Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 11 (7.1930)
- Date
- 1930-07-01
- Page
- Seite 440 (sequence 12)
- Language
- German
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440 „reichen Frankfurter Gemeinde" gründlichst ein Ende zu machen. Die Tatsache, dass das gesamte disponible Effektenvermögen der Gemeinde noch etwa Mk. 250.000.— betrage, bedeute eine klägliche Lage für eine Gemeinde mit solchen Aufgaben, wie sie die Frankfurter Gemeinde zu erfüllen hat. Der Umstand, dass die Gemeinde ausser ihren Synagogen und Friedhöfen, die einen realisierbaren Wert nicht darstellen, auch noch Grundstücke besitze, die beleihbar oder verkäuflich, aber im Augenblick gleichfalls schwer zu verwerten sind, könne an dieser Lage nichts ändern. Die Frage des Vermögens hänge zusammen mit der Frage der Besteuerung, über welche später zu reden sein werde. Aber schon jetzt müsse mit aller Entschiedenheit die Forderung grösster Vorsicht in der Finanzgebarung erhoben werden, welche es notwendig mache, für alle Zukunft die äusserste Sparsamkeit walten zu lassen. Der Vorstand habe es verstanden, an allen Kapiteln des Etats weitgehende Abstriche zu machen, denen die Kommission nodi etwas nachgeholfen hat. Sie habe sich im allgemeinen den Vorstandsbeschlüssen angeschlossen und nur bei der Zuschussumme für das Philanthropm eine Erhöhung um Mk 12.000.— beantragt, sodass der Gesamtetat dadurch auf rund Mk. 1.844.000.— gegenüber der vom Vorstand festgesetzten Summe von Mk. 1.830.000.— angewachsen ist. Ueber die Angelegenheit des Philanthropins wird noch später zu sprechen sein. Die Steuerbelastung von gegenwärtig 15% hält Redner angesichts der augenblicklichen wirtschaftlichen Lage und angesichts der ungeheuerlichen Belastung der Gemeindemitglieder für so hoch, dass man damit an der Grenze des Erträglichen angelangt sei. Eine Erhöhung sei für absehbare Zeit ausgeschlossen, und es müsse alles daran gesetzt werden, um den Steuersatz zu senken und auf das Mass dessen herabzusetzen, was man den Steuerzahlern zumuten könne. Wenn die Kommission auf Grund ihrer genauen Berechnung unter Berücksichtigung des auch vom Vorstand in Betracht gezogenen 15% Einkommensrückgangs gegenüber dem Vorjahre eine kleine Erhöhung der Einkommenziffer für möglich gehalten hat, so müsse doch darauf hingewiesen werden, dass nach der Ansicht von Sachverständigen dieser Rückgang wesentlich zu gering angesehen worden ist und dass man mit einem erheblich grösseren Ausfall rechnen müsse. Wenn dies der Fall sein sollte, so ergebe sich, um eine Balancicrnng des Etats zu ermöglichen, die Notwendigkeit der Aenderung. Das bedeute in erster Linie, dass alle Nachl'orderungen, wie sie sich im Laufe der letzten Jahre regelmässig herausgestellt haben, vermieden werden müssen. Es habe sich eine Art Unsitte in dieser Beziehung herausgebildet, indem sehr häufig für Zwecke, die nicht unmitielbai mit den Aufgaben der Gemeinde in Verbindung stehen, Beträge angefordert werden, die für die Folge von den Kreisen aufgebradit werden müssen, denen die betreffenden Einrichtungen zu dienen bestimmt sind. Es ist mit aller Schärfe darauf hinzuweisen, dass es nicht angeht, Institutionen zu gründen, deren finanzielle Lage von vorneherein unsicher ist. um nach kurzer Zeit ihres Bestehens die Gemeinde zu veranlassen, derartige nidit lebensfähige Gründungen notdürftig über Wasser zu halten. Es sei ein völlig unhaltbarer Zustand, mit dem Argument „eine jüdische Gemeinde muss" zu operieren, wenn gegen derartige Zumutungen von irgend einer Seite aufgetreten wird. Die Gemeinde muss garnichts, wenn sie kein Geld hat. Sie kann nicht Anstalten, wie beispielsweise die Hebräisdie Sprachschule, wie den bevölkerungspolitischen Aussdiuss, wie die gemeinnützige Eheanbahnungsstelle subventionieren, wenn sie für Dinge, die erheblich widitiger und notwendiger sind, keine Mittel aufwenden kann. Ueber drei grosse Aufgabenkreise möchte sich Redner von besonderen Gesichtspunkten aus aussprechen: Die Aufwendungen iür kultuelle und rituelle Zwecke erscheinen im allgemeinen recht mässig, auch wenn man aus dem Besoldungsetat die anteiligen Personalunkosten hinzurechnet. Hier wäre manches toehr oder anders zu tun, als es bisher geschehen ist. Insbesondere bleibe bei den gottesdienstlidien Veranstaltungen manches zu wünschen übrig. Während aber hinsichtlich des konservativen Teiles der Ritus feststeht und wesentliche Aenderungen deshalb nidit in Betracht kommen, ist für die liberale Seite nach Ansicht des Redners noch manches verbesserungsbedürftig. Es sind Einrichtungen notwendig, die geeignet sind, das religiöse Leben im liberalen Lager zu heben. In gewissen Schichten besteht eine Lässigkeit, um nicht zu sagen eine Interesselosigkeit, die zu einem grossen Teil durdi die Art der religiösen Einriditungen, insbesondere durch das Ausbleiben jeder fortsdirittlidien Entwicklung im Gottesdienst verschuldet sein dürfte. Dazu kommt die ausserordentlich bedauerliche Tatsache, dass die zionistisch-nationalistische Weltanschauung das Judentum als ein hauptsächlich durch nationale und rassenmässige Bindungen zusammengehörige Gemeinschaft anspricht, wodurdi die religiöse Seite der Zusammengehörigkeit in den Hintergrund trete. Es sei nun sehr häufig zu beobachten, dass aus dem gekennzeichneten Bindungskomplex auch von nicht national-jüdisdier Seite eine Idee herausgegriffen und als eine Art Religionsersatz angesehen werde, mit deren Befolgung man glaube, der Religionsgemeinschaft gegenüber seine Pflicht erfüllt zu haben. Diese Erscheinung sei nicht nur für die Religionsgemeinde — eine Volksgemeinde kenne er nicht und lehne sie von seinem Standpunkt ab — sondern für das Gesamtjudentum höchst bedauerlich.. Der Gedanke, das Judentum sei nicht nur Religions-, sondern auch Stair aes-, Schicksals- und Artgemeinschaft, bedeutet eine Herabsetzung und Verkleinerung des Judentums und seiner ethisch-religiösen Ideen. Indem man diese Ideen und die durch sie bestehende Gemeinschaft auf eine Schicksalsgemeinschait herabsetzt, also der rein ethisch-religiösen Idee noch andere Substanzen zur Seite stellt, führt man unbewusst. aber zwangsläufig von der Religion ins nationaljüdische Lager und gefährdet damit, besonders zu einer Zeit, in der politisch der nationalistische Gedanke im Vordergrund steht, hauptsädilidi die liberal-religiöse Anschauung. Daher muss verlangt werden, dass der Religionsunterricht in den Schulen derart vertieft und erweitert wird, dass er in der Lage ist, diese Bewegung mit ihren irrigen Gedankengängen auszuschalten. Weiterhin muss die Ausgestaltung der mit dem grössten Erlolg eingerichteten Weihestunden in der Westendsynagoge BRUNELL DERbesteSCHUH DES KINDES m SALZHAUS 2 ZEIL 62 HERMANN HENSLER Zeil 62 OPTIK + OPTIK Moderne Kneifer und Brillen in nur bester Ausführung. Sorgfältigste fadimänn. Bedienung. Reparaturen schnell u. billig. Für Ferien u. Reise billige Preise #w%^P% %/ijp%# %n# jp^ip«^ %# Kaufherr Samt und Seide Sfeinweg 4 üAeihiirEM %m die Kupferbedachung der neuen Friedhofgebäude ausgeführt von MET All WERKE KM©DT A.©. [F^AMKFTOIT AM MAM Älteste und größte Spezialfabrik für Metallbedachung jeglicher Art, wie Kupfer, Tecuta, Aluminium, Zink