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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-07-01 · 11 (7.1930) · p. Seite 442

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Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
11 (7.1930)
Date
1930-07-01
Page
Seite 442 (sequence 14)
Language
German
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442 abgelehnten Urnenfriedhof an, was genau genommen dem § 41 der Gemeindeverfassung widerspreche. Die liberale Richtung muss als absolut gleichberechtigte Eichtling neben der orthodoxen Richtung gelten. Solange diös nicht von konservativer Seite anerkannt wird und diese sich nicht in der Tat auf diesen Standpunkt stellt, kann von einer Einheitsgemeinde nicht gesprochen werden. Bezüglich des Etatpostens der Wohlfahrtspflege tritt die liberale Fraktion den Vorschlägen des Vorstands und der Finanzkommission bei. Sie sieht hierin eine bedeutsame und in heutiger Zeit besonders wichtige Aufgabe der Gemeindeverwaltung. Sie bedauert lebhaft, dass es in diesem Jahre bei einer Bewilligung von nur rund RM. 200.000.— sein Bewenden behalten müsse. Aber auch bei Erfüllung dieser Aufgabe müsse man sich angesichts der äusserst gespannten Lage des Etats und weil jede Steuererhöhung vermieden werden müsse, im Rahmen des Möglichen halten. Zum Schluss behandelt Herr Dr. Geiger die Frage der Jugendfürsorge. Es ist nötig, dass die Jugend herangezogen und dazu erzogen wird, an den Arbeiten der Gemeinde teilzunehmen. Das Interesse an der Jugend ist auch im Etat zum Ausdruck gekommen. Dabei hält Redner es nicht für eine Aufgabe der Gemeinde, ausgesprochene Sportrereine zu unterstützen. Es liegt ihm am Harzen, dass die Jugend noch in anderer und stärkerer Weise wie bisher herangezogen wird und auch ihrerseits sich stärker zu der praktischen Gemeindearbeit heranziehen lässt. Es muss sowohl die Pflicht der Aelteren sein, die Jugend heranzuziehen, als die Pflicht der Jugend, diesem Rufe zu folgen, sonst könne es eines Tages geschehen, dass gerade das für die Gemeindearbeit sehr notwendige mittlere Alter fehlt. Redner schliesst mit der Versicherung, dass er sich bemüht hat, in aller Objektivität Fragen aufzuzeigen, in denen die liberale Fraktion gemeinschaftlich mit den anderen Fraktionen an den Aufgaben der Gemeinde mitarbeiten will und auch bisher mitgearbeitet hat. Er wünscht, dass diese gemeinschaftliche Arbeit im Dienste der Gemeinde noch intensiver betrieben werden möge, damit Erspriessliches geleistet werden könne, wobei aber die Ueberzeugung jedes Einzelnen geachtet werden müsse. Herr Felix Meyer spricht in Vertretung der beiden abwesenden Vorsitzenden der konservativen Fraktion und führt etwa folgendes aus: Bei der Mehrzahl der Punkte, die Herr Dr. Geiger in seiner Etatrede behandelt hat, kann die konservative Fraktion sich seinen Ausführungen anschliessen. Nicht zu folgen-vermag'sie seinen Ausführungen hinsichtlich dessen, was er unter Einheitsgemeinde versteht und sie vermag insbesondere nicht einzusehen, warum Herr Dr. Geiger mit einem derartigen Kraft- und Stimmaufwand einen Vorstoss gegen den konservativen Standpunkt gemacht hat, wenn nicht etwa die bevorstehenden Wahlen ihn dazu veranlasst haben. Was der Sinn der Einheitsgemeinde sei, das habe Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann jüngst in einem Vortrag im konservativ-jüdischen Gemeindeverein dargelegt, und Herr Dr. Geiger hätte, wenn er den Vortrag gehört hätte, sich zweifellos mit dessen Inhalt einverstanden erklärt. Für die Konservativen bedeute der Begriff Einheitsgemeinde die Anerkennung ihrer religiösen Bedürfnisse, insbesondere die Sicherung dafür, dass die gemeinschaftlich benutzten Gemeindeeinrichtungen den Vorschriften des Religionsgesetzes entsprechen und zur Durchführung dieser Vorschriften der Aufsicht der dafür verfassungsmässig eingesetzten Ritualkommission unterstehen. Wenn das von den Liberalen nicht anerkannt werde, so sei die Aufrechterhaltung der für die Konservativen notwendigen Institutionen auf das stärkste gefährdet, und es bestelle umsoniehr Anlass, diesen Standpunkt mit aller Deutlichkeit zu wahren, als gerade in der allerjüngsten Zeit in einem Artikel der jüdischliberalen Zeitung der liberale Rabbiner Dr. Gottschalk in Bezug auf die Bestrebungen der Schächtgegner erklärt habe, dass das Schächten keine allgemein jüdische Einrichtung sei und nur von einem geringen Teil der deutschen Juden als religiöse Einrichtung in Anspruch genommen werde. Dass sich Herr Dr. Gottschalk auf diese Weise zum Genossen eines Ministers Frick in Thüringen gemacht habe, sei in diesem Zusammenhang besonders bedauerlich und erstaunlich. Auch der Anlass zu den bezüglichen Ausführungen des Herrn Dr. Geiger sei nicht gerade bedeutend. Die Einrichtung der Kohanimgräber und der Dachtrennung in der Anlage des neuen Friedhofs, welche den Kohanim den Besuch des Friedhofs und die Teilnahme an Beerdigungen ermöglichen sollen, habe mit einer Verfassungsänderung nicht das allergeringste zu tun. Diese Neu-Einrichtungen seien auch nicht im geringsten geeignet, die liberalen Ansdiauungen irgendwie zu beeinträchtigen. Den Ausführungen des Herrn Dr. Geiger in Bezug auf die Stellung (nicht die persönliche) des Syndikus zur Gemeindevertretung, ferner seiner Ansicht über die Frage der Eingemeindungen und über die anlässlich der bevorstehenden Wahlen erforderlichen Massnahmen schliesst sich Herr Meyer an. Soweit Herr Dr. Geiger als Vorkämpfer der Religionsgemeinde für die Vertiefung des Religionsunterrichts gesprochen hat, könne man sich ebenfalls mit seinen Worten vollkommen identifizieren. Daraus ergebe sich aber auch die Folgerung, der seit 50 Jahren bestehenden Israelitischen Religionsschule, die in dieser Beziehung anerkanntermassen Hervorragendes geleistet hat und noch leistet, die zu ihrem Weiterbestand erforderlichen Mittel zu bewilligen und mindestens den im Vorjahre gezahlten Betrag wieder in den Etat einzustellen. Die in Verbindung mit dieser Bewilligung in den letzten Jahren immer wieder erörterte Vergemeindung der Religionsschule sei nach anfänglichem Anlauf ins Stocken geraten. Die konservative Fraktion halte diese Vergemeindung für umso wichtiger und notwendiger, als die Religionsschule am Ende ihrer materiellen Leistungsfähigkeit angelangt ist und genötigt sein würde, ihre Tore zu sdiliessen, wenn die Vergemeindung nicht innerhalb kürzester Zeit zur Tatsache wird, wofür sich die konservative Fraktion mit allen Mitteln einsetzen werde. In Verbindung damit fordert Redner auch eine wirksame und ausreidiende Unterstützung des Vereins „Ez Chaim" als einer von weiten, insbesondere ostjüdischen Kreisen besuditen religiösen Fortbildungsanstalt. K In Bezug" auf die Angelegenheit des Philanthropins spricht Redner seine Befriedigung darüber aus, dass Herr Dr. Geiger seinen Antrag auf Aufrollung der Schule von unten her fallen gelassen hat, weil auch die konservative Fraktion geschlossen den Standpunkt vertritt, dass eine seit 125 Jahren bestehende jüdische Sdmle, besonders nicht im gegenwärtigen Augenblick abgebaut werden soll. Redner ist der Ansicht, dass die Beschlüsse des Vorstands nicht sehr glücklich sind und unbedingt noch eine Aenderung erfahren müssten. Es war insbesondere nicht zweckmässig und logisch, wenn der Vorstand erklärt hat, dass er aus finanziellen Gründen nicht mehr als Mk. 300.000.— geben könne. Verständlich wäre gewesen, wenn er gesagt hätte, die Finanzen gestatten es nicht, mehr als beispielsweise Mk. 100.000.— zu bewilligen. So aber musste die Finanzkommission, welche insbesondere nicht einsehen konnte, dass an die Bewilligung der Mk. 500.000.— noch die Bedingung geknüpft ist, dass die Summe nicht überschritten werden darf, angesichts der zwingenden Notwendigkeiten, die Erhöhung um Mk. 12.000.— auf Mk. 312.000.— beantragen. Wenn also die konservative Fraktion der Meinung ist, dass die Schule in dem seitherigen Umfang erhalten werden muss, so sieht sie sich gleichwohl nicht in der Lage, den Etat des Philanthropins zu bewilligen, und sie wird sich ihrer früheren Gepflogenheit entsprechend der Stimme Sind Sie krank* so lassen Sie sofort den Urin untersuchen in der Gngel'flpotbeke ' FRANKFURT AM MAIN lr. Friedbergerstr. 44 1ce Vilbelergasse h genaue Urinunterig in unserem modern hteten Laboratorium i Arzt die Behand- «htert. nruf wird der zur bestimmte Urin Hansa 22387 Pianos allererste Marken Steinway s* 8 Blüthner Ibach Schiedmayer» Pionoloriefafirik und viele andere. Günstige Teilzahlnngsbed. Katalog kostenfrei. Nold&Sohn Stiftstrasse 39. ■ß^'teühaftet'e IStrümpfe nicht denkbar Original Remberg Riesen-Farben-Auswahl Gold- Silber- Sfahl-Sfempel 2.95 2.75 1.95

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