Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 10 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 395 (sequence 7)
- Language
- German
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\ 395 Betraditen wir nunmehr die Sterbefälle. An Sterbefällen von Juden verzeichnet das statistische Amt für 1929 insgesamt 451, davon nach auswärts gehörig 43, von hiesigen 408. Die Gemeinde verzeichnete 403 Todesfälle, woraus sich ergibt, dass sich diese Zahl auf nur in Frankfurt a. M. ansässige Juden beschränkt. Es sind demnach im Jahre 1929 in Frankfurt am Main 317 Juden geboren, dagegen 451 gestorben; es ergibt sich somit ein Sterbefaliüberschuss von 15 4, die Bevölkerungsbilanz ist demnach stark passiv. Dieses Ergebnis ist nicht überraschend, da infolge der schon jahrelang bestehenden und immer stärker werdenden Geburtenabnahme schliesslich eine Ueberalterung der jüdischen Bevölkerung eintreten musste mit vielen alten Leuten, die natürlich einmal sterben müssen. Sie ist die Folge der abnormen Altersgliederung der jüdischen Bevölkerung, die sich äussert in einer geringen Besetzung der jugendlichen Altersklassen, dagegen in einer starken der mittleren und höheren Altersklassen. Auch bei der allgemeinen Bevölkerung ist die Altersgliederung z. Zt. ein abnorme; aber die jüdische Bevölkerung fungiert hier wieder einmal als Wegebereiter und „Bahnbrecher". Diese Tendenz wird sich in den kommenden Zeiten mit Sicherheit noch mehr verschärfen. Dass von den Sterbefällen meist ältere Leute betroffen werden, ergibt sich aus der Altersgliederung der Todesfälle. Von den 403 Todesfällen betreffen nicht weniger als 325 Personen, die über 50 Jahre alt waren, also rund 80% aller Gestorbenen. Bei der Gesamtbevölkerung waren 1928 dagegen nur 61% über 50 Jahre. Bei einer vom statistischen Amt ermittelten mittleren Bevölkerungsziffer von 30300 Juden für 1929 ergibt sich eine Geburtenziffer von 10,4 dagegen von 12,4 bei der Gesamtbevölkerung, eine Sterblichkeitsziffer von 14,8 gegenüber 11,4 bei der Gesamtbevölkerung. Die Sterblichkeit der Juden war demnach in Frankfurt a. M. im letzten Jahre um 25% höher wie die der Gesamtbevölkerung, die Geburtenziffer um 20% niedriger; während die Frankfurter Juden einen inneren Verlust aufweisen, war bei der Gesamtbevölkerung immer noch ein bescheidener Geburtenüberschuss zu verzeichnen. Sehr niedrig ist die Ziffer der unehelichen Geburten: 4,3 gegen 15,9 der Gesamtbevölkerung. Ausserordentlich niedrig war auch im Jahre 1929 die Säuglingssterblichkeit bei den Juden: von 317 Geborenen starben nur 6 Kinder im ersten Lebensjahr 1,9% der Geborenen; während die Säuglingssterblichkeit der Gesamtbevölkerung 6,3% betrug. Auffallend gering ist nach der Gemeindestatistik auch die Zahl der Selbstmorde, sie betrug nur 5 im Jahre 1929, wenn man erwägt, dass die Selbstmordziffer bei den Juden infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in den letzten Jahren ständig zugenommen hat und die der nichtjüdischen Bevölkerung übertrifft. So wurde z. B. in Breslau im letzten Jahre die Selbstmordziffer bei der jüdischen Bevölkerung doppelt so hoch gefunden wie bei der christlichen. In Frankfurt a. M. endeten, wenn die Zahl 5 zutrifft, bei den Juden 1,1 % derVerstorbenen durch Selbstmord, bei der Gesamtbevölkerung war dieZiffer 3,4, war also 3 mal so hoch. Dieses Verhältnis ist umso auffallender als bei der jüdischen Bevölkerung die Zahl der Erwachsenen relativ viel höher ist als bei der Gesamtbevölkerung. Man kann daher sehr im Zweifel sein, ob mit der angegebenen Ziffer von 5 die Zahl der jüdischen Selbstmörder vollständig erfasst ist, wird doch gerade bei den Juden der Selbstmord vielfach verheimlicht, auch öfters ein auswärtiger Ort zur Ausführung aufgesucht. Ehen wurden im Jahre 1929 nach Angabe des statistischen Amtes 188 geschlossen zwischen Juden und Jüdinnen, 82 zwischen Juden und Christen, bei letzteren waren 57 jüdische Männer und 25 jüdische Frauen beteiligt. In 47 Fällen war der nichtjüdische Partner protestantisch, in 24 Fällen katholisch und in 11 Fällen Dissident. Die Zahl der geschlossenen Mischehen im Jahre 1929 ist sehr hoch. Entfiel doch beinahe auf jede zweite rein jüdische Ehe eine Mischehe. Die Heiratsziffer bei den Frankfurter Juden war auch 1929 erheblich niedriger wie bei der Gesamtbevölkerung, sie betrug — wenn man die Hälfte der Mischehen den Juden zuzählt — 7,5 auf 1000 der jüdischen Bevölkerung, während die Ziffer der Gesamtbevölkerung 10,7 betrug. Die Statistik der Gemeinde weist für 1929 nur 241 Eheschliessungen auf, reine und Mischehen zusammengerechnet, während nach Angabe des statistischen Amtes 269 Ehen geschlossen wurden, bei welchen Juden beteiligt waren. Die Statistik der Gemeinde betrachtet die Eheschliessung in erster Linie von dem Gesichtspunkt der religiösen Trauung, und, wie weit dabei die Gemeinde beteiligt war. Bei den 116 Ehen, die ohne Mitwirkung der Gemeinde geschlossen wurden, handelte es sich um solche von Mitgliedern der Religionsgesellschaft oder um Vornahme der Trauung durch einen auswärtigen Rabbiner, endlich um solche rein jüdische Ehen, bei welchen auf die religiöse Trauung verzichtet wurde, endlich sind in dieser Rubrik noch 43 Mischehen enthalten, die zur Kenntnis der Gemeinde kamen, während deren Zahl tatsächlich 88 betrug. Zum Vergleich der Ergebnisse des Jahres 1929 mit den beiden Vorjahren sei folgende Tabelle aufgestellt: Ktoij=wero^ Kakao Schokolade I Pralinen. Pension ROSte 7pi1 AAl. Unter Aufs der ^* Ritualkomm, der Isrl. Gemeinde, Frankfurt a. M. " ""Straßenbahnhaltestelle der Linie 3, 6 und 15 Vornehmstes Lokal am hiesigen Platze Menü von Hark 1.30 an. Uebern. v. Festlichkeiten u. Hochzeiten etc. Neuheit! Neuheit! •f SENKING 1930" Ohne Vorkenntnisse, ohne Fett idealstes Braten und Grillen! Höchste Ersparniss an Fett und Gas! KOCHBUCH GRATIS. E. HAGE & Co. 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