Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 10 (6.1930)
- Date
- 1930-06-01
- Page
- Seite 394 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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394 Syrien zu finden ist, und dass hier zum erstenmal die Mandel in Kultur genommen wurde: Raschi hat „Lus" für „coudrier" gleich Haselnuss-Strauch gehalten. Es ist mir nicht klar geworden, warum er das tut. Ein interessanter Irrtum ist ihm aber mit „Arnum" passiert. Er glaubt, dass dies Kastanie bedeute. Es könnte hier die echte Kastanie gemeint sein, von der die essbaren Früchte stammen (Castanea vesca) und auch die Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), unser bekannter Alleebaum. Beide Bäume aber kommen in dem Gebiet, von dem die Bibel an dieser Stelle spricht, auch heute noch nicht vor, .sodass also diese. Deutung, abgesehen von ihrer ethymologischen Unzuverlässigkeit (nach Low), auch vom botanischen Standpunkt aus unhaltbar ist. Jetzt bleibt vom ersten Buch Mos. nur noch eine Stelle zu Besprechen übrig: Kap. 45, Vers Ii. Von den Geschenken, die Jisrael dem Joseph nach Aegypten schickt, sind uns vier (Zeri, Nechot, Lot, Schkedim) schon bekannt. Was aber sind die hier mit aufgezählten „Botnim"? Raschi schreibt, dass er nicht genau weiss, was das ist, doch hat er im Wörterbuch des Rabbi Machir gesehen, es seien Pistazien. Er selbst scheint Pistazien nicht gekannt zu haben und fügt seinerseits hinzu: „Es scheint mir, es sind „Apraskin", Pfirsische. Diese sind aber mit „Botnim" sicher nicht gemeint. Es kommen in Frage, wie Rabbi Machir richtig gesagt hat die Pistazien, die Früchte von Pistacia vera, oder die Früchte von Pistacia Terebinthus, der uns schon bekannten Terebinthe. Hier ist die botanische Tatsache entscheidend, dass es in Palästina bis auf den heutigen Tag keine Pistazienbäume gibt, wohl aber zahlreiche Terebinthen, wie wir schon sahen. Wenn wir ausserdem wissen, dass die Griechen die Früchte der Terebinthe wegen ihres angenehm bitterlichen Geschmacks heute noch als „Kokonetza" essen, können wir die Deutung von „Botnim" als Früchte der Terebinthe als richtig hinnehmen. i) Bei den Deutungen der hebräischen Worte verlasse ich mich auf die grundlegende, so zuverlässige Arbeit von Low: „Die Flora der luden". — Die Pllanzen sind nach der Natur gezeichnet von J. 1. Statistik und ihre Lehren. Die Frankfurter Israelitische Gemeinde hat als erste und vorläufig einzige deutsche Grossgemeinde durch die 1929 vom Gemeindeblatt begonnene Veröjfentlidiung monatlicher statistischer Uebersiditen über die jüdische Bevölkerungsbewegung den Versuch unternommen, exakte unterlagen für eine Gemeindestatistik und gleidizeitig für bevölkerungspolitische Studien zu schaffen. Der Aufbau dieser Statistik, wie übrigens auch der amtlichen Konfessionsstatistik, birgt eine ganze Reilie von Fehlerquellen in sidi, die erst allmählidi einzuschränken, aber mohl nie ganz zu beseitigen sein werden. Trotzdem bieten schon die Ergebnisse des ersten Jahres Material zu ausserordentlich interessanten Feststellungen, wie z. B. dass der ziffernmässige Umfang der Frankfurter Judenschaft, die sidi i!<jn, 19. Jahrhundert ungefähr verz ehn f a cht hatte und dann stationär wurde, heute von einer deutlichen Tendenz zur Verminderung bedroht ist. Um eine Untersudiung dieser statistisdien Tatsachen und der aus ihnen zu ziehenden Folgerungen haben wir zwei hervorragende Statistiker aus dem Kreis unserer Gemeinde, gebeten. Die Sdiriftleitung. Die Bevölkerungsbewegung der Frankfurter Juden 1929 Von Prof. Dr. Wilhelm Hanauer. Die in dieser Ausgabe des Gemeindeblatts veröffentlichte statistische Uebersicht über die Bevölkerungsbewegung der Frankfurter jüdischen Gemeinde für das Jahr 1929 gibt zu einigen Betrachtungen und Bemerkungen Veranlassung. Die toten Zahlen der Statistik erhalten erst Leben durch den örtlichen und zeitlichen Vergleich. Der örtliche Vergleich gibt uns Kenntnis, wieweit die Bevölkerungsbewegung der Frankfurter Juden mit der der Gesamtbevölkerung übereinstimmt oder von ihr abweicht, ferner wie die einschlägigen Verhältnisse bei 'unseren Glaubensgenossen ausserhalb Frankfurts a. M., vor allem in den jüdischen Grossgemeinden, gelagert sind. Der zeitliche Vergleich unterrichtet darüber, wie sich die Verhältnisse gegen früher geändert haben, ob sie günstiger oder ungünstiger geworden sind. Um diese Vergleiche zu ermöglichen, müssen aus den absoluten Zahlen Relativziffern berechnet werden. Die zum Vergleich notwendigen Ziffern der Gesamtbevölkerung der Stadt Frankfurt am Main für das Jahr 1929 sind bisher noch nicht im Druck erschienen, sie sind uns aber in dankenswerter Weise vom Städtischen Statistischen Amt zur Verfügung gestellt worden. Von einem Vergleich mit anderen Grossgemeinden muss z. Zt. abgesehen werden, da die Ergebnisse von 1929 noch nicht veröffentlicht sind. Für den zeitlichen Vergleich beschränken wir uns darauf, die Vorjahre 1927 und 1928 in unsere Betrachtung einzuziehen. Was zunächst am meisten in der statistischen Uebersicht interessiert, ist die Bevölkerungsbilanz, das heisst das Verhältnis der Zahl der Geborenen zu der Zahl der Verstorbenen. In den Ausweisen des statistischen Amtes werden im Jahre 1929 in Frankfurt a. M. als Lebendgeborene ausgewiesen: aus rein jüdischen Ehen 158 Knaben und 144 Mädchen, zusammen 282, totgeborene 8, aus christl.-jüd. Mischehen 42 Lebendgeborene und 1 totgeborenes, ferner als unehelich geboren von jüd. Müttern 14 Kinder. Die Geburtenziffern der Gemeinde sind niedriger als die des statistischen Amtes, sie verzeichnen nur 226 Lebendgeborene, 3 Totgeburten, 31 Geburten aus Mischehen und 6 uneheliche Geburten. Die Differenz ist zweifellos darauf zurückzuführen, dass die Zahlen der Gemeinde sich nur auf die Geburten der ortsansässigen jüdischen Bevölkerung beziehen, und die Geburten von auswärts wohnenden Juden, die in Frankfurter Entbindungsanstalten und Krankenhäusern stattfanden nicht mitgezählt wurden. Gehörten doch allein unter den 120 Geburten, die 1929 im Krankenhaus der Israelitischen Gemeinde stattfanden, 15 nach auswärts. Es sind ferner in der Gemeindestatistik nicht berücksichtigt" die jüdischen Geburten, die in den eingemeindeten Vororten stattfinden, die nicht zur Gemeinde gehören z. B. Rödelheim, Heddernheim, Höchst usw. Da aber bei der Berechnung der allgemeinen Geburten-, Sterblichkeits- und Heiratsziffern stets auch die auswärts wohnenden Geborenen, Gestorbenen und Heiratenden mitgezählt werden, so müssen wir — um einen Vergleich zu ermöglichen — auch bei unseren Berechnungen die in Frankfurt stattfindenden Geburten auswärtiger Juden miteinrechnen, obwohl sie zum Zuwachs der Frankfurter jüdischen Gemeinde naturgemäss nichts beitragen. In die Berechnung der jüdischen Geburtenziffer kommt ein gewisser Unsicherheitsfaktor auch durch die aus Mischehen stammenden Geburten. Man weiss niemals mit Bestimmtheit, wieweit die aus jüdisch-christlichen Mischehen stammenden Kinder einen reellen Zuwachs zur jüdischen Glaubensgemeinschaft bedeuten. Für die Berechnung der jüdischen Fruchtbarkeit zählt man gewohnheitsgemäss die Hälfte der aus Mischehen stammenden Kinder den aus rein jüdischen Ehen stammenden Geburten zu. Die absolute Zahl der jüdischen Geburten in Frankfurt a. M. würde demnach 1.929 betragen aus rein jüdischen Ehen 282 aus Mischehen 21 uneheliche 14 zusammen 31? SEETOWEK EINE NEUE ö/f&CI<5ARRE OUAUT^NESP^E^Ä M« H O L X FRANKFURT M«6 E€R*ie<tO P RO G R\€SS beliebteste Staubsauge? fast geräusoSloser Gang /höchsh^^^Saug/cmf^i „ a»f mtveik* '••«•»yvnf Mauz & Pfeiffer, Stuttgart-Botnang Zu haben in allen einschlägigen Geschäften