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Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main · 1930-06-01 · 10 (6.1930) · p. Seite 392

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
Volume
8 (1929-1930)
Issue
10 (6.1930)
Date
1930-06-01
Page
Seite 392 (sequence 4)
Language
German
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Rinde abgelöst wird und in tropfenförmigen Stücken in den Handel kommt. An dieser Bibelstelle wird das Bdellium neben Gold und einem Edelstein genannt, um das Land Chawila näher zu charakterisieren. Die alten Aegypter hatten wohl den grössten Bedarf an derartigen Harzen. Sie verwendeten sie als Räuchermittel bei ihren Gottesdiensten, als Heilmittel in der Medizin und zum Einbalsamieren ihrer Toten. Da aber die Bäume, -die diese Harze liefern, zum grossen Teil in Arabien beheimatet sind (Arabia felis!), entwickelte sidi ein grossartiger Handel. Die Handelsstrassen führten über Palästina, Ein wichtiger Beleg dafür ist die Stelle 1. B. M., Kap. 57, Vers 25. Joseph liegt in der Grube. Da kommen Ismachiter von Gilead und auf ihren Kamelen führten sie: „Nechot, Zeri und Lot". Es war eine nach Aegypten ziehende Handelskarawane. Was aber bedeuten diese drei Namen? „Nechot" ist T r a g a n t h. Dieser Traganth ist in der Heilkunde des Altertums von grosser Wichtigkeit gewesen. Audi heute verwendet man ihn noch manchmal (zu Klistieren) und in der Technik zur Appretur von Seidenwaren. Botanisch ist dieser Traganth hochinteressant. Er wird von Astragalus-Arten gewonnen, die in Vorderasien zu Hause sind. Zeichnung 1 stellt einen der hauptsächlichsten Traganthlieferanten dar. Es sind Sträucher mit gefiederten Blättern, bei denen die Blattspitze in einen Dorn ausläuft, der die Blätter vor dem Gefressenwerden durch Tiere schützt Und das ist notwendig, da die Sträucher in sehr trockenen Gegenden wachsen, wo es Weidewiesen für das Vieh nicht gibt. Diese Traganthsträueher nun haben im Inneren der. Zweige Markzellen, deren Wände besonders in der Regenzeit verquellen, * sodass sich dann im Inneren der Zweige eine einheitliche Schleimmasse bildet. Tritt nun Trockenheit ein, so entstehen grosse Längsrisse im Stamm, durch die diese Schleimmassen nach aussen treten. Sie erstarren dann. - Gemäss der Form des Risses wird der Schleim in dünnen Blättchen ausgepresst, die sich oft bockshornartig krümmen. Die Traganthsammler brechen diese Stücke ab und bringen sie so in den Handel. „Z eri" ist S t o r a x von der Pflanze Styrax officinalis. Diese Pflanze ist auch heute noch in ganz Palästina verbreitet. Storax ist ein wohlriechendes Räucherharz, das in Tropfen aus der Rinde austritt und erstarrt, ähnlich wie bei uns das Fichtenharz. R a s c h i hat das ganz richtig gewusst, denn er schreibt als Anmerkung: „Zeri. Ein Harz, das von Ketafbäumen tropft." Und Ketafbaum ist nichts anderes als Styrax officinalis. Den alten Aegyptern war Storax schon lange bekannt. Dafür zeugen neben dieser Stelle viele altägyptische Inschriften, in denen Storax erwähnt wird. Storax war bei ihnen ein Hauptingredienz von Salben und war ebenso wie Nechot und Lot sehr wertvoll, wie ja daraus hervorgeht, dass Jisrael diese Pflanzenprodukte dem Joseph neben anderen Dingen als Geschenk nach Aegypten bringen lässt (1. B. M., Kap. 43, Vers 11). Ausser Zeri und Nechot wird hier „L o t" erwähnt. Lot ist L a d a n u m, das von verschiedenen Cistusarten gewonnen wird. Wieder handelt es sich um ein Harz. Eine der Stammpflanzen ist auf Zeichnung 2 abgebildet. Die Cistrosen bilden eine Zier des ganzen Mittelmeergebietes. Ganze Vegetationsdecken bestehen aus solchen Sträuchern mit weiss-rosa Blüten. Sie sind durdi einen angenehm aromatischen Geruch ausgezeichnet. Auch das Ladanum ist ein Räuchermittel. Interessant ist, dass R a s c h i bei Kommentierung des Wortes „Lot" ein Irrtum unterlaufen ist, denn er glaubt mit seinen Lehrern, Lot sei die Wurzel der Osterluzei. Low meint, es müsse hier eine sprachliche Verwechslung vorliegen. Der Irrtum ist verständlich. Raschis Lehrer dürften wohl von der Existenz des Ladanumharzes wenig gewusst haben, da alle diese Harze erst später Eingang in Europa fanden. Wohl aber kannten sie die Osterluzei, die in der damaligen Heilkunde als Wundmittel, allgemein gebraudit wurde. Verweilen wir hier noch etwas bei dem Namen Osterluzei. Raschi schreibt dafür „Astroalosia". Der lateinisdie Name für diese Pflanze ist Aristolochia. Nun hat das Volk in Deutschland aus dem lateinischen Namen Osterluzei gemacht, der Name hat also nichts mit Ostern zu'tun, wie man glauben könnte. Die Verballhornung von Aristolochia zu Osterluzei ist schrittweise vor sich gegangen. Und der Name bei Raschi, der zu seiner Zeit in Deutschland wohl üblich war, stellt eine deutlich Uebergangsbildung auf diesem Wege dar. Haben wir bisher über die Drogen und den Drogenhandel einiges erfahren, so taucht mit 1. B. M., Kap. 9, Vers 20 ein neues Problem auf. Es ist da von Noach die Rede, der, als er aus der Arche kam, einen Weinberg pflanzte. Wir heute lebenden Menschen sind geneigt, die Kulturpflanzen wi4f Getreide, Wein usw. als etwas Selbstverständliches hinzunehmen. Wir haben diese Pflanzen eben und leben davon. Dass das aber nicht immer so war, zeigt schon ein Vergleich mit manchen primitiven Völkern Afrikas, denen der Anbau irgendeines Gewächses fremd ist. Sie leben nur von der Jagd und dem Einsammeln wildwachsender Knollen, Früchte und Samen. Aehnlich wird es in der Urzeit des Menschengeschlechtes ganz allgemein gewesen sein. Welch' ungeheure Differenz, welcher Sprung vom Menschen, der die wildwachsenden Pflanzen und ihre Produkte sammelt, bis zum Mensdien der geregelten Ackerbau treibt, einen Weinberg pflanzt. Doch geht diese Frage mehr den Kulturforscher an. Für den Botaniker ist eine andere Frage von grösstem Interesse: Wo ist die Heimat der verschiedenen Kulturpflanzen? Wo und wann hat man sie zum ersten Male gezüchtet? Denn die wichtigsten Kulturpflanzen kommen in der Form, in der wir sie heute kultivieren, wild nicht vor und sind erst durch eine langsame Züchtung unter Auslese der für den Menschen nützlichen Eigenschaften zu dem geworden, was sie heute sind. Es gibt mehrere Methoden, zu einer Lösung dieser Fragen zu kommen. Man kann erstens einmal danach suchen, wo auf der Erde eine Pflanze wild vorkommt, die entweder. mit der Kulturpflanze identisch ist oder ihr sehr ähnelt. Manche Forschungsexpedition ist ausgesandt worden, um derartiges festzustellen. Doch hat die Sadie einen grossen Haken: es kommt vor, dass Kulturpflanzen aus der Kultur entspringen, verwildern und so ein wildes Vorkommen der betr. Kulturpflanze vortäuschen. Die zweite Methode ist die, in den alten Gräbern. Ruinen u. dgl. nach Resten von Kulturpflanzen, etwa Samen, zu suchen. Hierin haben die Erforscher der ägyptischen Königsgräber Grosses geleistet. Die dritte Methode ist die, in den ältesten sdiriftlidien Dokumenten der Menschheit zu suchen, ob da die Kultur gewisser Pflanzen erwähnt ist oder nicht. Und gerade in dieser Hinsicht ist die Bibel ein Dokument von höchstem Wert.

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