Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Journal
- Gemeindeblatt der Israelitischen Gemeinde Frankfurt am Main
- Volume
- 8 (1929-1930)
- Issue
- 9 (5.1930)
- Date
- 1930-05-01
- Page
- Seite 372 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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ansdiauung von vornherein eine pädagogisch wichtige Atmosphäre schafft Damit ist auch, vom psychologisch ärztlichen Standpunkte gesehen, eine grössere Gewähr des Erfolges gegeben. Dank dem Entgegenkommen der Gemeinde und der Verwaltung des jüdischen Jugendheims, wird es uns möglich sein, unsere Erziehungsberatungsstelle bereits am 6. Alai in den Räumen des Jüd. Jugendheims Eschersheimer Landstrasse 65 II. zu eröffnen. Die Sprechstunden finden von da ab jeden Dienstag von 4M bis 6 Uhr nachmittags unter ständiger Mitarbeit von Herrn Dr. med. E d i n g e r und Frau Dr. phil. Alice Schaumberg, die auf diesem Gebiete schon einige Jahre praktisdi und theoretisch gearbeitet haben, sowie von Pädagogen aus unseren Kreisen statt. Die Beratungen sind für Eltern und Kinder unentgeltlich. Neben der Erziehungsberatungsstelle besteht noch eine psychologisch-pädagogische Arbeitsgemeinschaft der Vereinigung israelitischer Lehrer und Lehrerinnen, die monatlich zweimal ihre Sitzungen veranstaltet. Damen und Herren, die sich für unser Erziehungswerk interessieren und an der Arbeitsgemeinschaft teilnehmen wollen, bitten wir um Meldung beim Vorstand der Vereinigung (z. H. d. Vorsitzenden Dr. J. Höxter, Friedrichstrasse 50). „Ez chajim". Dem Jahresbericht für 1929,30 ist zu entnehmen, dass in verschiedenen an den Nachmittagen von pädagogisdi geschulten Lehrkräften erteilten Kursen der Unterricht nach einem einheitlichen Lehrplan durchgeführt wurde. Die Lehrgegenstände umfassen Hebräisch-Lesen, Uebersetzen von Gebeten und biblischen Texten, ferner Thora mit Rasdii, Michna, Gemara und religionsgesetzliche Bestimmungen. Das Ziel der Schule, die Kinder zu selbständigem Talmud lernen zu erziehen, wird mit guten Ergebnissen verfolgt. Das neue Schuljahr hat am 25. April begonnen. Zu Auskünften sind die Herren Rabbiner Dr. Horovitz, Staufenstrasse 50, sowie die Vorstandsmitglieder Dr. H. Salvendi, A. Babad und M. Markus bereit. Chor der Synagoge Börneplatz. Am 2. Pessachtag konnte der Synagogenchor das 25jährige Jubiläum seines Vorsitzenden,-Herrn A. Lewiso h n, und das 40jährige Jubiläum des Vorstandsmitglieds, Herrn Gottfried Levi, im Hörsaal der Synagoge festlich begehen. Rabbinat, Synagogenvorstand, Mitglieder des Gemeindevorstands und der Gemeindevertretung und eine stattliche Anzahl Synagogenbesucher hatten sich eingefunden. Ein Gesangsstück leitete die Feier ein. Dann sprach Herr Sigmund Singer den beiden Jubilaren, die er als ein Vorbild von Pünktlichkeit und Pflichttreue bezeichnete, im Namen des Chores herzlichen Dank aus für ihre jahrzehntelange treue und hingebungsvolle Mitwirkung. Für Synagogenvorstand und Gemeinde ergriff hierauf Herr Gemeinderabbiner Dr. Hoffmann das Wort und spendete in sinnigen Ausführungen den Jubilaren Dank und Anerkennung für ihre „leschem schomajim" dem religiösen Chorgesang geweihte Tätigkeit. Für die den Jubilaren zuteil gewordene Ehrung dankte hierauf Herr Lewisohn und knüpfte daran eindrucksvolle Worte der Aufforderung an die anwesenden Eltern, ihre Knaben dem Chor zuzuführen. Ein Schlussgesang beendete die würdige Feier, die bei allen Teilnehmern einen nachhaltigen Eindruck hinterliess. Ph. F. Verein „Westend-Synagoge". Im Rahmen der vierten Weihestunde in der Westend- Synagoge hielt Artur Holde einen Vortrag über Synagogenmusik auf Schallplatten. Holde be- - trachtete zunächst das Problem Schallplatte und Kultur überhaupt. In einer interessanten Darstellung ging er zunächst auf die Anfänge der mechanischen Musik ein und verglich zwischen der Aufnahmetechnik der Anfangszeit und unseren heutigen elektrischen Verfahren; er kam zu dem Ergebnis, dass wohl Ungeheures auf diesem Gebiete geleistet sei, doch selbstverständlich die Schallplatte niemals das persönliche Fluidum des Sprechers und Sängers ersetzen könne, wenn er auch der mechanischen Wiedergäbe äusserst wichtige Funktionen in unserem Kulturleben einräumte. Im allgemeinen ist Holde der Ansicht, dass ein Ersetzen des Kantors und Rabbiners selbstverständlich nicht in Frage komme, dagegen sei die Schallplatte ein wesentlicher Anreger zu jüdischer Musik und jüdischer Kultur innerhalb der Familie und kleiner Gemeinden, beispielsweise auf dem Lande, die nicht die Möglichkeit haben, sich einen eigenen Vorbeter zu leisten. Der sehr interessante und lehrreiche Vortrag gab einen Ueberblick über die gesamte jüdische Musik, soweit sie für uns verfolgbar ist, denn aus der frühesten Zeit fehlen ja nähere Aufzeichnungen. Besonders interessant waren die Ausführungen über den Zusammenhang zwischen alter Tempelmusik, frühchristlicher und synagogaler Musik. Holde brachte anschliessend eine Reihe von Schallplatten zu Gehör mit interessanten musikgesdiichtlichen Erklärungen; er machte beispielsweise mit einer Aufnahme des Sefardischen Gesang „Jigdal" bekannt, in dem orientalisdie Ursioffe mit spanischer Tanzmusik zu einer neuen Einheit verbunden sind. Die inbrünstige Gottesverehrung der Chassiden kam auf einer schönen Platte, von dem Chasen Alter Melitzer gesungen, zur Geltung. Zum Sdiluss wurden auch einige Platten der Jüdischen Reformgemeinde vorgeführt, die, ebenso wie die anderen vorgeführten Schallplatten, von der Kulturabteilung des Lindström- Konzerns zur Verfügung gestellt wurden. Sederfeiern. Verein Hauptsynagoge. Der „Verein Hauptsynagoge'' hatte seine Mitglieder zum 1. Sederabend in das Restaurant „Zum goldenen Ross", Gr. Hirschgraben Nr. 12, eingeladen. Es haben etwa 30 Damen und Herren teilgenommen. Herr Rabb. Gottschalk hat in dankenswerter Weise den Seder gegeben, ' und dieser erste Versuch kann in jeder Weise als gelungen bezeichnet werden. Auch die gebotenen Speisen fanden allseitiges Lob. Verein Westendsynagoge. Ein „Synagogenverein" ist eigentlich ein Pleonasmus: die Gemeinde einer Synagoge sollte eine Gemeinschaft, ein Verein sein. Aber sie ist es nun einmal in der heutigen Grossgemeinde nicht so selbstverständlich, und der Synagogenverein hat den einen Sinn, diese Gemeinschaft herbeizuführen. Unser „Verein Westendsynagoge" versucht das seit seiner Gründung auf den verschiedensten Wegen: er lässt Lehrkurse halten, er versammelt die Kinder zu besonderen Feiern, er stellt aktuelle Probleme zur Diskussion. Zum erstenmal lud er dieses Jahr seine Mitglieder zu einer gemeinsamen Sederfeier ein, verlegte das Familienfest sozusagen in den Kreis einer grösseren Familie der Gemeinschaft. Wer der Einladung folgte, erlebte etwas ganz einziges; die völlig geglückte Synthese von Familien- und Vereinsfeier, die Entstehung der Gemeinschaft. Alles trug dazu bei: der schöne äussere Rahmen, die unendlich sorgfältige Vorbereitung, vor allem aber die Persönlichkeit des Sedergebenden, Dr. Guggenheim aus Offenbach, des Herausgebers der Offenbadier Hagada, der in idealer Weise grosses jüdisches Wissen und freie moderne Einstellung vereinte, so dass für manche Teilnehmer hier erst der Sinn der Feier lebendig wurde wie jede jüdische Form erst in der lebendigen Uebung ihren tiefen Sinn offenbart. Hoffentlich gewinnt diese schöne Feier dem Verein noch viele tätige Freunde, so dass er sein Ziel mehr und mehr erreicht E. Versammlung im Centraiverein. In einer vom Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens einberufenen öffentlidien Versammlung sprach am 7. April 1950 im überfüllten Saal des Volksbildungsheims Herr Rabbiner Dr. Neuhaus aus Mülheim a. d. Ruhr über „Der Talmud und seine Geheimnisse". Redner erläuterte in klaren Worten die Entstehung des Talmuds, der eine schriftlidie Niederlegung der mündlichen Lehre und ihrer Erklärungen darstellt, an deren Zusammenstellung ca. 2000 Gelehrte beinahe 500 Jahre gearbeitet haben. Er zeigt an einzelnen Beispielen, dass im Talmud keine Geheimnisse für denjenigen sind, der sich in die Lehre vertieft. Es ist audi erfreulich festzustellen, dass viele grosse nichtjüdische Gelehrte wie König, Dalimann, Strack, Hehn sich mit dem Talmud befassen und ebenfalls bezeugt haben, dass Geheimnisse, wie sie von unseren Gegnern als Waffe gegen uns gebraucht werden, nicht vorhanden sind. Schon im Jahre 1897 wurde' im Reichstag von einem Abgeordneten der Antrag gestellt, den babylonischen Talmud in deutscher Sprache zu übersetzen. Lazarus Goldschmidt hat sich, unterstützt durch die Jüdische Gemeinde Gemeindemitglieder bedient Euch zur Gräberpflege der mit allen neuzeitlichen Anlagen ausgestatteten Friedhofsgärtnerei der Israelitischen Gemeinde. Sie übernimmt die Neubepflanzung von Grabstätten in jeder gewünschten Art, sowie die jahrweise und dauernde Pflege. Lieferung von Kränzen, sowie von Topfpflanzen und Schnittblumen für nlle Gelegenheiten. Bestellungen durch das Friedhpfsamt der Israelitischen Gemeinde, Zeppelin 52041 oder direkt in der Gärtnerei, Eckenheimerlandstrasse 238.