Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 11 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 444 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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444 Philanthropin in dem seitherigen Ausmass erhalten werden muss, und sie hofft, dass es gelingen werde, den Vorstand wenigstens für das laufende Jahr zur Zustimmung zu bringen. Einzelheiten werden nodi bei' der Spezialdebaite zu erörtern sein, wobei bestimmte Anträge vorbehalten bleiben. Was die finanzielle Seite des Etats anbetrifft, so wttnsdit Redner die restlose Ausnutzung aller Einnah m'equellen und demgemäss die Erfassung aller Steuerpflichtigen. Eine gewisse Besserung des Etats dürfte bei Befolgung dieser Hinweise zu erreichen sein. Die disponiblen Mittel der Gemeinde sind ziemlich erschöpft, eine Tatsache, auf deren Eintreffen bereits vor Jahren hingewiesen worden ist. Es ist zu bedauern, dass in diesem Punkte und in der Frage der Steuerpolitik der Vorstand seine Meinung durchgesetzt und damit die heutige prekäre Lage mit verursacht hat, Ueberhaupt ist eine Verwaltung der Gemeinde ausschliesslich vom Standpunkt des Fiskalismus zu verwerfen. Eine jüdische Gemeinde ist kein Erwerbsunternehmen, sondern es muss iu erster Linie gefragt werden, welches die unumgänglichen Aufgaben einer Gemeinde sind und danach müssen die erforderlichen Einnahmen bemessen werden. Geschieht das nicht, so erlahmt das Interesse der Mitglieder, soweit sie überhaupt noch Interesse an der Gemeinde zeigen. Etwaige Proteste von Indifferenten habe man nicht ».u fürchten, diese würden sich an der Gemeindearbeit nie beteiligen, weil sie überhaupt kein Interesse dafür hätten. Zum Kapitel „Subvention e*n" muss gesagt werden, dass die Gemeinde sich sowohl religiösen als kulturellen als auch jüdisch-nationalen Aufgaben zu widmen und in Konsequenz dieser Erwägungen auch den Keren Hajessod mindestens in der vorjährigen Höhe zu unterstützen hat, als Beweis ihrer tätigen Sympathie für das Aufbauwerk in Erez Israel. Es ist audi nichts dagegen einzuwenden, dass erhöhte Mittel für Abwehrmassnahmen bereitgestellt werden. Wir sind aber der Meinung, dass es nicht Aufgabe einer einzelnen Organisation oder Partei sein kann, diese Mittel zu verwalten und auszugeben, dass vielmehr diese Verwaltung der Gesamtheit obliege. In diesem Fall sind wir bereit, notfalls noch grössere Mittel zur Verfügung zu stellen. In diesem Zusammenhang geht Redner auf den Artikel des Herrn Dr. Gottschalk in einer der letzten Nummern der Jüdisch-liberalen Zeitung ein, vertritt die Ansicht, dass dieser Artikel — ob bewusst oder unbewusst, sei dahingestellt — eine Schädigung der jüdischen Interessen, insbesondere der Abwehrinteressen bedeute und den Schritt der amerikanischen Judenheit sowohl in der Frage der Bekämpfung des Antisemitismus als auch in der Abwehr der Sdiäehthetze einer Denunziation bedenklich nahebringe. Es bestehe wohl kein Zweifel, dass der Verfasser wissentlidi dem Antisemiten nicht Wasser auf die Mühle liefern wollte, aber die Gefahr liege dodi sehr nahe, dass diese sagen werden, ein Rabbiner hätte die Schäditfrage als für die Mehrheit der deutsdien Juden von verhältnismässig unerheblicher Bedeutung hingestellt. Mindestens hätte Herr Dr. Gottschalk seine Worte besser abwägen und sich bewusst sein müssen, dass, wie man audi in religiöser Beziehung s'.ch zur Schächtfrage stellt, durch die Bekämpfung des Schächten« ein die Gewissensfreiheit verbürgender Verrassungsgrundsatz gröblichst missbraucht wird. Gewissensfreiheit spiele audi eine Rolle in der Einheitsgemeinde. Wie Herr Dr. Geiger davon sprechen konnte, dass durch die Schaffung und Ausgestaltung von Ei n Ii e i t seinrich tu u gen ein Gewissenszwang auf Liberale ausgeübt wird, sei nicht verständlich, da z. B. die auf dem neuen Friedhof geschaffenen Möglichkeiten auch den Kohanim liberaler Riditung zugute kämen. Es wäre zu wünsdien gewesen, dass Herr Dr. Geiger in anderem Sinti von der Einheitsgemeinde gesprochen und darzulegen versudit hätte, ob nidit die Möglichkeit bestehe, gewisse gleichartige in Frankfurt bestehende Einridiiungen und Anstalten zusammenzufassen, deren Aufrediterhaltung nur nodi aus historischen Gründen zu verstehen sei. Mödite man sich allseits audi in diesem Punkte der grossen Verantwortlidikeit der jüdischen Gesamtheit bewusst sein. Herr Dr. Geiger habe auch die Behauptung aufgestellt, der Zionismus führe zur Herabsetzung der religiösen Idee und zur Beeinträchtigung des religiösen Lebens. "Wenn er sich in die in den letzten Jahren erschienenen Schriften liberaler Verfasser vertieft hätte, würde er gesehen haben, dass das Gegenteil der Fall ist, dass -die durch den Zionismus heraufgeführte Renaissance des Judentums gerade in liberalen Kreisen mächtig gewirkt habe und auf dieser Seite geistige und geistliche Führer habe erstehen lassen. Man müsse dafür dem Zionismus dankbar sein, ohne ihn wäre das deutsche Judentum zur Bedeutungslosigkeit herabgesunken, er habe die wesentlichsten Voraussetzungen für eine lebendige Fortexistenz des jüdischen Volkes geschaffen. Man sollte auch nicht sagen, dass der Religionsunterricht deshalb vertieft werden müsste, um der Beeinträchtigung der ethischen Ideen durch den Zionismus entgegenzuwirken. Im Gegenteil müsse eine Vertiefung des Unterrichts nach der Seite des Verständnisses des Zionismus in religiöser und nationaler Hinsicht erstrebt werden. Eine neuerdings eingeführte Verbesserung und Ausgestaltung des Gottesdienstes in den liberalen Synagogen ist gleichfalls die Frudit dieser Renaissance. Es sei kein Zweifel, dass die Bewegung im Judentum, welche man gewöhnlich unter Reform verstehe, völlig zusammengebrochen sei und auch der wirklich religiöse Liberalismus heute wesentlich von der nationalen Idee getragen werde. Für die Verbesserung des religiösen Unterrichtswesens müsse gesorgt werden. Der Religionsunterricht habe nach dem Bericht des Referenten nicht so intensiv erteilt werden können, wie es notwendig ist. Der an den Frankfurter Schulen eingeführte Unterricht reiche infolge der geringen Stundenzahl für die religiöse Unterweisung der Jugend nicht aus, sodass es auch aus diesem Grunde notwendig ist, die Israelitische Religionsschule, welche in dieser Hinsicht die absolut erforderliche, wenn audi nicht allein ausreichende Ergänzung darstellt, ausreichend zu unterstützen. Audi die übrigen Unterrichtsanstalten, wie Talmud Thora-Verein, Ez Chaim, vor allem auch die verdienstvolle Hebräische Sprachschule und audi die Kurse der Jugendvereine bedürften angelegentlichster Unterstützung der .Gemeinde. Eine erfreuliche Tatsache sei zu verzeidinen: Die Zentralisierung und Organisierung der jüdischen Wohlf ah rtspflege. Wenn auch die an diese Neugestaltung der offenen Wohlfahrtspflege geknüplteu Wünsche noch nicht restlos erfüllt seien, so beginne doch die Wirkung sich in der Wohlfahrtsarbeit zu zeigen und es gebühre gerade im Hinblick auf die ständig wachsenden Aufgaben der Wohlfahrtspflege, deren Bewältigung sidi die neue Organisation durdiaus als gcwadisen zeigt, dem Vorsitzenden und allen Mitarbeitern, sowohl den ehrenamtlichen als auch den beruflichen, für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit zum Wohle der wirtsdiaftlidi Sdiwadien besonderer Dank. Redner wünsdit sdiliesslich, dass auf allen Gebieten des Gemeindelebens eine segensreiche Entwicklung Platz greifen möge, damit der von ihm proklamierte Aufgabenkreis möglichst restlos erfüllt werden könne und die Gemeinde als eine lebendige Keimzelle innig verbunden mit der jüdisdien Gesamtheit in aller Welt sich bewähre. Dr. Wolf (Hb.): Gewiss ist dieser Etat ein N o t e t a t, bei dessen Aufstellung in erster Linie die Forderung äusserster Sparsamkeit massgebend sein muss. Es ist nicht verständlich, wenn versucht wird,- von der wirklichen Sachlage abzulenken und die Dinge so hinzustellen, als ob eine andere parteipolitisdie Führung daran etwas andern könne. Die Finanzlage in Berlin ist doch nicht etwa deshalb eine bessere, weil die po'.itisdie Führung eine andere ist, sondern weil die finanziellen Voraussetzungen ungleich bessere sind, als bei uns. Andererseits dürfe aus der Not nicht eine Tugend gemacht und neue Prinzipien eingeführt werden, die den Aufgabenkreis der Gemeinde auf die Dauer künstlich verengen. Als eine der widitigsten Aufgaben hätten die Vorredner mit Recht die Heranziehung der Jugend bezeichnet. Es werde aber gerade in Kreisen der Jugend schwer verstanden werden, wenn man auf der einen Seite den AVillen bekunde, die Sdiule zu erhalten, auf der anderen Seite aber aus parteipolitischen Gründen erkläre, man werde sidi bei der Bewilligung der für ihren Bestand notwendigen Mittel der Stimme enthalten, zumal man ja wisse, dass diese Kanalu. Wasserbau-GesellschaftV Bergersfr. 6 m. b. H. Bergerstr. 6 sorgt für Instandhaltung der Kanal- und Wasserleitungs-Anlagen. Carolus 43537/38 Kohlen Koks Briketts Bockenheimer Landstraße 19 ~efet»Ha/0 ^EffiSSHSsHUBk. m y Kohlenhandelsgeselischafft m. p. H. Spezialität: la Ruhrzechenkoks ff. Zentralheizungen Maingau Sammelnummer 78141'