprochen lassen: Der Schulrat sei von zwei Rednern angegriffen worden. Diese Angriffe seien eine alte Tradition. Soweit sie nicht weltanschaulich begründet werden, wolle er nicht auf sie eingehen, hinsichtlich der übrigen Vorwürfe habe der Schulrat sie noch weniger verdient. Der Hinweis des Herrn Meyer, niun wisse, wo die Freunde der Schule zu suchen seien, lasse sich nicht mit der Talsache vereinbaren, dass dieselben Freunde sich bei der Bewilligung des Zusdmsses der Abstimmung enthalten. Wer in dem Konflikt zwischen dem Vorstand und dem Schulrat die Schuld trage, gehe aus dem allen Mitgliedern der Gemeindeverwaltung zugestellten Sdiriiiwedisel "hervor, dieser Schriftwechsel wird noch weiter ergänzt werden. Sein genaues Studium werde die Bereditigung des Standpunkts des Schulrats mit aller Klarheit ergeben. Der Sdiu'rat wolle <lie Sdiule nidit anheben. Er sei für eine Sdnile, aufgebaut vom Kindergarten bis zur Universität, deren Treuhänder der Schulrat ist, und 'fie er aufredit erhalten wil). weil er die Ueberzeuguiig hat. das»- mir durdi die Vollständigkeit d;s Sdiulwcrks Wertvolles geleistet werden kann. Wenn man der Sdiule den Oberbau nimmt, so verdorrt sie. Der Sdiulrat hat darauf hingewiesen, dass Realschulen nicht mehr lebensiähig sind, dass es in Hessen-Nassau keine Realsdiulen mehr gibt und dass bei der einzigen Iiier nodi bestehenden Real^diule. der Samson Raphael Hirsdi-Sdiule. die Verhältnisse anders gelagert sind, dass aber auch dort der Aufbau nur aus finanziellen Gründen nidit längsi durchgeführt sei. Audi die vom Vorstand vorgebradite Behauptung, dass in Berlin nodi Realsdiulen bestehen, ist durch. d;e Auskunft der dortigen Sdiuldeputation widerlegt worden. Ein weiterer Gesichtspunkt für den Antrag der Finanzkommission auf Erhöhung des Zuschussbetrages ergibt sich aus der Tatsadie, dass es unmöglidi ist, etwa 50 Obersekundaner nach Hause zu schicken. Herr Dr. Merzbadi verliest im Laufe seiner Ausführungen sowohl Stellen aus den versdiiedenen Zuschriften des Sdiulrats an den Vorstand, als auch aus der Denksdirift des Herrn Direktors Driesen, welche den Willen des Sdiulrats, das Menschenmöglidie zur Erhaltung der Schule zu versudien. dokumentieren. Wenn jedodi durdi Sperrung der Mittel keine Möglichkeit besieht, die Sdiule weiterzuführen, so hält der Sdiulrat als einzige Ersparungsmöglidikeit den Abbau von unten her für gegeben. Mit einer anderen Art des Abbaues kann er sich nach seiner Ueberzeugung nidit einverstanden erklären und will lieber die Sdiule der Gemeinde überlassen, die dann frei über ihr Schicksal bestimmen könne. Audi auf die Einhaltung des Vertrags von 1845 wolle der Sdiulrat unter diesen Umständen verziditen, indem er sidi mit dessen Kündbarkeit einverstanden erklär.. r.iHw a's <k;s kömuder Sdnilrat nicht tun, und es sei also ein Unrecht, ihm wegen seines Verhaltens Vorwürfe zu machen. Herr Dr. Merzbadi begrüsst mit Genugtuung, dass aus den Ausführungen des Vorstandsvertreters wenigstens für das laufende Jahr ein gewisses Entgegenkommen zu entnehmen sei. Wenn dieser an der vom Vorredner gebrauchten Bezeichnung „Machtstandpunkt" Anstoss nehme, so müsse gesagt werden, dass schon darin der Machtstandpunkt des Vorstands sich zeige, dass er es abgelehnt habe, gemeinsam mit der von der Gemeindevertretung eingesetzten Spezialkomniission clk- Aü^c «*ü<'ii!ieit zu beraten. Das war ein Unrecht und vom Standpunkt der Gemeindeverfassung ein unmögliches Verhalten. Es mag sein, dass in der Verfassung eine Lücke klaffe, aber das haben ihre Schöpfer nicht voraussehen können, dass der Vorstand in einer soldien Frage nidit zu einer Verständigung, ja nicht einmal zuv einer Aussprache zu haben sei. Der Sdiulrat habe sidi seit Oktober vorigen Jahres vergebens bemüht, eine Bespredmng mit dem Vorstand zu erlangen, die endlich am 9. April stattgefunden habe. So komme man aber in dieser Sadie nicht weiter. Herr Dr. Merzbadi geht alsdann auf die von mehreren Rednern erwähnte Frage der Verfassungsreform ein, um darauf hinzuweisen, dass die auch bezüglich des Landesverbandes kritisierte „Parlamentspielerei" in dieser Hinsicht falsdi beurteilt werde. Nach der Revolution konnte man sidi mit der Forderung der Einführung des parlamentarisdien Regimes nicht genug tun, das jetzt ungerechtfertigter Weise missachtet werde. Wenn man ernsthaft und auf breiter Basis beraten wolle, bedeute der Parlamentarismus nicht nur kein Hindernis, sondern im Gegenteil weitgehende Sidierung. Unsere Verfassung entspricht der Verfassung derpreussisdien Städte. Die von Freiherr vom Stein eingeführte Städteverfassung hat sich dank der inneren Gesundheit ihres Gedankens in Deutsdiland glücklicherweise so weit durchgesetzt, dass sie überhaupt nidit mehr wegzudenken ist. Das hat alles niii Puilameiitspielerei nicht das allergeringste zu tun. Die Verfassung des Laudesverbands sei allerdings reformbedürftig. Denn ein Rat von 55 Personen beim Landesverband ist sidier zu viel; man kann audi mit 12 Personen auskommen, damit werde sehr viel gespart. Dagegen sollte die Verbandsversammlung nicht in ihre Zahl, derzeit etwa 150 Delegier e. herabgesetzt werden. Diese Verbandsversammlung kostet nur 1% von dessen Gesamtetai. Das wesentlidie bei der Einriditung der Verbandsversammlung beruhe auf der Tatsache, dass die bei den Verbandstagungen zusammenkommenden Vertreter aus den gehörten Reden und Meinungsäusserungen Anregungen empfangen, die sie in ihren eigenen Gemeinden fruchtbringend verwerten, und dadurdi segensreidi wirken können. Es wird bei einer Reduzierung der Verbandstagsmitglieder von 150 auf 65 keine einzige Redeweniger gehalten werden, uud die Kosten werden nur wenig vermindert werden. Uebrigens müsse festgestellt werden, dass der Landesverband leidernur etwa Mk. 525.000.— aus Staatsmitteln, nidit Mk. 600.000.—, wie von anderer Seite gesagt wurde, für leistungsschwache Gemeinden erhält und dass den Rabbinerseminaren je Mk. 40.000.— und Mk. 50.000.— an Zusdiuss gewährt werden. Audi die Frankfurter Gemeinde hätte in diesem Jahr etwas bekommen können, wenn nidit Hindernisse — die idi heute eupheni*li«di als (eelinisdie bezeidtnen will — eingetreten wären. Damit ist die Generaldebatte geschlossen. Ueber die Ergebnisse der Spezialdebatte wurde bereits berichtet. Vor der Hochzeit uns einen Besuch abzustatten ist deshalb für jede Dame so außerordentlich wichtig und anregend, ujeil unsere uielseitige Fluswahl alles zeigt, was die moderne Küche verlangt. Eine solche Besichtigung gibt außerdem eine unzweideutige Rntwort auf die Frage: lüo kaufe ich meine Haus¬ und Küchengeräte wirklich gut und wahrhaft billig? Deshalb zu Porzellan-Bär! 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