Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 10 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 397 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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397 Das ergibt sidi nicht nur aus der nachfolgenden Statistik, sondern auch, aus der anderen Stellung des Mädchens, das trotz Emanzipation auch heute noch mehr an die Fariiilie gebunden ist als der Sohn. Wir sind damit bei dem Kapitel der Mischehe angelangt; sie ist wohl die grosste Feindin der deutsehen Juden, denn sie zehrt von Jahr zu Jahr mehr an deren Mark. Hier können für ganz Deutschland Ziffern gegeben werden, weil seit 1901 für das Reich die Ziffern veröffentlicht werden: Die Ehen und Mischehen der Juden in Deutschland. Im Jahres¬ Esjheidavon Mehr Mischehen eineen"ein durchrateten Männer als schnitt Juden Männer Frauen Frauen Männer Frauen 1901/05 8540 4299 4241 58 381= 8.8% 323= 7.6% 1906/10 8857 4473 4384 89;513=11.3o/o 427= 9.6% 1911/15 [7159 3690 3469 221 1692=18.9% 473=13.6o/o 1916/20. 8728 4507 4221 286 j775=17.2% 590=14.2% 1921/25 10495 5487 5008 479 1129=20.6°/o 650=13.0% 1926 6747 3471 3276 195 815=23.2% 600=18.4% 1927 .6903 3758 3145 613 969=24.6o/0 536=16.1o/0 AuftOOO reinjüd. Ehen entfielen Mischehen 18 24 36 34 41 53 54 : Bevor man aus dieser Tabelle Schlüsse zieht, müssen die in ihr enthaltenen Fehlerquellen blossgelegt werden. Einerseits erscheinen hier unter den reinjüdischen Ehen zahlreiche Verbindungen, die in Wahrheit Mischehen sind, wenigstens vom Standpunkte des Blutes. Wenn beispielsweise eine Nichtjüdin vor ihrer Verheiratung mit einem Juden dessen Religion annimmt, so wird das in den Augen mancher als Mischehe gelten, trotz der anders verfahrenden Statistik. Wenn ferner ein Jude vor seiner Ehe mit einer Nichtjüdin seine alte Gemeinschaft verlässt, bucht der Standesbeamte dies als reinchristliche Ehe. Andrerseits kennt man Fälle, in denen ein früher aus dem Judentum Ausgetretener oder etwa ein in der Jugend auf Veranlassung seiner Eltern Getaufter ein Jüdin heiratet, ohne dass einer der beiden Eheschliessenden einen Glaubenswechsel vollzieht. Diese statistische Mischehe ist, blutmässig betrachtet, eine reinjüdische Ehe. Wenn nun diese Fehlerquellen, die man in Kauf nehmen muss, bei der Benutzung dieser Statistik zu einiger Vorsicht mahnen, so darf man doch aus ihr allerhand ableiten. Die Mischehe scheint unaufhörlich zu wachsen; sie hat mit der zunehmenden Lockerung der typisch jüdischen Gebundenheit, mit der stets wachsenden Anhäufung in den Grosstädten längst aufgehört, eine seltene Ausnahme zu sein. Während zu Anfang des Jahrhunderts von zwölf Juden einer eine Mischehe einging, trifft das 192? bereits für den vierten zu. Neuere Ziffern für das Gesamtreich liegen noch nicht vor, dagegen bringt Hanauer für Frankfurt bereits die Angaben von 1928 und 1929 und die zeigen eine frappierende, weitere Steigung; während nämlich in Frankfurt 1927 auf 100 reinjüdische Ehen 35,6 Mischehen entfielen, waren es 1928 43,4%; das ist umso bemerkenswerter, als Frankfurt erheblich unter dem Durchschnitt der anderen Grosstädte in Bezug auf Mischehen steht. Die Wirkungen der Mischehen sind nun für die Erhaltung des Judentums katastrophal, gleichgültig, ob man sie vom konfessionellen oder vom Rassestandpunkt betrachtet. Die Kinder aus Mischehen pflegen nur zu einem runden Viertel beim Judentum zu bleiben. Und dieses Viertel ist jämmerlich gering, denn die jüdisch-christlichen Mischehen sind — aus soziologischen und nicht etwa aus biologischen Gründen — von einer an Sterilität grenzenden Kinderarmut. Während nämlich 1927 auf eine rein-jüdische Ehe in Preussen 1,5 Kinder entfielen, was ja auch herzlich wenig ist und in keiner Weise zur Arterhaltung genügt, dürften es bei den Mischehen gleichzeitig 0,5 gewesen sein! So besehen, sind für die Forterhaltung der Juden die in Mischehe lebenden Juden kaum von grösserer Bedeutung als die Junggesellen. Sie haben mit diesen gemeinsam, dass sie, wie oben ausgeführt, zahlreiche Jüdinnen zur Mischehe oder Ehelosigkeit treiben. Man beachte unter diesem Gesichtspunkt unsere Tabelle; die zeigt, wie jährlich hundert Männer mehr als Frauen Mischehen eingehen. Welche Folgen das für das Schicksal der deutschen Juden bat, lehrt uns ein IT. Blick in die Zukunft. Wer die Frage aufstellt: Wird in Deutschland die Zahl der Juden zu- oder abnehmen? —, dem muss ein vorsichtiger Statistiker antworten „Ich weiss es nicht." Denn dies hängt von der künftigen Wanderbewegung ab, und die kann niemand klar voraussagen. Würde man aber gefragt: Wie ist die nächste Zukunft der deutschen Juden — d. h. also: wird die Nachkommenschaft der heute in Deutschland lebenden Juden zu- oder abnehmen? — so scheint die Antwort leicht, wenn auch für viele äusserst schmerzlich. Und sie wird lauten: Da die'Zahl der in das heiratsfähige Alter Tretenden in den nächsten Jahrzehnten BRUN ELL DERbesteSCHUH DES KINDES mm SALZHAUS 2 ZEIL 62 §Wfimit>Hwnipje, WIIWI Bf: it §i<fi & ÖqaKkqa&\mCj Größtes Spezialgeschäft in Eisschränken Eismaschinen für Haushailungen Metzgereien, Molkerelen, Konditoreien, Wirtscharts- und Restaurations-Betriebe. Annahme von Eis-Abonnenten Verkauf auch auf Teilzahlung. Frankf Eisbeschaffungs-Ges. Biebergasse 8 Telephon Hansa 26290 Ihr Heim braucht 116116 TAPETEN! Preiswerte moderne TAPETEN m. passenden DEKORATIONSSTOFFEN LINOLEUM Wir schicken unsere Musterkarte unverbind!, ins] Haus A. GUTHEIM Rofjmarkt 25 Tel. Hansa 25141 bekannte 20PPg. %gaim^o -tß— Ociginaligteri mifSZ $abxdh-ft WILHBENDERJ! 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